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Friedensplatz, Berswordthalle und altes Stadthaus

Integrationsrat

Bild: Jesús González Rebordinos

Migration und Integration in Dortmund

Seit den Zeiten der Industrialisierung leben in Dortmund viele Menschen mit ausländischem Pass, Deutsche mit Migrationshintergrund und Einheimische friedlich zusammen.

Haus

In der Dortmunder Nordstadt.
Bild: Lutz Kampert

Industrialisierung im 19. Jahrhundert

Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts siedelte sich im Bereich der Dortmunder Innenstadt-Nord aufgrund der neu gebauten Eisenbahnverbindung Industrie an und Eisenhütten, Kokereien und Zechen veränderten das Bild des einstigen Ackerlandes. Die nun entstandenen Arbeitsplätze ließen zahlreiche Menschen aus dem nahen sowie fernen Umland in den Norden Dortmunds migrieren, wo verhältnismäßig hohe Löhne die verarmte Landbevölkerung anlockten. Der vorhandene Wohnraum innerhalb der Stadtmauern erreichte schnell seine Grenzen und so wurden in unmittelbarer Nähe zu den Fabriken neue Wohnungen geschaffen. Bereits zum damaligen Zeitpunkt waren die Mieten in der Dortmunder Nordstadt relativ niedrig, sodass sich insbesondere Arbeiter und sozial Schwache in diesem Bereich ansiedelten, außerdem zogen viele Migranten hinzu. Der Dortmunder Norden hatte damals den schlechten Ruf eines Proletarierviertels.

Wirtschaftsaufschwung nach dem Krieg

Nach dem Zweiten Weltkrieg begann Deutschland mit dem Wiederaufbau der zerstörten Industrieanlagen. Der schnelle Wiedereinstieg in die Weltwirtschaft und die politisch westliche Orientierung erleichterten in den 50er Jahren den wirtschaftlichen Aufschwung. Die anhaltende Konjunktur sorgte dafür, dass die Zahl der zu Verfügung stehenden Stellen rasch die der Arbeitslosen überstieg. 1961 standen z.B. bundesweit 500.000 freien Stellen 180.000 deutsche Arbeitslose gegenüber.

Anwerbung von Gastarbeitern

Um dieser dramatischen Unterbesetzung entgegen zu wirken, wurde bereits im Jahre 1955 mit Italien das erste Abkommen zur Anwerbung und Vermittlung von Arbeitskräften unterzeichnet. Doch selbst die hohe Anzahl an italienischen Gastarbeitern konnte das Problem nicht beheben, sodass in den Folgejahren Gastarbeiter aus weiteren Ländern angeworben wurden:

1960: Griechenland und Spanien
1961: Türkei
1963: Marokko
1964: Portugal
1965: Tunesien
1968: Jugoslawien

Anwerbestopp im Jahr 1973

Durch diese Ausländerbeschäftigung stieg der Anteil der ausländischen Mitbürger zwischen 1960 und 1972 von 1,5% auf 10,8% an. Lag die absolute Zahl der in Deutschland lebenden Ausländer 1954 noch bei etwa 72.000, so erreichte sie bereits 1965 die Millionengrenze. Die durch die Ölkrise verursachte Weltwirtschaftskrise sorgte jedoch dafür, dass die Arbeitslosenzahl erheblich anstieg. Um dem entgegen zu wirken, verhängte die Bundesregierung 1973 einen Anwerbestopp für ausländische Gastarbeiter. Bis zu diesem Zeitpunkt lebten in Deutschland bereits 4 Millionen Ausländer.

Markt

Der Dortmunder Nordmarkt.
Bild: Lutz Kampert

Entwicklung in Dortmund

Natürlich hatte der Gastarbeiter-Zuzug auch Auswirkungen auf das Leben in Dortmund. Wie in ganz Deutschland war auch in Dortmund der wirtschaftliche Aufschwung deutlich zu spüren. Insbesondere wurden die ausländischen Gäste für die Kokereien und Stahlhütten des Dortmunder Nordens benötigt. Wie schon zur Jahrhundertwende bekamen diese Menschen fast ausschließlich günstigen Wohnraum in unmittelbarer Nähe zu den Fabriken. Gleichzeitig zogen die vom Aufschwung profitierenden Einwohner in Stadtteile mit höherer Lebensqualität, so dass lediglich Rentner, sozial Schwache und die hinzugezogenen Gastarbeiter übrig blieben.

Dortmunder Stadtbezirke heute

Wo wohnen in Dortmund die jeweils größten Gruppen der Ausländerinnen und Ausländer? In den Stadtbezirken der Innenstadt, hier insbesondere der Innenstadt-Nord (statistische Bezirke 040, 050, 060) und Eving (210), wo der Weg zu den ehemals größten Dortmunder Arbeitgebern "Hoesch" bzw. zur Zeche "Minister Stein" nicht weit war. In den Stadtteilen Hörde (530), Hombruch (650) und Schüren (430), wo der größte Arbeitgeber ebenfalls "Hoesch" war. In Derne (210) mit der Zeche und Kokerei "Gneisenau", in Huckarde (820) mit der Zeche und Kokerei "Hansa", in Mengede (920), wo die Zeche "August von Hansemann" der größte Arbeitgeber war, sowie Lütgendortmund (730) mit der Zeche "Germania" und der räumlichen Nähe zum Opel-Werk in Bochum.

Bestehende Netzwerke geben Orientierung

Der Dortmunder Norden hat aber auch heute noch nicht nur aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklung eine besondere Anziehungskraft für viele neu hinzugezogene Ausländer. Ein weiterer wichtiger Grund sind die bereits bestehenden Netzwerke der jeweiligen ethnischen Gruppen, die den neuen Mitmenschen kulturellen Halt, Orientierung und somit einen leichteren Einstieg in die Gesellschaft ermöglichen.