Dortmund überrascht. Dich.
Oberbürgermeister Ullrich Sierau

Zur Sache

Bild: Stadt Dortmund / MIA-DO

Integrationspreis des Deutschen Fußball-Bundes und von Mercedes-Benz: 1. Platz für Dortmund

26.03.2013

Am 25. März hat der Deutsche Fußballbund (DFB) gemeinsam mit Mercedes-Benz zum sechsten Mal den Integrationspreis "Viele Kulturen - eine Leidenschaft" in Herzogenaurach verliehen. Der erste Platz ging nach Dortmund.

Mit diesem Preis werden Projekte in den drei Kategorien "Vereine" (1. Platz: FC Internationale Berlin), "Schule" (1. Platz: GGS Kettelerschule Köln) und "Freie und kommunale Träger" geehrt, die die Teilhabe von Bürgerinnen und Bürgern mit Zuwanderungsgeschichte fördern. Dortmund hat von insgesamt 235 eingereichten Projekten den exzellenten 1. Platz in der Kategorie "Freie und kommunale Träger" belegt. Werder Bremen erhielt den Sonderpreis.

Die Agentur für Migration und Integration (MIA-DO) brachte die Bewerbung mit einem Gesamtkonzept zu den Themen Integration als Querschnittaufgabe, Masterplan Migration/Integration, starke Kooperationspartner der Stadt sowie Sportstadt Dortmund auf den Weg. Außerdem stellte MIA-DO exemplarisch drei besondere Sportintegrationsprojekte vor: das Mädchenfußballprojekt des SC STS Asteria Dortmund - Mädchen aus 12 Nationen trainieren am runden Leder miteinander, die Nordstadtliga BUNTKICKTGUT - multikultureller Straßenfußball vom Jugendamt in Kooperation mit Partnern, Fußballturniere der Religionen - in Jugend- und Herrenturnieren spielen Christen, Juden und Muslime Fußball miteinander mit Schirmherr Ullrich Sierau.

Die Dortmund-Redaktion sprach direkt nach der Preisverleihung mit Reyhan Güntürk und Oliver Hesse von MIA-DO über die Auszeichnung.

Interview: Gaye Suse Kromer

Pfarrer Ralf Greth, Andreas Haase, Cacau, Erwin Fischer und Oberbürgermeister Ullrich Sierau

Stolze Preisträger (von links): Pfarrer Ralf Greth (Fußballtuniere der Religionen), Andreas Haase (Stadtteil-Schule Dortmund e. V.), Cacau (deutscher Nationalspieler und Preispate für Dortmund), Erwin Fischer (Nordstadtliga) und Oberbürgermeister Ullrich Sierau
Bild: Stadt Dortmund / MIA-DO

Dortmund-Agentur: Erstmal herzlichen Glückwunsch zum hervorragenden 1. Platz! Helmut Sandrock, DFB-Generalsekretär, Gerhard Klewitz, Senior Manager der Daimler AG und Preispate Cacau überreichten Oberbürgermeister Ullrich Sierau stellvertretend für die drei Dortmunder Projekte, für die Sie als MIA-DO die Bewerbung an den Start brachten, den Preis. Wie ist es denn in Herzogenaurach?

MIA-DO: Eine tolle Überraschung! Bei der Verkündigung sind wir aufgesprungen und haben uns erstmal in den Arm genommen. Wir sind in dem Hotel abgestiegen, in dem auch mal die Deutsche Nationalmannschaft residiert hat. Es sind sogar drei Nationalspieler bei der DFB-Gala, obwohl sie morgen das Spiel gegen Kasachstan bestreiten und also Ausgangssperre hätten. Wir freuen uns sehr über die Überraschungsgäste Ilkay Gündogan, Jerome Boateng und Sami Khedira. Das zeigt, wie wichtig der DFB das Thema Integration nimmt.

Dortmund-Agentur: Die Zahl mit 235 Konkurrenten war beeindruckend hoch. Was ist das Besondere an den Dortmunder Projekten, die diese tolle Platzierung möglich gemacht haben?

MIA-DO: Die Besonderheit war schon allein die Bewerbung. Die DFB-Bewerbung hatte einige Anforderungen. Es mussten z. B. Sportprojekte sein, Fußball stand im Vordergrund und es musste natürlich mit dem Thema Integration zu tun haben. Bewerben konnten sich in unserer Kategorie einzelne Träger, aber eben auch Kommunen.

Diesen Weg haben wir gewählt: Wir haben uns mit einem Gesamtkonzept als Kommune beworben. Wir sind als MIA-DO eine Querschnittsstelle: Wir führen zahlreiche Maßnahmen und Projekte im städtischen Bereich durch, arbeiten aber genauso viel mit externen Trägern. Daraus resultierend haben wir in der DFB-Bewerbung die drei Projekte beispielhaft genannt.

Besonders war also, dass wir als Kommune drei Projekte, in denen sich Verwaltungsarbeit und freie Trägerschaft partnerschaftlich treffen, vorangestellt haben. Dabei stehen die drei Projekte für eine Reihe von Dortmunder Projekten, gerade im sportlichen Bereich. Unser Gesamtkonzept steht für die generelle Zusammenarbeit in Sachen Integration. Während der Bewerbungsphase schickte der DFB Vertreter nach Dortmund, die sich die Projekte im Detail ansahen. Sie spiegelten uns schon damals, dass unsere Arbeit vor Ort beeindruckt.

Oliver Hesse und Reyhan Güntürk von MIA-DO

Sie haben die Bewerbung für Dortmund auf den Weg gebracht: Oliver Hesse und Reyhan Güntürk von MIA-DO
Bild: Stadt Dortmund / MIA-DO

Dortmund-Agentur: Welchen Stellenwert nimmt Sport bzw. Fußball für die Integration ein?

MIA-DO: Speziell Fußball hat in Dortmund einfach durch die erfolgreiche Borussia einen sehr hohen Stellenwert. Wenn wir über die Verbindung zwischen Sport bzw. Fußball und Integration sprechen, schwingt immer mit, dass es in erster Linie um ein gemeinsames Ziel geht, nämlich das Spiel zu gewinnen. Wie eine Mannschaft zusammengestellt ist, ist ein eher untergeordneter Punkt. Diese Haltung ist ein schönes Symbol für die Gesellschaft: Man hat ein gemeinsames Ziel, eine gemeinsame Vorstellung von Zusammenleben. Ethnische oder religiöse Aspekte spielen dann weniger eine Rolle.

Dortmund-Agentur: Für den 1. Platz gibt es einem Mercedes-Vito. Was passiert mit dem Preis?

MIA-DO: Es ist toll, dass wir den ersten Preis mit nach Hause nehmen können. Wir hatten von Anfang an gesagt, der Preis wird unter den drei beworbenen Projekten aufgeteilt. Wie genau wir die Aufteilung des Wagens zwischen den Preisträgern gerecht händeln können, müssen wir noch diskutiert, sobald wir von Herzogenaurach zurück nach Dortmund kommen.

Oberbürgermeister Ullrich Sierau

Oberbürgermeister Ullrich Sierau bei der Preisvergabe
Bild: Stadt Dortmund / MIA-DO

Dortmund-Agentur: Welche Bedeutung hat der Preis für Dortmund, MIA-DO und letztlich für die Bürger mit und ohne Zuwanderungshintergrund in dieser Stadt?

MIA-DO: Durch den sportlichen Schwerpunkt rückt die übliche Diskussion über die Defizitorientierungen in den Hintergrund. Natürlich muss man über Defizite reden und ihnen entgegensteuern. Wir aber legen bei unserer Arbeit Wert auf die Potenziale, die Kompetenzen. Sport fördert im hohen Maße diese positiven Effekte: Gemeinschaftsgefühl, Solidarität, Zusammenhalt, Fairness, Toleranz, Anerkennung. Alles Aspekte, die auch für die Gesellschaft eine maßgebliche Bedeutung haben.

Darüber hinaus schließen diese sportlichen Projekte einen Bildungsansatz mit ein. Wie etwa im Fall des Mädchenfußballprojektes SC STS Asteria: Die Mädchen werden gestärkt in ihrer emanzipatorischen Haltung, lernen Selbstbewusstsein und Teamarbeit, bauen Strukturen auf, die Eltern sind mit eingebunden, die Mädchen bekommen bei ihrem schulischen Werdegang oder in ihrer Ausbildungsplatzsuche Beratung. Das gilt gleichermaßen für das Jungenprojekt der Nordstadtliga.

Dortmund-Agentur: Wie geht es jetzt weiter mit der tollen Auszeichnung im Rücken? Ist der Preis ein Motivator?

MIA-DO: Die Ehrung ist auf jeden Fall ein Motivator für die gesamte Integrationsarbeit in unserer Stadt. Die Verwaltung steht mit MIA-DO und all den anderen Fachbereiche, die sich diesem Thema angenommen haben, allerdings nicht alleine da: Integrationsarbeit wird in Dortmund von vielen geleistet: Wohlfahrtsverbände, Gewerkschaften, Vereine. Sie leisten teilweise schon seit Beginn der ersten Zuwanderungswelle in den 1960er Jahren Integrationsarbeit.

Wir sind mit all diesen Protagonisten gut vernetzt. Es also auch für uns und für unsere Partner ein Zeichen, was mit hervorragenden Projekten, die allen Beteiligten Spaß machen, erreicht werden kann und welchen hohen Stellenwert über Dortmund hinaus diese Arbeit einnimmt. Der Preis ist ein Auftrieb für die Beteiligten und gerade für die Bürgerinnen und Bürger.