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Teilnehmer einer Tagung

Fritz-Hüser-Institut

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Tagungen

Korrigieren eine Kulturtechnik

Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Alle Rechte vorbehalten Fritz-Hüser-Institut

Korrigieren – eine Kulturtechnik

Wissenschaftliche Konferenz
19.–20. November 2020
Fritz-Hüser-Institut Dortmund

Eintritt frei

Anmeldung unter: jeggert@stadtdo.de

Schreiben vollzieht sich immer unter kulturell vorgeprägten Bedingungen und vor dem Hintergrund ästhetischer, stilistischer, grammatikalischer und inhaltlicher Regelsysteme. Dennoch sind Schreibprozesse i. d. R. mit der Vorstellung einer singulären und souveränen Autorschaft verbunden. Unbeachtet bleiben dabei Verfahren des Korrigierens, die sowohl dem Text zu einer druckfertigen Gestalt verhelfen als auch die Autor*innenfigur ergänzen. Mit dieser Konstellation, ihren Praxen und möglichen Folgen für Kategorien der Autorschaft sowie der literarischen und wissenschaftlichen Textproduktion als einer Arbeitstätigkeit will sich diese Konferenz beschäftigen. Dabei perspektiviert sie Fragen kollaborativer Schreibprozesse, aber auch Korrigieren als Tätigkeit, die einerseits Produktionsverhältnissen unterworfen ist, andererseits selbst zur Produktion und Destruktion, Ergänzung, Verbesserung, Entstellung und Überschreibung von Texten und Gedachtem beiträgt.

Eine Kooperation des Fritz-Hüser-Instituts mit der Universiteit van Amsterdam und der Universiteit Antwerpen.

SCHREIBEN UND ARBEIT – EIN TAG, EIN WERK, EIN AUTOR

Die in Kooperation mit dem Lehrstuhl für Neuere deutsche Literatur und Literaturtheorie seit dem 18. Jahrhundert an der TU Dortmund veranstalteten Symposien finden alljährlich am letzten Freitag des Oktober statt. Das Konzept ist denkbar einfach: Wir laden Forschende dazu ein, sich für die Länge eines Tages zu treffen und über ein einziges Werk einer Autorin oder eines Autors zu diskutieren.
Konzept und Organisation: Dr. Iuditha Balint (FHI), Dr. Tobias Lachmann (TU Dortmund), Claas Morgenroth (TU Dortmund), Prof. Dr. Martin Stingelin (TU Dortmund)

SCHREIBEN UND ARBEIT – Arno Schmidts "Zettels Traum"

Symposium am 30. Oktober 2020
Veranstaltungsort: Dortmunder U
Programm und weitere Informationen folgen in Bälde.

Genug der Witze: lieber wieder ruff uff de Galeere! -;
(die größte Hexe, die ich kenne, heißt Ausdauer!).
Arno Schmidt

Arno Schmidts Zettels Traum wird 50. Ein guter Grund, dieses notorisch schwierige, selten gelesene, aber immer wieder gefeierte und zitierte ‚Werk‘ in die Öffentlichkeit zu tragen. Als es 1970 erschien, war es ein Skandal und ein Erfolg. Die einen feierten seine Experimentierfreude, die anderen verteufelten seine geistige Freizügigkeit. Aber in einem war und ist man sich einig, bis heute: Zettels Traum ist ein Dokument der deutschen Nachkriegskultur, Spiegel der intellektuellen Revolte der 1960er Jahre, das sich zu studieren lohnt.
Worum geht es? In acht Büchern erzählt Arno Schmidt die 24 Stunden eines Sommertages im Jahr 1968 in dem Dorf Ödingen in der Celler Ostheide. Zu Besuch beim Schriftsteller Daniel Pagenstecher ist ein Ehepaar aus Lünen mit seiner 16-jährigen Tochter. Sie wollen sich beraten über eine Neuausgabe der Werke Edgar Allan Poes. Pagenstecher, Schmidt in vielem ähnlich, ist Experte für die deutsche und englische Literatur seit dem 18. Jahrhundert, ein Besessener, der sein Leben dem Schreiben opfert. In ausgiebigen Spaziergängen, im Wald und über die Heide, erörtert man das Verhältnis von Literatur und Wirklichkeit, Gesellschaft und Sexualität, das intrikate Ineinander von Traum und Ich. Besuche im Dorf und ausgiebige Kaffeegespräche schließen sich an, bis Stück für Stück deutlich wird, dass die Sprache die Wirklichkeit übernommen hat und das Denken und Leben regiert.
Zettels Traum ist zugleich ein Buch über das Schreiben als Arbeit. Es umfasst 1334 dreispaltig mit Schreibmaschine geschriebene Seiten, ergänzt um Glossen und Streichungen. Es kombiniert Maschinen- und Handschrift, um auf diese Weise die Entstehung und die materialen Bedingungen der poetischen Produktion an der Oberfläche zu zeigen und in die Tiefe der literarischen Reflexion zu tragen. Dafür orientiert sich Schmidt an James Joyces Ulysses und Finnegans Wake, am Expressionismus, der Psychoanalyse. In seinen radikalsten Passagen versucht Zettels Traum sich so weit in die Architektur des menschlichen Gehirns und der Seele zu schreiben, dass die Grenze zur Unlesbarkeit erreicht ist (was man Schmidt immer wieder vorgeworfen hat). Dabei versucht Zettels Traum nur zu zeigen, wie durchsetzt und gemischt ‚die Sprache‘ eigentlich ist, gekreuzt von zahlreichen Nationalsprachen, Assoziationen, Grammatiken, Zeichenregeln (und deren Verstößen), vom Sprechen und Schreiben. Etwa hier:

„& es stang tatsächlich=heran durch die Nacht, wie wenn Ich schonn ‚feuerde‘!; loco=motivische reMembrances Meiner Kinder=FeerienReisn kamen mir ein . . . (:zoo=phil im=Kopp!))“

Ziel des Symposiums ist, Zettels Traum im Kontext einer erweiterten literarischen Öffentlichkeit zu diskutieren, mit Vorträgen zu den allgemein historischen Umständen der Entstehungszeit, zu Schmidts Schreibprozessen und Poetik, einschließlich einer szenischen Lesung aus dem Werk.

Literatur:

Arno Schmidt, Zettels Traum, Stuttgart: Stahlberg 1970
Arno Schmidt, Zettels Traum, Frankfurt am Main: Suhrkamp 2010, zgl. Bargfelder Ausgabe. Werkgruppe 4, Das Spätwerk, Band 1
Arno Schmidt, Der Briefwechsel mit Hans Wollschläger, herausgegeben von Giesbert Damaschke, Berlin: Suhrkamp 2018

SCHREIBEN UND ARBEIT – PETER RÜHMKORFS »SELBST III/88. AUS DER FASSUNG«

Symposium am 25. Oktober 2019, 13.00–19.00 Uhr
Veranstaltungsort: Literaturhaus Dortmund
Zum 90. Geburtstag von Peter Rühmkorf

Aber über so etwas Unansehnliches wie die Arbeit sollten wir uns vielleicht noch einmal privat unterhalten!
– Peter Rühmkorf –

Zeit seines Lebens hat Peter Rühmkorf sich damit befasst, wie der Dichter zum Geld und zum »Fressen« kommt. So ist in einem seiner frühen Gedichte zu lesen: »Ich werde später Geld/ Aus meinen grausigen Visionen schlagen –/ Kommt, gebt mir was zu fressen, ich habe Hunger.« Nach entbehrungsreichen Jahren in der Nachkriegszeit fasst Rühmkorf Fuß in der jungen Bundesrepublik, als Kabarettist, Dichter, Kritiker, Filmemacher, Gastdozent, Lektor und Intellektueller. Er ist etabliert, ohne ein Etablierter zu sein. Er wird mit Preisen bedacht, wenn auch spät (darunter der Georg Büchner Preis 1993), mit einer Werkausgabe beehrt und kanonisiert.

Zu seinem vielleicht außergewöhnlichsten Projekt gehört die Arbeit »Selbst III/88. Aus der Fassung«, das die Entstehung eines einzigen Gedichts in all seinen Entstehungsphasen zu dokumentieren versucht. Am Ende steht ein fast 700 Seiten starkes Buch, radikal durchsichtig und zugleich rätselhaft. Es ist bis heute ohne Vergleich in der Literatur. Auch weil es sich traut, genau die einfachen Fragen zu stellen, die am schwersten zu beantworten sind: »Wie arbeitet ein Gedicht sich voran, und zwar in aller Bescheidenheit vom ersten Einfall bis zum allerletzten Schlusspunkt? Wie gliedert sich ein lyrischer Organismus in die Länge und Breite und nach welchen Gesetzen verketten sich die Assoziationen überhaupt zu einem gesammelten Ganzen?« Ja, wie eigentlich? Und welche »Federzüge«, »Probierläufe« und »Bauabfälle« fallen an, wenn aus einem Einfall ein Wort, aus Worten Sätze, aus Sätzen Verse und aus Versen ein Gedicht wird?

Zum 90. Geburtstag des in Dortmund geborenen Wahl-Hamburgers Peter Rühmkorf lädt der Lehrstuhl für Neuere deutsche Literatur der TU Dortmund gemeinsam mit dem Fritz-Hüser-Institut für Literatur und Kultur der Arbeitswelt zu einem Symposium ein. Das Thema stellt sich bei diesem Jubilar (fast) von selbst: Schreiben ist Arbeit – nur welche?

Mit Beiträgen von Jan Bürger (Marbach), Hans-Edwin Friedrich (Kiel), Lydia Michel (Marbach), Verena Paul (Saarbrücken), Hartmut Steinecke (Paderborn).

Gefördert durch die Arno Schmidt Stiftung.

Schichtungen des Urbanen – Ruhrgebiet und Rust Belt / Layered Cities – Ruhr Area and Rust Belt

Internationale, interdisziplinäre wissenschaftliche Tagung

07.–08. November (Dortmund) und 20.–21. Februar 2020 (Cincinnati)

Museum für Kunst und Kulturgeschichte, Bremer Saal
Eintritt frei. Anmeldung erforderlich, da nur begrenzte Plätze

Deindustrialisierung und Strukturwandel sind einschneidende Prozesse, durch die sich im Ruhrgebiet und dem Rust Belt nicht nur die wirtschaftliche Grundlage gravierend verändert, sondern auch das soziale, kulturelle und räumliche Gefüge. Schwerindustrien haben weltweit zur Entstehung menschlich überformter Landschaften geführt. Die gebietsweise Konzentration von Kohlebergbau und Stahlproduktion wirkte sich in besonderem Maße auf die Regionalkultur der in den Blick zu nehmenden Räume aus. Die öffentlich artikulierte, etwa literarische, filmische, mediale oder architektonische Geschichtskultur solcher Räume scheint jedoch bisher – so eine erste Beobachtung – unterschiedlich stark auf ein industriell geprägtes Identitätsrepertoire angewiesen. Mit dem Strukturwandel entstanden Bestrebungen zur Förderung von postindustrieller Erinnerung, deren Realisierung auf zivilgesellschaftliches Engagement, finanzielle Unterstützung und institutionelle Verfahren angewiesen sind. Die dadurch teilweise entstehenden Industriekulturlandschaften wirken sich verschiedenartig auf die Repräsentation regionaler Identitäten aus und werden in der künstlerischen Auseinandersetzung mit ihnen häufig mit (nostalgischem) Rückgriff auf ihre Vorgänger, die verloren gegangenen industriell geprägten Räume, verhandelt. Diese von vielen Wechselwirkungen, aber auch Abgrenzungen, Überzeichnungen, -setzungen, -formungen, Parallelitäten, Negationen, Wiederholungen und vor allem Schichtungen gezeichnete Verhältnis zwischen Räumen, Identitäten und Repräsentationen gilt es im Rahmen unserer internationalen und interdisziplinären Konferenz komparativ zu untersuchen.

Eine Veranstaltung des Fritz-Hüser-Institut in Kooperation mit dem LWL-Industriemuseum und der University of Cincinnati.

Fritz-Hüser-Institut