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Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Jesús González Rebordinos

Coronavirus

OB Westphal appelliert in vierter Welle an Bürger*innen: "Lasst euch impfen!"

Nachricht vom 24.08.2021

Nach dem Ende der Sommerferien ist die Inzidenz in Dortmund auf einem neuen Höchststand. Die vierte Welle habe die Stadt im besonderen Maße getroffen, sagt der Leiter des Gesundheitsamtes, Dr. Frank Renken. In einer Presskonferenz gab die Stadtspitze einen Überblick zur aktuellen Lage.

Krisenstabsleiterin Birgit Zoerner zur aktuellen Corona-Lage in Dortmund Quelle: YouTube

Die von Bund und Ländern beschlossene 3-G-Regel im Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie (Geimpft, Getestet, Genesen) greift auch in Dortmund. Der Inzidenzwert ist zwar nach wie vor ein wesentlicher medizinischer Indikator, doch als "politischer Steuerungswert" gilt er nun nicht mehr, sagte Oberbürgermeister Thomas Westphal am Dienstag, 24. August. Die Bürger*innen rief er auf: "Lasst euch impfen!"

An die 3-G-Regel müsse sich Dortmund so halten wie andere Städte auch. Damit seien die Spielräume für Dortmund nicht größer geworden, sagte Westphal und erklärte: "Wir müssen alle zusammen noch einmal daran arbeiten, dass Menschen geimpft werden können."

Impfbus bis Jahresende unterwegs in Dortmund

Konkret fährt bereits seit dem 9. August der Impfbus durch diverse Stadtgebiete, wo Impfwillige sich eine Impfung "abholen" können. Oliver Nestler vom Krisenstab sagte, sehr viele Bürger*innen hätten das Impfangebot im Impfbus bereits angenommen. "Seit dem Start haben wir fast täglich dreistellige Zahlen" – an Tag eins am Indu-Park haben sich 150 Menschen impfen lassen.

Bis zum Jahresende wird der Impfbus in Dortmund unterwegs sein, sagte Nestler. Standorte seien Wochenmärkte, Parkplätze von Einkaufszentren, Hochschulen, Berufskollegs und Trödelmärkte. "Jede*r Geimpfte ist nicht nur für sich selbst ein Schutz, sondern auch für die anderen Bürger*innen dieser Stadt."

Schuldezernentin Daniela Schneckenburger sagte dazu, das Impfangebot solle gezielt ausgeweitet werden auf Sekundarstufe 1 (ab Klasse 5). Zugleich bat sie Eltern, sich impfen zu lassen und ebenso für die Kinder zu entscheiden. Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat für Kinder und Jugendliche im Alter von 12 bis 17 Jahren eine Impfempfehlung abgegeben.

Jüngere können im Einzelfall genauso an Corona erkranken wie ältere Menschen - und sie können daran sterben.

Dr. Frank Renken, Leiter des Gesundheitsamts

Zuletzt hat die Nachricht einer schwangeren Frau für Aufsehen gesorgt, die im Alter von 25 Jahren nach einer Corona-Infektion gestorben ist. Das Kind starb nicht, aber für die Frau sei es zu spät gewesen, informierte Gesundheitsamtsleiter Renken am Dienstag.

Es habe sich nicht um eine Dortmunder Bürgerin gehandelt, sondern sie sei hier zu Besuch gewesen. Es gebe eine weitere schwangere Frau, die ebenfalls schwer krank sei. Diese Fälle zeigen laut Renken: Jüngere können im Einzelfall genauso an Corona erkranken wie ältere Menschen - "und sie können daran sterben".

Vierte Welle trifft Dortmund fast ungebremst

Renken sagte, die vierte Welle habe Dortmund "im besonderen Maße" erwischt; sie sei praktisch ungebremst. Grund dafür seien die Urlaubs-Rückreisen - wenn die Urlaubsländer nicht als Hochrisikogebiet eingestuft seien, müsse man nicht in Quarantäne. "Wir haben überdurchschnittlich viele Reiserückkehrer aus Ländern, die aus unserer Sicht schon Hochinzidenzländer sind, aber offiziell noch nicht so eingestuft worden sind", erläuterte Renken.

Als Beispiel nannte er die Türkei. Sie sei erst zum Ende der Sommerferien (17. August) als Hochrisikogebiet eingestuft worden. Bei Nachfragen des Gesundheitsamts an Reiserückkehrer werde oftmals die Türkei als Ort der Reise genannt, die dort teils auch längeren "Heimaturlaub" gemacht hätten. "Dadurch sind auch viele Kinder betroffen - an Grundschulen und weiterführenden Schulen."

Dr. Frank Renken, Amtsleiter Gesundheitsamt

Dr. Frank Renken warnte vor einer weiter steigenden Inzidenz in Dortmund.
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dortmund-Agentur / Amanda Bick

Durch Tests an Schulen könne man die Dunkelziffer in den entsprechenden Altersgruppen gut ausleuchten. Derzeit sei zu sehen: Im Altersbereich bis 20 Jahre gebe es ein intensives Infektionsgeschehen. "Übertragungen finden ganz überwiegend in der gleichen Altersgruppe statt - in den nächsten zwei Wochen wird das noch mehr."

Renken verteidigt Inzidenz als frühen Indikator

Die in letzter Zeit oft kritisierte Inzidenz nahm Renken als medizinischen Faktor in Schutz. "Inzidenz und Krankenhausbehandlungsquote stehen in wechselseitiger Abhängigkeit." Die Inzidenz sei der frühere Indikator, und zwei, drei Wochen später sehe man die steigende Krankenhausquote. Wenn man die Inzidenz nicht mehr berücksichtige, "dann nehme ich mir die Sicht".

Personal für Fallverfolgung wird erneut aufgestockt

Auf Mitarbeitende im Gesundheitsamt angesprochen, sagte Renken, dass derzeit mehr als 100 Menschen in der Fallverfolgung tätig sind - also der Ermittlung der Kontakte einer infizierten Person. Da die Inzidenz zuletzt anstieg, liegt die Stadt Dortmund in der Fallverfolgung zurück.

Derzeit müssen die infizierten Personen selbst ihre Kontakte über ihre Infektion informieren und diese zum Testen auffordern - das Gesundheitsamt kann sich erst zwei oder drei Tage später melden. Das Personal für die Fallverfolgung ist heruntergestuft worden, als in Dortmund eine Inzidenz von unter zehn herrschte. "Jetzt brauchen wir noch einige Tage, um das Personal wieder hochzufahren", so Renken.

Text: Larissa Hinz

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Dieser Beitrag befasst sich mit Verwaltungsangelegenheiten der Stadt Dortmund. Dieser Hinweis erfolgt vor dem Hintergrund aktueller Rechtsprechung.

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