Friedensplatz altes Stadthaus

Seniorenportal

Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Jesús González Rebordinos

Coronavirus

Zahl der Omikron-Infektionen in Dortmund explodiert

Nachricht vom 01.02.2022

Es war abzusehen und ist dennoch nicht erfreulich: Das Infektionsgeschehen in Dortmund ist im vollen Gange. Die Stadt meldet eine Inzidenz von 1.923,4 und hat damit einen Spitzenwert in Nordrhein-Westfalen erreicht.

Die Stadt Dortmund kennt bei der Corona-Infektionslage weiter nur den Weg nach oben. Das berichtet der Leiter des Gesundheitsamts, Dr. Frank Renken, am Dienstag, 1. Februar. Täglich seien die Mitarbeitenden bemüht, so viele Daten wie möglich in die Systeme einzugeben und damit eine ungefähr korrekte Infektionslage abzubilden. "Allerdings kann ich auch sagen, dass wir keine tagesaktuellen Abbildungen haben, es fehlen einfach die Daten bzw. das Personal, die die Daten eingeben können. Wir müssen alles händisch eintragen, (...) ab einer Inzidenz über 1.000 stoßen wir an unsere Grenzen."

Dortmund leistet gute Arbeit

Vor diesem Problem stehe jede Kommune in Nordrhein-Westfalen, als Beispiel nannte er Düsseldorf: "Dort war die Inzidenz lange unter 300, während wir schon an der Tausendermarke kratzten - und das in unserer Landeshauptstadt." Solche Angaben zeigten ihm, dass die Meldesysteme nicht die Realität abbilden könnten und es überall an Personal fehle.

Trotz der hohen Zahlen und des knappen Personals bilde die Stadt Dortmund ein annähernd realistisches Infektionsgeschehen ab. "Wenn man die Gesamtmeldezahlen ansieht, dann ist Dortmund ziemlich weit vorne, was die Eingaben angeht. Es geht nicht um die Inzidenz, sondern es geht darum, was die Kommune und die jeweilige Software schafft."

Renken brachte ins Spiel, neben der gemeldeten Inzidenz eine geschätzte Inzidenz anzugeben: "Wenn ich jetzt schätzen würde, würden wir in Dortmund sicherlich bei einer Inzidenz von 2.300 bis 2.500 liegen. Und es gibt keinen Grund, anzunehmen, dass es woanders besser aussieht – die Daten fehlen einfach überall, die Situation ist überall ähnlich."

Neue Situation wegen Omikron

Die Virusvariante Omikron dominiert das Geschehen in Dortmund. Das wird auch in den Krankenhäusern deutlich: Die stationären Aufenthalte sind deutlich höher als zuvor. 171 Patient*innen mit Corona befinden sich auf der normalen Station, davon werden 18 Patient*innen intensivmedizinisch behandelt, acht davon werden beatmet. "Das ist ein deutlicher und kontinuierlicher Anstieg", so Renken. Zudem hätte man in sieben Krankenhäusern gleichzeitig kleine Ausbruchsgeschehen. "Das hat Omikron geschafft, das hatten wir vorher nicht."

Auch in 23 Pflegeeinrichtungen wurden fast zeitgleiche Ausbrüche gemeldet, was Renken als "sehr ungewöhnlich" bezeichnete. "Es sind nur kleine Ausbrüche mit maximal 23 Betroffenen. Das zeigt, dass die Hygienekonzepte funktionieren, aber auch, wie hochansteckend Omikron ist", erklärt der Gesundheitsamtsleiter.

Sowohl in Krankenhäusern als auch in Pflegeeinrichtungen werde das Personal knapp. "Das liegt nicht nur daran, dass mehr Patient*innen einen stationären Aufenthalt haben, sondern weil das Pflegepersonal selbst infiziert ist und in Quarantäne muss oder etwa die Betreuung eigener Kinder gewährleisten muss."

Zudem ging Renken auf fünf sogenannte Beobachtungspraxen in der Stadt ein. Diese melden regelmäßig, ob Corona-Infizierte Symptome haben oder symptomfrei sind. "In den fünf niedergelassenen Praxen waren 47 Prozent der Corona-Erkrankten symptomatisch, also hatten einen milden bis mittleren Krankheitsverlauf. Die anderen 53 Prozent der Infektionen verliefen annähernd symptomfrei."

In Schulen und Kitas grassiert das Virus

Kinder und Jugendliche sind momentan besonders von der Infektionswelle betroffen, was auch die Zahlen belegen (Inzidenz bei Unter 5-Jährigen: 2.384, bei 6-10-Jährigen: 4.945, bei 11-15-Jährigen: 5.156). "Der Vorteil ist, dass wir bislang keinen dokumentierten Fall in Dortmund haben, dass Kinder einen schweren Krankheitsverlauf haben."

Eine oftmals in den sozialen Netzwerken geforderte Durchseuchung solle aber in diesen Gruppen nicht stattfinden. Mit Freitestungen solle wieder zum "Normalbetrieb in Corona-Zeiten" zurückgekehrt werden. "In Kitas und Schulen haben wir es immer noch mit einem zunehmenden Geschehen zu tun. Letzte Woche hatten vier bis fünf Schulen geschlossen, heute sind wir bei acht - wir haben also ein Verdopplung", erläuterte der Gesundheitsamtsleiter.

"Wir wissen, dass gerade Eltern besonders gefordert und belastet sind, das ist uns vollkommen klar", zeigte sich Oberbürgermeister Thomas Westphal verständnisvoll. Der Alltag könne so nicht weitergeführt werden. Eltern würden z.B. bei der Arbeit fehlen, um ihre Kinder zu betreuen. "Wir wissen, dass die Eltern momentan schwer leiden. Wir haben darauf beim Land NRW hingewiesen und halten es noch immer für richtig, dass wir Notbetreuung und Wechselunterricht machen, das ist aber nicht gewollt. Der Zeitpunkt ist nun verpasst, wäre aber richtig gewesen", so Westphal weiter.

Auch wenn Kinder eine Infektion relativ gut überstehen würden, sei die Stadtspitze gegen eine Durchseuchung, bekräftigte Renken. Weil sich bisher nicht genug Erwachsene hätten impfen lassen, würden in der aktuellen Situation leider schon wieder Schließungen von Gruppen, Klassen, Schulen oder Tageseinrichtungen notwendig, um so Infektionsketten zu unterbrechen.

Impfwilligkeit lässt nach

Renken sprach sich ebenfalls gegen Vergleiche Deutschlands etwa mit Dänemark aus, wo jetzt wieder ein "Normalbetrieb" laufe. "Die Dänen haben eine Impfquote von über 80 Prozent, also mindestens zweimal ist jeder Erwachsene geimpft." In der Stadt lasse die Impfwilligkeit nach: In Kalenderwoche 2 wurden noch 4.257 Menschen in Dortmund erstgeimpft, in Kalenderwoche 4 waren es nur noch 2.802.

Die Stadt wolle wieder stärker auf mobile Impfangebote zurückgreifen, sagte Renken und stellte die Solidarität mancher Menschen infrage: "Wieviel Verantwortung ist eigentlich mit dem Begriff Freiheit verbunden?"

Text: Angela Seger

Dieser Beitrag befasst sich mit Verwaltungsangelegenheiten der Stadt Dortmund. Dieser Hinweis erfolgt vor dem Hintergrund aktueller Rechtsprechung.

Seniorenportal