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Familie

Profi-Pflegefamilien gesucht: Dortmunder*innen können Pflegekindern ein Zuhause geben

Nachricht vom 01.06.2022

Das Städtische Institut für erzieherische Hilfen sucht professionelle Pflegeeltern, denn viele Kinder und Jugendliche in Dortmund warten noch darauf, Teil einer Familie zu werden. Da die Kinder einen erhöhten Betreuungsbedarf haben, werden pädagogische Fachleute gesucht.

Gemeinsames Spielen - mit sechs Kindern kommen zwar auch mal Streitigkeiten auf, doch der Zusammenhalt ist groß

Gemeinsames Spielen - mit sechs Kindern kommen zwar auch mal Streitigkeiten auf, doch der Zusammenhalt ist groß
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Stadt Dortmund / Roland Gorecki

Ein festes, liebevollen Zuhause finden, Wurzeln schlagen dürfen, geliebt, gefördert und geschützt werden - das wünscht sich so ziemlich jedes Kind. Doch nicht alle Kinder haben das Glück, eine solche Familie von Geburt an die ihre nennen zu dürfen. Damit genau diese Kinder und Jugendlichen ein solches Zuhause finden, gibt es in Dortmund neben dem Pflegekinder- und Adoptionsdienst des Jugendamtes noch eine weitere Stelle, die sich für die Kleinsten auf die Suche nach einer Pflegefamilie macht.

Das Städtische Institut für erzieherische Hilfen (SIEH) ist eine vom Jugendamt getragene Jugendhilfeeinrichtung, die Pflegefamilien und Pflegekinder berät, begleitet und unterstützt. Der Unterschied zum Jugendamt: Die Kinder, die über das SIEH vermittelt werden, haben einen erhöhten sozialpädagogischen Betreuungsbedarf, sind also zum Beispiel durch Vorerkrankungen, Behinderungen oder Entwicklungsstörungen eingeschränkt. Derzeit betreut das SIEH 38 solcher Kinder und Jugendlichen in 13 Profi-Pflegestellen in und um Dortmund – doch der Bedarf wächst ständig. Institutsleiterin Sabina Winterkamp möchte die Betreuungskapazität auf bis zu 70 Plätze erhöhen: "Viele Kinder sind noch in Übergangspflegefamilien oder -einrichtungen untergebracht, die sich ein sicheres Zuhause wünschen". Dazu werden sogenannte Profi-Pflegefamilien gesucht.

Was eine Familie zur "Profi-Pflegefamilie" macht

Das erklärte Ziel des städtischen Instituts: Kinder und Jugendliche sollen in "Profi-Pflegefamilien" mit bestmöglicher Unterstützung und Förderung auf ein eigenständiges Leben vorbereitet werden. Profi-Pflegeeltern sind pädagogisch qualifiziert: Sie haben eine Berufsausbildung oder ein Studium als Erzieher*in, Sozialarbeiter*in, Sozialpädagog*in oder Psycholog*in. Voraussetzung ist, dass sie mindestens zwei Kinder mit Beeinträchtigungen bis zum 18. Lebensjahr aufnehmen. Dabei kommen alle Familienformen in Betracht: verheiratete Paare und Lebensgemeinschaften ebenso wie Alleinerziehende und gleichgeschlechtliche Paare. "Wichtig ist, dass diese Menschen neben ihrer Qualifikation ein großes Herz und eine Leidenschaft für Kinder mitbringen", betont Sabina Winterkamp.

Nach Vorgesprächen und einer Eignungsprüfung geht die Pflegefamilie einen Kooperationsvertrag mit dem SIEH ein und erhält einen erhöhten Erziehungsbeitrag sowie u.a. Beiträge zu Versicherungen und Altersvorsorge. Die Höhe des Erziehungsbeitrag ist unterschiedlich und orientiert sich unter anderem am Alter des Kindes - "das Familieneinkommen ist aber so hoch, dass es ein Gehalt ersetzt und ein Elternteil sich ganz der Betreuung der Kinder widmen kann", betont Winterkamp.

Das sich ein Elternteil ganz um die Erziehung der Kinder und Jugendlichen kümmert und keiner Erwerbstätigkeit nachgeht, ist vom SIEH so gewünscht, da die Kinder intensive pädagogische Betreuung benötigen und durch ihre Vorgeschichte häufig Arztbesuche undTherapiestunden benötigen oder Fachberatungen im Familienalltag anstehen. "Man darf nicht vergessen, dass ein Unterschied zwischen Pflegefamilie und Profi-Pflegefamilie besteht - die Kinder, die von den Profi-Familien aufgenommen werden, haben alle ihr Päckchen zu tragen". Das SIEH steht den Profi-Pflegestellen bei ihrer anspruchsvollen Aufgabe deshalb professionell und intensiv zur Seite. Auch weitere Unterstützung, zum Beispiel durch Familienhelfer*innen der Lebenshilfe, ist für Pflegeeltern möglich

Alle unter einem Dach: Josefa, Alexander, Mutter Nadine, H., Vater Stefan, Josias, Jonathan

Alle unter einem Dach: Josefa, Alexander, Mutter Nadine, H., Vater Stefan, Josias, Jonathan
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Stadt Dortmund / Roland Gorecki

Zu Besuch bei einer Profi-Pflegestelle

Wie der Alltag einer "Familienwohngruppe" aussehen kann, zeigt eine achtköpfige Familie aus Dortmund-Mengede. Nadine und Stefan sind Profi-Pflegeeltern - und das bereits seit acht Jahren. Mit sechs Kindern, drei leiblichen und drei Pflegekindern zwischen vier und 17 Jahren, leben sie in einem großen Eigenheim, in dem jedes Kind ein eigenes Zimmer hat. Da die Kinder, unter anderem durch Beeinträchtigungen des fetalen Alkoholsyndroms, unterschiedliche sozialpädagogische Bedarfe mit sich bringen, wird die Familie durch Fachkräfte unterstützt.

Doch wie kommt man dazu, gleich drei Pflegekinder mit einem erhöhten Förderungsbedarf auf zu nehmen? Für Gymnasiallehrerin Nadine war schon immer klar, dass sie und ihr Mann, der sich komplett der Familie widmet, neben den leiblichen Kindern noch weiteren eine Familie bieten möchten: "Wir möchten, dass auch Kinder und Jugendliche mit Beeinträchtigungen, die keinen leichten Start ins Leben hatten, im Familienverband aufwachsen können." Fürs Städtische Institut für erzieherische Hilfen entschieden sie sich aufgrund der guten Fachberatung, der lokalen, sehr guten Erreichbarkeit und dem fachkundigen Personal, das stets auf ihre Bedürfnisse einginge, so Nadine.

"Wir haben die Entscheidung nie bereut"

Die Pflegekinder sind fester Teil der Familie und das Ehepaar unterscheidet nicht zwischen leiblichen Kindern und Pflegekindern. Zwar verheimliche man weder den Kindern noch Außenstehenden die Tatsache, dass es sich um Pflegekinder handele, man sei aber eine Familie, der Pflegestatus tue da nichts zur Sache, erzählt Nadine. Im Alltag ist oft Organisationstalent gefragt: Jedes Kind hat seine individuellen Bedürfnisse und Termine - die Pflegekinder einen erhöhten Förderbedarf. Das kann auch mal an den Nerven zerren, doch genauso viel, wie die Profi-Pflegeeltern ihren Kindern geben, bekommen sie auch zurück, sagt Nadine: "Wenn dann so ein 'Du bist meine Herzensmama und dich lieb ich' von den Kindern kommt, dann weiß man, wofür man sein Herz da geöffnet hat." So haben beide Elternteile die Entscheidung für die Pflegekinder nie bereut.

Text: Kira Hibbeln

Sie möchten Profi-Pflegeeltern werden?

Sie sind sozialpädagogisch qualifiziert, geduldig, engagiert und nervenstark? Sie möchten Kooperationspartner*in werden und sind bereit, jungen Menschen in Ihrem Zuhause eine individuelle Förderung und Zuwendung zu geben? Werden Sie "Familie im SIEH".

Für weitere Informationen zum Leistungsangebot und ein erstes Kennenlernen, wenden Sie sich an Sabina Winterkamp.

Dieser Beitrag befasst sich mit Verwaltungsangelegenheiten der Stadt Dortmund. Dieser Hinweis erfolgt vor dem Hintergrund aktueller Rechtsprechung.

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