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Freizeit

Diskutieren und Feiern: Neun Tage volles Programm beim Roma-Kulturfestival "Djelem Djelem"

Nachricht vom 29.08.2019

Den Reichtum der Roma-Kulturen kennenlernen und ein Zeichen setzen gegen die andauernde Stigmatisierung der Roma – darum geht es bei "Djelem Djelem" vom 12. bis 20. September.

PK Djelem Djelem 2019

Die Vielfalt der Herkunftskulturen bereichert die Stadtgesellschaft – diese Botschaft will "Djelem Djelem" transportieren.
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dortmund-Agentur / Torsten Tullius

Zum sechsten Mal lädt das Festival zu Konzerten, Theater und Filmen, Ausstellung, Diskussion, Lesung sowie einem Familienfest an neun verschiedenen Orten der Stadt.

Mit dabei sind u.a. der Kulturort Depot, das Dietrich-Keuning-Haus und das domicil, das Literaturhaus und die Auslandsgesellschaft. Über 30 Partner wirken am Programm mit, das fast vollständig kostenlos ist – vom Film bis zur Fachtagung. Veranstalter sind Stadt Dortmund, Theater im Depot, AWO Unterbezirk Dortmund und Romano Than e.V. und Carmen e.V..

Schirmherrin in diesem Jahr ist Julia Wissert, die Ende 2020 die Intendanz des Schauspiels Dortmund übernimmt. "Das Djelem Djelem Festival ist eine Einladung, eigene Bilder und Erzählungen von Roma und Sinti, über Roma und Sinti zu entdecken. Es eröffnet einen Raum, der ein Bewusstsein über die Geschichte, Kunst und Kultur der Roma und Sinti in Deutschland schafft. Djelem Djelem ist Selbstermächtigung, Sichtbarkeit und Widerstand", so Wissert. Der Titel "Djelem Djelem" bezieht sich auf die internationale Hymne der Roma.

"Die Situation der Roma hat sich in den vergangenen Jahren mitnichten verbessert", sagt Kulturdezernent Jörg Stüdemann und verweist etwa auf deren Situation in einigen Ländern. Gerade deshalb sei die "Kraft der Selbstrepräsentation der Roma von entscheidender Bedeutung", sagt Johanna-Yasirra Kluhs von Interkultur Ruhr.

Bedeutendes Roma-Festival in Deutschland

Dortmund und „Djelem Djelem“ seien diesbezüglich "im besten Sinne modellbildend". Zusammen mit der Stadt Dortmund und weiteren Kooperationspartner*innen hatte Interkultur Ruhr 2017 das Projekt "Fassade" ins Leben gerufen. Basierend auf ästhetischen Elementen der Roma-Kultur in Rumänien, entwickeln Anwohner*innen der Roma-Gemeinschaft des Dortmunder Nordmarkts – darunter vier Jugendliche im Alter von 16 – 22 Jahren - Modelle zur Gestaltung einer Hausfassade. Einer der Entwürfe wurde jüngst in der Schleswiger Straße 31 realisiert.

Über die Jahre hat sich das Kulturfestival mit seiner Vielfalt und seinem Umfang zu einem der bedeutendsten Roma-Festivals in Deutschland und darüber hinaus entwickelt. 2015 erhielt "Djelem Djelem" den Integrationspreis der Stadt Dortmund. 2017 war das Festival Preisträger des Bundeswettbewerbs "Aktiv für Toleranz und Demokratie" des Bündnisses für Demokratie und Toleranz.

Das Programm

Los geht es am Donnerstag, 12. September, 14:00 bis 18:00 Uhr mit einem Familienfest auf dem Nordmarkt mit abwechslungsreichem Bühnenprogramm und vielen Angeboten für Kinder.

Außerdem präsentiert sich am Nachmittag das "Projekt Fassade" von Interkultur Ruhr und der Stadt Dortmund: Anwohner*innen des Nordmarktes haben in einer neu gegründeten Werkstatt Entwürfe für eine Hausfassade entwickelt und an der Schleswiger Straße 31 nun realisiert. Inspiriert wurde die Gestaltung von den fantastischen Bauformen, die Roma-Familien seit vielen Jahren in Dörfern und Straßenzügen Rumäniens realisieren. Während des Familienfests am Donnerstag werden mehrere Spaziergänge dorthin angeboten. Um 15:00 Uhr gibt es in der Werkstatt an der Mallinckrodtstraße 57 eine Ausstellung und Gespräche mit den Künstler*innen, Förderern und Beteiligten. Ab 18:30 Uhr feiern alle Akteure gemeinsam mit Besucher*innen in der Werkstatt bei DJ-Musik und Leckereien vom Grill. Der Eintritt ist frei.

Mit einem SchülerTalk ist das Festival am Freitag, 13. September, 14:00 Uhr im Helmholtz-Gymnasium zu Gast: Eine Lehrerin und ein Theatermacher und Anti-Rassismus-Trainer sprechen mit jungen Musikern und Roma-Aktivisten über die Situation der Roma in Dortmund.

Am Samstag, 14. September, wird der Weltkindertag auf dem Friedensplatz gefeiert, und Djelem Djelem ist mit dabei. Abends (18:00 Uhr) ist das Jugendtheater Playhood Theatre Bukarest (Rumänien) im Theater im Depot zu Gast und spielt "Forma", ein selbstverfasstes Stück über Verständigung, ohne Worte, nur mit Mitteln der Improvisation, der Pantomime und des Tanzes.

"Roma und Hochzeiten" ist der Titel einer Ausstellung, die am Sonntag, 15. September, 18:00 Uhr, in der Halle im Depot eröffnet. Zu sehen sind Fotografien aus Stolipinovo von Aydın Çetinbostanoglu. Um 19:00 Uhr beginnt im Kino sweetSixteen im Depot der Film "Just the Wind", ein hochpolitischer Streifen über Mordanschläge auf Roma-Familien.

Zu einer Buchpräsentation mit Diskussion lädt am Montag, 16. September, 19:00 Uhr, die Auslandsgesellschaft: Vorgestellt wird das Buch "Innenansichten aus Leben und Kultur der Sinti & Roma" von Mare Manuscha. Die Mit-Herausgeberin Cornelia Wilß wird mit dem Schauspieler und Dichter Nedjo Osman über das Buch und sein Konzept des Europäischen Roma Theaters sprechen.

Literarisch geht es weiter am Dienstag, 17. September: Um 19:00 Uhr liest Daniel Berger im literaturhaus.dortmund aus "Die Morgendämmerung der Worte". Das Buch ist ein Gedichtband – ein einzigartiger Poesie-Atlas der Roma und Sinti und Ergebnis einer jahrelangen Recherche. Die Lesung wird musikalisch begleitet von Lukan und Eduard Amar.

Das Theaterstück "Heroes" von Romano Svato (Wien/Österreich), ein Psychodrama aus der Illegalität, zeigt das Theater im Depot am Mittwoch, 18. September, 19:30 Uhr. In der Abschiebehaft treffen drei Frauen aufeinander. Es entwickelt sich eine dramatische Handlung, die die Frage nach der Rolle von Schleppern und Machtverhältnissen stellt, nach Fluchtgründen und vermeintlich sicheren Zufluchtsländern.

Am Donnerstag, 19. September, 14:00 Uhr, sind im Dietrich-Keuning-Haus die Ergebnisse eines Forschungsprojekts von Studierenden zu sehen: Im April forschten 15 Studierende der FH Münster in Plovdiv, der zweitgrößten Stadt Bulgariens, zu Familie, Diskriminierung und Armut in Stolipinovo. Jugendliche aus Plovdiv sind an diesem Abend anwesend und stellen gemeinsam mit Jugendlichen aus Dortmund ihr transnationales Radioprojekt "Radio Plovmund" unter dem Titel "Geschichten einer Jugendbewegung" multimedial vor.

Auch das Schauspiel Dortmund ist mit dabei: Am Donnerstag um 20:00 Uhr gibt es im Studio des Schauspiels eine Diskussion und ein Konzert mit Sonja Eismann vom Missy Magazine und Mindj Panther (Romnja-Rap). Sonja Eismann spricht über die vier Wellen des Feminismus, die feministischen Romnja-Rapperinnen Mindj Panther aus Wien knüpfen mit ihren provokanten Texten und Balkanbeats an.

Ausschließlich an Fachkräfte richtet sich der Workshop "Kennen – Erkennen – Anerkennen" am Freitag, 20. September, im Depot. Mitarbeiter*innen der pädagogischen und sozialen Arbeit sind eingeladen, sich persönlich mit Vorurteilen, Selbst- und Fremdbildern auseinanderzusetzen (Anmeldung erforderlich).

Das Festival endet am Freitag mit einem Flamenco-Abend mit Rafael Cortés: Um 20:00 Uhr tritt der spanische Gitarrenkönig mit seiner erfolgreichsten und meistgebuchten Besetzung im domicil auf. Feurige Tanzeinlagen und traditioneller Flamenco-Gesang treffen auf Jazz, Latin und Pop. Der Eintritt kostet 20 Euro.