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Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Jesús González Rebordinos

50 Jahre Opernhaus - Die Entstehung einer Ausstellung

"Den Blick auf etwas lenken, was vorher noch nicht so betrachtet worden ist, den Fokus verändern und Zusammenhänge zeigen: Das sind einige der Beweggründe, aus denen heraus die Jubiläumsausstellung ‚Gestaltung und Erlebnis - Das Opernhaus 1966‘ entstanden ist"

So formuliert es Marie König im Programmheft "50 Jahre Opernhaus", das anlässlich des Jubiläumsfestaktes am 12. März 2016 und der Aufführung von Richard Strauss‘ "Der Rosenkavalier" an die Gäste verteilt wurde.

Die Ausstellung, die am selben Abend im Foyer des Opernhauses eröffnet wurde, erzählt die Geschichte der Planung und Entstehung des Dortmunder Bauwerkes. Gezeigt werden Bilder und Fotos, Zeichnungen und Zeitungsartikel: Kuriositäten, die einen schmunzeln und staunen lassen - und allerlei Wissenswertes, das in Bücherkisten und Aktenordnern Jahrzehnte geschlummert hat.

Gruppenbild: sechs Menschen stehen vor einer Torte, die die Form des Opernhauses hat

v.l. Dr. Gerhard Langemeyer, Dominik Olbrisch, Marie König, Jens-Daniel Herzog, Bettina Pesch, Michael Petmecky
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dortmund-Agentur / Anja Kador

Die Ausstellung, die am selben Abend im Foyer des Opernhauses eröffnet wurde, erzählt die Geschichte der Planung und Entstehung des Dortmunder Bauwerkes. Gezeigt werden Bilder und Fotos, Zeichnungen und Zeitungsartikel: Kuriositäten, die einen schmunzeln und staunen lassen - und allerlei Wissenswertes, das in Bücherkisten und Aktenordnern Jahrzehnte geschlummert hat.

Die größte Herausforderung war, wirklich ausstellungsfähiges Material - wie zum Beispiel Fotos - zu finden.

Dr. Langemeyer

Zutage gefördert, sortiert und ausgewertet hat die Dokumente Dr. Gerhard Langemeyer. Der Kunsthistoriker und Oberbürgermeister a.D. hat die Jubiläumsausstellung kuratiert. Mit einem kleinen Team, dem auch Dramaturgieassistentin Marie König und der Student Dominik Olbrisch angehörten, hat er in nur drei Monaten eine beeindruckende Schau zusammengestellt, die den Besucherinnen und Besuchern einen Einblick in die elf Jahre dauernde Planungs- und Umsetzungsphase bis hin zur Eröffnung des Opernhauses gibt.

Die Dortmund-Redaktion sprach mit Dr. Langemeyer über die größte Herausforderung, die Kürze der Zeit und spannende Entdeckungen.

Interview: Anja Kador

Dortmund-Redaktion: Herr Dr. Langemeyer, Opernintendant Jens-Daniel Herzog hat Sie im Dezember letzten Jahres gebeten, anlässlich des Jubiläums 50 Jahre Opernhaus eine Ausstellung zu kuratieren. In nur drei Monaten haben Sie und das Team, das Ihnen zur Seite stand, Erstaunliches zutage gefördert. Wussten Sie, als Sie sich der Herausforderung gestellt haben, sofort, wohin die Reise gehen würde?

Dr. Langemeyer: Der Vorteil ist, dass 1966 bei der Eröffnung die Bauverwaltung eine Festschrift herausgegeben hat, in der einiges gut dokumentiert ist. Ich habe Jens-Daniel Herzog vorgeschlagen, die Ausstellung wirklich auf die Gebäudethematik zu konzentrieren und nicht auf die Abfolge der Intendanten mit ihren Leistungen. Die größte Herausforderung war, wirklich ausstellungsfähiges Material - wie zum Beispiel Fotos - zu finden. Ich habe überall nachgefragt und erst ganz spät haben wir dann festgesellt, dass eine Menge Fotos im Theater selbst zu finden waren. Das Problem war: Die waren nicht im richtigen Format. Ich habe dann entschieden, alle Fotos einzuscannen und auf 18x24cm zu vergrößern, damit dann eine schöne Fotoausstellung zustande kommt. Auch war zu Anfang ein intensiver Einstieg in die Literatur notwendig. Da war hilfreich, was Stadtarchiv und Stadt- und Landesbibliothek für mich bereitgelegt haben.

Langemeyer und Herzog

Opernintendant Herzog (r.) bat Dr. Langemeyer die Ausstellung zu kuratieren
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dortmund-Agentur / Anja Kador

Im Theaterkeller schlummerten alte Schätze

Dortmund Redaktion: Und wie sind Sie ganz konkret mit Ihren Recherchen vorgegangen?

Dr. Langemeyer: Im Keller des Theaters gab es einen Raum mit Plänen. Den durchzusortieren war in der kurzen Zeit gar nicht möglich. Dann war da noch ein Raum, wo Aktenordner neben Aktenordner gestapelt waren - ein Abstellraum. Da greift man sich Einiges und guckt erst mal. In einer frühen Publikation habe ich dann zumindest zwei von den Entwürfen des Architektenwettbewerbs gefunden. Leider nicht komplett. Aber das war für mich wichtig, weil ich damit die Entwicklung der Baugeschichte nachvollziehen konnte.

So ein Ausstellungsprojekt ist in der kurzen Zeit nur hinzubekommen, wenn man sich einen bestimmten Grundgedanken zu eigen macht. Und der heißt: Wir haben jeden Tag einen Fortschritt. Der Minimalstand wäre gewesen, wir hätten die Festschrift von 1966 an die Wand gebracht. Mit jeder weiteren Recherche haben wir dann angereichert und ergänzt. Jetzt haben wir einen Zwischenstand abgeliefert, an den man nun eigentlich noch weitere Recherchen dranhängen könnte. Aber das ist der Stand, der erreichbar war in dieser relativ kurzen Zeit.

Langemeyer am Rednerpult

Viele interessante Geschichten entdeckte Kurator Dr. Langemeyer bei seinen Recherchen
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dortmund-Agentur / Anja Kador

"Ein typisches Dortmunder Großprojekt"

Dortmund-Redaktion: Was hat Sie während der Recherchen besonders beeindruckt, was finden Sie bemerkenswert?

Dr. Langemeyer: Was mir vorher nicht klar war: Ich kannte das Dortmunder Theater als einen eigenständigen Bau mit einem besonderen Charakter, aber wie diese elfjährige Entstehungsgeschichte gelaufen ist, das hatte ich nicht auf dem Schirm. Was ich bezeichnend finde ist, dieses Projekt hatte - damals schon - alle Merkmale eines typischen Dortmunder Großprojektes: Dem Wettbewerb und der Euphorie nach dem Ergebnis des Wettbewerbs, der Einrichtung eines Theatersonderausschusses, der das Ganze begleitet hat, folgten heftige interne Debatten und eine intensive Planung bis 1959.

Dann kam das große Desaster: Die Kostenschätzung war weit über das hinausgeschossen, was geplant war, eine heftige Debatte in der Stadt entstand und das ganze Projekt stand auf der Kippe.

Mich beeindruckt der Mut der Entscheider in den 50er und 60er Jahren.

Dr. Langemeyer

Dortmund-Redaktion: Wie ging es dann trotzdem weiter?

Dr. Langemeyer: Ein Ergebnis der Debatten war eine Reduzierung des Bauprogramms: zum Beispiel der Verzicht auf den Rauchersalon oder auf eine Studiobühne. Also ein paar Abstriche. Auch die Kuppel war eine Zeitlang in Frage und aus der Vier-Punkt-Kuppel, die im Entwurf stand - wurde dann eine Drei-Punkt-Kuppel mit einem darunter liegenden Sockelgeschoss, ähnlich wie etwa bei der Berliner Kongresshalle. Das wurde 1960 im Rat entschieden und ist dann schrittweise in Abschnitten realisiert worden. In der veröffentlichten Kritik in der "Zeit" und "Theater heute" 1966 wurde der Bau dann nach Eröffnung mehr oder weniger verrissen.

Der Opernbau zeigt den Mut der Dortmunder

Dortmund-Redaktion: Eine Einschätzung, die sich aus heutiger Sicht anders darstellt.

Dr. Langemeyer: Für mich ist die eigentlich spannende Einsicht gewesen, dass dieser Planungsprozess das Vorhaben qualifiziert ein Gesamtkunstwerk hat entstehen lassen. Also im Gegensatz zur zeitgenössischen Kritik ist mir wichtig, dass die Dortmunder hier ein Haus schätzen lernen, das ein typisches Beispiel seiner Zeit ist und auch vom Mut der Dortmunderinnen und Dortmunder kündet, direkt nach dem Krieg einen solchen kulturellen Akzent zu setzen. Und das mit einem Anspruch an Qualität verbunden, der beachtlich ist. Zwar hat man über die Kosten diskutiert, aber es wirklich etwas sehr Vernünftiges dabei herausgekommen.

Mich beeindruckt der Mut der Entscheider in den 50er und 60er Jahren. Insofern ist es nicht nur die Leistung von Künstlern und von Architekten, sondern es ist das Zusammenspiel von Bauherren und Nutzern, die dann so etwas möglich macht.

Das was ich mir eigentlich wünsche ist, dass man auch für diese Leistung Respekt hat.

Dortmund-Redaktion: Vielen Dank für das Gespräch.

Zum Thema

Wer Lust bekommen hat, tiefer einzusteigen in die spannende Entstehungsgeschichte des Opernhauses, hat dazu Gelegenheit: Die Jubiläumsausstellung ist bis Dezember 2016 im Foyer des Opernhauses zu sehen. Im Rahmen eines Opernhausbesuches ist sie kostenlos zugänglich. Öffentliche Führungen finden einmal monatlich statt. Kostenlose Zählkarten gibt es an der Theaterkasse.

Die nächsten Termine: 26.3./ 30.4./ 28.5./ 25.6.2016

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