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Gebäude des Fritz-Hüser-Instituts

Fritz-Hüser-Institut

Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Alle Rechte vorbehalten Markus Steur

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Forschung und Vermittlung

In der inzwischen knapp 50-jährigen Geschichte waren die Forschungsthemen des FHI in stetem Wandel – nicht zuletzt aufgrund der Veränderungen in der Arbeitswelt und den damit einhergehenden Vorstellungen von Arbeit und Arbeitswelten, von sozialer und politischer Literatur. Auf diese Forschungsinteressen aufbauend veränderten sich im Laufe der Jahrzehnte auch die Tätigkeiten des Instituts im Bereich der Literatur- und Kulturvermittlung.

Fritz Hüser, ehemals Leiter der Dortmunder Stadtbücherei und Gründer des Instituts, konzentrierte sich auf die archivische und bibliothekarische Sammlung von Arbeiterliteratur, die er als »Archiv für Arbeiterdichtung und soziale Literatur« recht früh der Öffentlichkeit zugänglich machte. Die damals in Vergessenheit geratenen Autor*innen der Arbeiterdichtung brachte er mittels Bibliografien, Ausstellungen und literarischen wie wissenschaftlichen Publikationen ins Gedächtnis der Lesenden zurück und galt als Mentor für Schriftsteller*innen wie Forschende. Seine Privatsammlung erweiterte er kontinuierlich und übergab sie bei seinem Eintritt in den Ruhestand der Stadt Dortmund als »Institut für deutsche und ausländische Arbeiterliteratur«, das er bis kurz vor seinem Tod 1979 leitete.

Mit dem Amtsantritt von Prof. Dr. Rainer Noltenius im Jahr 1979 fand eine Öffnung der Forschungs- und Wirkungsfelder der Einrichtung statt, die sich selbst in der Umbenennung des Instituts spiegelt: Das »Fritz-Hüser-Institut für Literatur und Kultur der Arbeitswelt« erforschte allgemein die Literar- und Kulturgeschichte von Arbeit und Arbeitswelten. Dazu gehörten neben der wissenschaftlichen Betrachtung nicht-industrieller Literatur auch die Geschichte der Esperanto-Bewegung, der Arbeiterchöre, der Vagabundenliteratur und verschiedener Alternativbewegungen als Negativfolie oder Ergänzung zur Arbeiterliteratur und -kultur.

Diese Tradition wurde von Hanneliese Palm, die 2005 die Leitung des Instituts übernommen hat, fortgeführt. Zusätzlich konzentrierte sich nun die Forschung im FHI auf regionale Autor*innen, Bergbaukulturen und literarische Vereinigungen, aber auch auf Druckerzeugnisse der Büchergilde Gutenberg, die als sogenannte Kulturinstitution der Werktätigen sozial engagierte Literatur verlegte. Grundbaustein der Forschungstätigkeiten bildeten vornehmlich die zahlreichen Vor- und Nachlässe aus dem Archiv des FHI.

Zum Juli 2018 hat die Literaturwissenschaftlerin Dr. Iuditha Balint ihr Amt als Direktorin angetreten. Mit dem Wechsel wurde der Fokus der wissenschaftlichen Untersuchungen im Institut aufs Neue erweitert. Die klassischen Arbeitsfelder wurden beibehalten. Fokussiert werden nun ferner literatur- und kulturwissenschaftliche Fragestellungen im Spannungsfeld von Literatur, Kultur und Ökonomie – ein Spannungsfeld, das grundlegend von der Frage bestimmt ist, was Arbeit als literarisches und kulturelles Phänomen ausmacht, und unter welchen marktökonomischen, kulturellen, historischen, aber auch sprachlichen, ästhetischen, stilistischen oder medialen Bedingungen Arbeit stattfindet und Vorstellungen von Arbeit reflektiert, modelliert werden. Die Arbeit am Selbst wird dabei genauso einer kulturwissenschaftlichen Reflexion unterzogen wie körperliche und geistige Erwerbsarbeit, Kinder-, Beziehungs-, künstlerische und ehrenamtliche Arbeit – oder auch die Entgrenzungen der Sprache und Medien der Bürokratie und anderer Erwerbsarbeitswelten auf Bereiche der Nicht-Arbeit.

Das FHI ist Mitglied des Netzwerks »Wissenschaft in Dortmund« (WINDO) und steht mit allen Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen am Standort Dortmund in engem Kontakt und Austausch.

Als Mitglied des internationalen Netzwerks »L’Observatoire Européen des Récits du Travail« (OBERT) wirkt das FHI am Aufbau und an der Publikation eines mehrsprachigen interdisziplinären Online-Wörterbuchs zu Erzählungen von Arbeit mit, an dem Forscher*innen aus sechs europäischen Ländern beteiligt sind.

Im Entstehen begriffen ist das vom FHI initiierte Forschungsnetzwerk »Literarische Ökonomik«, in dem Literaturwissenschaftler*innen aus dem In- und Ausland zusammenarbeiten und das Thema ›Arbeit‹ im Kontext ökonomischer Fragestellungen zu betrachten suchen. Bestimmend ist dabei eine ebenfalls erweiterte Auffassung von Ökonomie und Ökonomik, die einerseits von (der theoretischen und methodischen Metareflexion von) ökonomischen Prozessen oder Phänomenen ausgeht, andererseits aber auch das Nachdenken über Ökonomien des Stils, der Rhetorik oder der Form miteinbezieht.

Weitere Projekte des FHI:

Publikationen

Tagungen

Summer Schools

Summer School 2020: Bürokratie

Vorträge, Lesungen, Podiumsdiskussionen

Aktuelles

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