Dortmund überrascht. Dich.
Friedensplatz, Berswordthalle und altes Stadthaus

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Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Jesús González Rebordinos

„Wir tragen im Winter keine High Heels“

Ohne Laptop und Kamera geht bei Jil und Jana Wernicke gar nichts. Sie berichten von Festivals, probieren neue Lokale aus, und lichten Outfits ab – mal lässig, mal schick, aber immer bequem. Das Resultat landet in ihrem Blog: "Zwillingsnaht".

Zwillingsnaht

Der Name kommt nicht von ungefähr: Jil und Jana sind eineiige Zwillinge
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Zwillingsnaht

Der Name kommt nicht von ungefähr: Jil und Jana sind eineiige Zwillinge. Unterscheiden kann man sie am besten anhand der Haare. Jil kurz, Jana lang. Seit 2010 bloggen die beiden Dortmunderinnen vor allem über Mode und Events, aber auch über Interior Design und Reisen. Der Blog ist Inspirationsquelle und ein Fest fürs Auge. Sowohl Outfits als auch Burger setzen Jil und Jana gekonnt in Szene. Die Dortmund-Redaktion hat mit den beiden Mittzwanzigern über Prinzipien, Leidenschaften und ihre Heimatstadt gesprochen.

Frage: Euer Blog ist Anfang 2010 an den Start gegangen, zunächst als Online-Tagebuch für Freunde. Wie hat sich der Blog zu seinem aktuellen Format entwickelt?

Zwillingsnaht: Die Leser haben immer häufiger gefragt, was wir auf den Fotos tragen. Also haben wir angefangen, unter unsere Fotos zu schreiben "der Pullover ist aus dem Laden, das T-Shirt aus dem Laden". Mehr haben wir dazu gar nicht beigesteuert. Es ist auch einfach die Zeit gewesen, in der Blogs Anfragen von Agenturen bekommen haben. Und dadurch, dass unser Blog eine immer größere Reichweite bekam, sind Unternehmen auf uns aufmerksam geworden. Wir wurden dann nach Kooperationen gefragt und mit Produkten gesponsert.

Frage: Nach welchen Kriterien stellt ihr Produkte vor?

Zwillingsnaht: Es ist das eine, ob man von dem Blog lebt und nimmt, was man kriegen kann – das tun wir nicht – oder ob man ihn als Hobby betreibt. Wir müssen selber hinter den Produkten stehen. Wir zeigen nur, was wir selbst gut finden und was zu unserem Stil passt.

Wenn wir zum Beispiel eine Mail von Wonder Bra (Anm. d. Red: Firma verkauft u.a. Super Push-up BHs) bekämen, das würde uns einfach nicht entsprechen. Deswegen selektieren wir da aus. Bei unserem Blog liegt das Augenmerk vor allem darauf, die kleineren Labels zu unterstützen oder Lokalitäten und Veranstaltungen einen Raum zu geben.

"Wir zeigen nur, was wir selbst gut finden und was zu unserem Stil passt."

Zwillingsnaht

Frage: Würdet ihr euren Blog eher als Mode- oder als Lifestyle-Blog bezeichnen?

Zwillingsnaht: Mode ist ja auch Lifestyle. Mode ist etwas, womit man sich ausdrücken kann. Deswegen liegt da auch der Fokus unseres Blogs, sowie auf Festivals und auch auf Reisen und Interior. Das führt alles zusammen zu einem richtigen Lifestyle – eben, wie wir uns ein wertiges Leben vorstellen. Wir haben auch schon immer im Bereich Mode gearbeitet. Schon während der Schulzeit im Einzelhandel. Da haben wir angefangen, uns für Mode zu interessieren, und das hat uns eigentlich auch dazu gebracht, den Blog zu machen.

Frage: Welche Leidenschaft ist größer: Die für die Mode oder die für die Fotografie?

Zwillingsnaht: Alles gleichermaßen. Jil hat dieses Jahr den Bachelor of Arts in Fotografie abgeschlossen. Für sie ist es die Leidenschaft zu fotografieren. Jana hat Design und Medienkommunikation auf Bachelor studiert. Für sie ist es das Layouten an sich, das Gestalterische und auch die Kommunikation. Immer wieder neue Ideen zu finden, zu schauen, wie können wir das jetzt umsetzen? Nicht ganz banal nur ein Foto schießen – alles, was wir machen, hat ein Konzept. Wir sprechen vorher einmal durch, wie wir uns das vorstellen. Wir haben nie Lust, das Outfit vor dem immer gleichen Ort zu fotografieren. Also eigentlich können wir uns da gar nicht entscheiden, was uns mehr Spaß macht. Es ist die Kombination, es ist einfach der Blog.

"Nicht ganz banal nur ein Foto schießen – alles, was wir machen, hat ein Konzept."

Zwillingsnaht

Frage: Ihr seid mal lässig, mal eher ausgefallen unterwegs. Experimentiert ihr viel mit euren Outfits?

Zwillingsnaht: Extravagant laufen wir eigentlich gar nicht rum. Wir haben einen richtig authentischen, alltäglichen Stil, der weder verkleidet, noch girly-mäßig ist. Wir laufen wirklich ganz normal mit Turnschuhen rum. Jana kauft auch Sachen in der Männerabteilung, was an ihr aber nicht maskulin wirkt. Wir haben es halt gerne bequem und Streetwear-lastig. Wir inspirieren uns auch gegenseitig, was Neues auszuprobieren. Aber wir sind keine bunten Vögel, wir gehen in der Masse unter.

Das ist, glauben wir, auch das, was unseren Blog interessant macht. Dass es Mode ist, die unsere Leser überall bekommen. Wir kombinieren Outfits, die du immer anziehen kannst, wir kombinieren sie nicht nur für das Foto. Wir tragen im Winter keine High Heels, wir ziehen dicke Parkas an. Aus dem Grund kooperieren wir mit Firmen, die dieselbe Zielgruppe haben wie wir.

Zwillingsnaht

"Zwillingsnaht" wurde im März 2010 von Jil und Jana gegründet
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Zwillingsnaht

Frage: Für "Dortmund überrascht. Dich." schreibt ihr regelmäßig über Veranstaltungen und Lokalitäten in Dortmund. Ihr habt zum Beispiel Burgerläden getestet und euch selbst im 3D-Miniaturformat drucken lassen. Was hat euch bisher am meisten Spaß gemacht, was überrascht?

Zwillingsnaht: Bisher haben uns alle Beiträge mega viel Spaß gemacht. Es ist halt echt schön, dass wir das in den Blog mit einfließen lassen konnten. Weil unsere Leser das mega interessiert, was geht in Dortmund. Das Feedback auf den Burger-Post war enorm (Dortmund Burger Guide). Das hat uns super gefreut. Wir haben ja nicht mal alle Burgerläden aufgenommen.

Dortmund ist halt echt eine Großstadt. Hier passiert gerade so unendlich viel, so viele Leute haben Ideen und setzen sie auch um. Und das ist echt was, was uns jedes Mal aufs Neue überrascht.

"Das Feedback auf den Burger-Post war enorm."

Zwillingsnaht

Frage: Welcher ist euer Lieblings-Ort in Dortmund?

Zwillingsnaht: Jana hängt am liebsten im Sommer am Dortmunder U rum. Im Sommer treffen sich da locker 40 bis 50 Leute. Man sitzt zusammen, trinkt was und hört Musik. Das Licht ist super und es ist einfach eine schöne Atmosphäre, da fühlt man sich wohl. Jil ist gerne am Kanal. Da gehen wir immer schwimmen und dann kann man danach sogar noch in die Tyde Studios und ein Bier trinken.

Frage: Was mögt ihr am meisten an Dortmund?

Zwillingsnaht: Für uns ist es, dass wir in Dortmund aufgewachsen sind. Man kennt sich hier untereinander. Das macht es so schön, man fühlt sich einfach heimisch. Und es ist eine super Stadt für Studenten, weil man so viele Möglichkeiten hat, zu studieren. In der Innenstadt erreicht man fußläufig oder mit dem Rad einfach alles. Und die U-Bahnen sind sehr zuverlässig.

Frage: Wie würdet ihr die Stadt in drei Worten charakterisieren?

Jana: Bier, Fußball, alternativ.

Jil: authentisch, kreativ, gelb.

Frage: Gibt es einen Dortmund-Style oder einen Ruhrpott-Style?

Zwillingsnaht: Der definiert sich weniger über die Optik als über die Sprache. Das hört man schon raus, wenn jemand aus dem Ruhrpott kommt. Man kann gar nicht sagen „das ist Dortmunds modischer Look“, weil jede Subkultur ihren eigenen Style hat.

Interview: Elena Hesterkamp

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