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Integrationsrat

Bild: Jesús González Rebordinos

Projektpartnerschaft mit Trabzon

Der Ausländerbeirat (heute Integrationsrat) hat im Jahr 2008 eine Projektpartnerschaft mit der türkischen Stadt Trabzon angestoßen. Im Sommer 2009 reiste eine Delegation aus Dortmund in die Türkei, um weitere Vereinbarungen zu treffen. Der Gegenbesuch aus Trabzon fand im September 2010 statt.

In Dortmund leben viele Migrantinnen und Migranten mit türkischer Zuwanderungsgeschichte, die ihre sozialen und kulturellen Bindungen zu ihrem Herkunftsland pflegen und auch das Bedürfnis haben, partnerschaftliche Kontakte mit einer türkischen Stadt einzugehen. Der damalige Ausländerbeirat der Stadt Dortmund hat sich in seiner Sitzung vom 12.02.2008 dafür ausgesprochen, eine Projektpartnerschaft mit der türkischen Stadt Trabzon anzustoßen.

Bilderstrecke: Delegationsbesuch aus Trabzon 18. bis 22.09.2010

Eine Männderhand schreibt etwas in ein Buch 5 Bilder
Eintrag in das Goldene Buch der Stadt Dortmund.
Bild: Ramazan Kabatas

Partnerschaft in drei Themenbereichen geplant

Mit seinem Beschluss vom 06.11.2008 befürwortete der Rat der Stadt Dortmund die Projektpartnerschaft. Dieser Ratsbeschluss sieht vor, dass die partnerschaftlichen Projekte auf den Themenbereichen Wirtschaft & Wissenschaft, Sport & Jugend sowie Bildung & Kultur gegründet werden. Zur Umsetzung der projektpartnerschaftlichen Ziele wurde ein Projektbeirat, bestehend aus Mitgliedern des Ausländerbeirates, gegründet.

Der Arbeitskreis Projektpartnerschaft des Ausländerbeirates hat bereits im Frühjahr 2008 gemeinsam mit dem "Solidaritätsverein der in Dortmund und Umgebung lebenden Menschen aus Trabzon/Türkei e.V." erste Kontakte zur Stadtverwaltung aufgenommen, welche im Laufe des Jahres durch die Geschäftsführung des Ausländerbeirates und das Integrationsbüro intensiviert wurden. Im Rahmen dieser Kontakte wurde die Bereitschaft der Stadt Trabzon für eine Projektpartnerschaft mit der Stadt Dortmund deutlich.

Delegationsfahrt im Sommer 2009

Auf dieser Basis fand vom 27.06.2009 bis zum 01.07.2009 eine Delegationsfahrt nach Trabzon statt. Die offizielle Delegation bestand u.a. aus Ratsmitgliedern, Vertretern aus dem Ausländerbeirat, Vertreterinnen und Vertretern aus der Verwaltung und aus Vereinen/Organisationen sowie zwei Vertretern von Trabzon e.V.. Das Ziel dieser Fahrt war es, einen fachlichen Austausch mit den Verantwortlichen für die drei Themenbereiche anzustoßen und die Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Projektpartnerschaft zu schaffen. Im Anschluss an gemeinsame Arbeitstreffen mit Vertretern beider Städte wurde eine Vereinbarung zwischen der Stadt Trabzon und der Stadt Dortmund geschlossen.

Gegenbesuch aus Trabzon 2010

Vom 18. bis 22.09.2010 fand der Gegenbesuch im Rahmen der Kulturhauptstadt RUHR.2010 in Dortmund statt. Die beiden Oberbürgermeister Ullrich Sierau und Dr. Gümrükcüoglu unterzeichneten eine Kooperationsvereinbarung und die Projektgespräche des Vorjahres wurden bei diesem Besuch weitergeführt. Die getroffenen Vereinbarungen und Arbeitsaufträge zu den einzelnen Projekten werden derzeit in beiden Verwaltungen abgestimmt und die ersten Projekte sollen bereits 2011 umgesetzt werden.

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Felsenkirche bei Trabzon

Trabzon - bedeutende Handels- und Hafenstadt

Trabzon ist eine Stadt im Nordosten der Türkei am Schwarzen Meer. Etwa 293.000 Menschen leben in der Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Die Provinz Trabzon beheimatet etwa 740.000 Menschen. Die Stadt ist ein Umschlagplatz für den Export von Nahrungsmitteln, Vieh sowie Tabak und seit Jahrtausenden eine bedeutende Hafenstadt. Außerdem verfügt sie heute über den wichtigsten Schwarzmeerhafen der Türkei. Trabzon ist auch ein Hochschul- und Tourismuszentrum: Im internationalen Flughafen werden jährlich rund 1,5 Millionen Menschen abgefertigt, rund 2 Millionen Touristen besuchen die Stadt in jedem Jahr. Nach Ankara und Istanbul verfügt Trabzon zudem über die älteste Universität der Türkei.

Strategisch wichtige Rolle der Stadt

Die Hafen- und Handelsstadt Trabzon hat in der Geschichte aufgrund ihrer geographischen Lage immer eine strategisch wichtige Rolle gespielt. Erste Siedlungsfunde können etwa 9000 Jahre rückdatiert werden. Der Name Trabzon wurde erstmalig im 7. Jahrhundert vor Christus erwähnt. Über die Jahrhunderte stand das Siedlungsgebiet des heutigen Trabzon unter der Herrschaft unterschiedlicher Kulturen, wie etwa den Römern, den Griechen und den Byzantinern.

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Landschaft bei Trabzon

Viele Auswanderer ins Ruhrgebiet

Der größte Teil der türkischen Bevölkerung lebt heute in Städten und nicht mehr im ländlichen Raum. Durch natürliches Bevölkerungswachstum und vor allem durch Binnenmigration erleben viele Städte eine Bevölkerungsexplosion. Trabzon gehört zu den leidtragenden Regionen dieser Entwicklung. Bereits in den 40er und 50er Jahren wanderten aufgrund mangelnder Beschäftigungsmöglichkeiten viele Menschen aus Trabzon ins Ruhrgebiet aus. Noch heute gibt es einen Heimatverein aus Trabzon in Dortmund.

Multikulturelle Einflüsse

Die östliche Schwarzmeerregion, in der auch Trabzon liegt, unterscheidet sich nicht nur durch Vegetation und Klima, sondern auch durch ihre Kultur und Mentalität vom Rest der Türkei. Durch die starke Präsenz der Griechen bis zur Gründung der türkischen Republik entstand in dieser Region eine eigene kulturelle Strömung. So stehen etwa die Musik, die Folklore, der Dialekt und die Küche unter dem Einfluss einer multikulturellen Tradition. Entgegen der konservativ-islamischen Trennung der Geschlechter gab es eine solche Trennung in der Schwarzmeerregion nie. Der traditionelle Tanz „Horon“ wird von Frauen und Männern gemeinsam getanzt. Außerdem übernehmen Frauen in der Schwarzmeerregion traditionell viele Arbeiten, die in anderen Teilen der Türkei nur von Männern ausgeübt werden. Sie bestellen beispielsweise Felder oder betreiben Handel. Ähnlich wie Dortmund verfügt die Stadt Trabzon auch über einen international renommierten Fussballverein, Trabzonspor, der als einziger Nicht-Istanbuler Verein sechs Mal den türkischen Meistertitel gewinnen konnte. Nicht zuletzt deshalb hat der Fussball in Trabzon einen großen Einfluss auf die Menschen.