Dortmund überrascht. Dich.
Haus Rodenberg mit Wassergraben.

Familienportal

Märchenbühne im Wasserschloss Haus Rodenberg

"Wenn meine Mutter demnächst vorschlägt, eine Vorstellung der Märchenbühne zu besuchen, bin ich auf jeden Fall dabei", sagt die siebenjährige Lisa mit leuchtenden Augen. Zusammen mit 20 weiteren Kindern hat sie gerade auf Einladung des Familien-Projekts Dortmund und der RuhrNachrichten die Puppentheater-Aufführung "Drei Freunde machen Ferien" gesehen.

Von Barbara Nobis

Woher Lisas Begeisterung rührt? Daria Nitschkes Stücke entsprechen dem Erfahrungshorizont der Vier- bis Neunjährigen - so auch "Drei Freunde machen Ferien". Lisa, Lennart oder Mara-Lea sind alle schon einmal in den Urlaub gefahren und kennen das betriebsame Kofferpacken zu Beginn einer jeden Reise. Manch ein Kind war auch bereits am Meer, und so fällt es der Schauspielerin, Pädagogin und Erzählerin Daria Nitschke nicht schwer, ihr junges Publikum gleich in der ersten Minute durch eine simple Frage zum Mitmachen zu animieren: "Was macht das Meer für Geräusche?"

Eine Frau vor der Puppenbühne und Kinder im Publikum.

Das junge Publikum lässt sich sofort zum Mitmachen begeistern.

Die Kinder ahmen mit ihren Stimmen das Rauschen des Meeres nach. Kurze Zeit später erklingt ein Instrumentalstück, das leichterhand den ersten Platz der Kindersommer-Hitparade stürmen könnte, wäre es dort gelistet. Daria Nitschke singt dazu einen eingängigen Refrain, der die Kinder dazu auffordert, sich mit den Händen über Haare, Füße und Bauch zu streichen. Auch die kindgerechte Musik trägt als fester Bestandteil von Daria Nitschkes Märchenbühne dazu bei, die Kinder in das jeweilige Theaterstück einzubeziehen.

Dicki Tam, Igelbert Kratz und Andreas Maus

Zurück zu den ferienmachenden Freunden: Die Kinder bleiben am Ball, sind mittendrin - auch als die Figuren - allesamt Handpuppen - eingeführt werden: Zunächst das Schwein "Dicki Tam", dann die symbolische Mutterfigur des Bauernhofs "Mama Huhn". In der ersten Szene verkündet Dicki Tam, dass es zusammen mit seinen Freunden "Igelbert Kratz" und "Andreas Maus" einen zweitägigen Piraten-Ausflug ans Meer machen möchte. Danach beginnt es mit dem Kofferpacken.

"Was soll ich für den Piraten-Ausflug einpacken?", grübelt Dicki Tam. "Eine Schatzkiste!", ruft Lisa. "Handtücher, Sonnencreme, Flip-Flops!", schallt es aus den hinteren Reihen. "Soll ich auch Zahnpasta mitnehmen?", fragt Dicki Tam. "Nein!", grölen die Kinder. "Aber man muss sich doch auch in den Ferien die Zähne putzen", widerspricht das Schweinchen und packt neben der Erdbeertorte und der Sonnencreme pflichtbewusst auch die Zahnputzutensilien ein.

Puppenbühne mit zwei bunten Handpuppen.

Die Abenteuer der drei Freunde sind einfach nur spannend.

Von kleinen Abenteuern und dem Wert der Freundschaft

Vordergründig handelt "Drei Freunde machen Ferien" vom Kofferpacken- und schleppen, vom Urlaub am Meer, vom Sandburgenbauen und Schwimmen. Hintergründig geht es jedoch um zwei Themen, die Kinder im Vor- und Grundschulalter besonders interessieren: Das sind zum einen die kleinen Abenteuer, die Kinder erleben und bestehen wollen. Zum anderen geht es um den Wert der Freundschaft - egal ob das Programm von den Ferien oder vom Karneval handelt oder im Orient spielt.

So verwundert es nicht, dass bei "Drei Freunde machen Ferien" Igelbert Kratz und Andreas Maus in der Mitte des Stücks eine wichtige Entscheidung treffen müssen. Was ist ihnen wichtiger: Ihr Spielzeug oder ihr Freund Dicki Tam, der schnarchend auf dem Holzwägelchen liegt? Der Mäuserich und der Igel möchten den Urlaub nicht ohne ihren Freund verbringen. Deshalb verzichten sie auf den Buddeleimer und das Fischernetz. Obendrein schleppen Igelbert Kratz und Andreas Maus den schweren Karren samt schlafendem Schwein gen Meer. "Echte Freunde machen immer alles zusammen und helfen einander", verkünden die beiden Figuren, während sie stöhnend den Karren außer Sichtweite der Kinder bringen.

Kinder hören aufmerksam zu.

Die Kinder lassen sich keine Sekunde der Vorstellung entgehen.

Pädagogischer Anspruch und kindgerechter Witz

Hier zeigt sich der pädagogische Anspruch der Märchenbühne. An anderen Stellen wird deutlich, dass die Erzählerin Daria Nitschke ihre jungen Zuschauer mit kindgerechtem Witz zu unterhalten versteht. So klingt zum Beispiel das Geräusch, das die Hummel Jean-Jacques während ihres Fluges produziert, ein bisschen so, als würde sie pupsen; da spricht die Auster das "Sch" nicht richtig aus und leiht dem Igel die "Ssaufel".

Am Schluss der Vorstellung inszeniert Daria Nitschke das Märchen von den Bremer Stadtmusikanten als Mitmachgeschichte und gibt vier Kindern die Gelegenheit, sich als Schauspieler zu erproben. Lennart, Nils, Nadja und Sina mimen Esel, Hund, Katze und Hahn. Das amüsiert die zuschauenden Kinder und begeistert die jungen Darsteller. Als Lennart von der Bühne abtritt, hat ihm am besten die Mitmachgeschichte gefallen.

Wer weiß? Vielleicht hat dieser kleine Einsatz Lennarts Lust am Theaterspiel geweckt? Dann könnte er sich demnächst zu einem Theaterkurs der Märchenbühne anmelden, um sich sprachlich, schauspielerisch und musikalisch weiter zu entwickeln.

Haus Rodenberg mit Wassergraben.

Schon von außen mutet Haus Rodenberg märchenhaft an.

Familienportal