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MIA-DO-Kommunales Integrationszentrum Dortmund

Bild: Alle Rechte vorbehalten pixelio / jutta rotter

Ethnischer Wirtschaftspreis der Stadt Dortmund 2014

Ethnischer_Wirtschaftspreis

Preisträger 2014:

1. Platz
AF-Pack Dilekci & Konak GmbH
Laudatio: Aysun Tekin

2. Platz:
Med-Docare GmbH
Laudatio: Sladjana Mitrovic

3. Platz:
Exo-Energy GmbH
Laudatio: Yunus Ulusoy

Informationen zu den Preisträgern:

1. Platz; AF-Pack Dilekci & Konak GmbH

Erwerbsgeschichte:

Herr Konak kam 1990 als Asylbewerber nach Deutschland. Nach längerer Krankheit startete er als abhängig beschäftigter u.a. im Einzelhandel als „Metaller“ und Verkäufer. 2003/4 eröffnete er „Af-Pack“ in der Schleswiger Str. 19 mit 4 Beschäftigten ehe er 2006 den jetzigen Standort übernahm.

Schaffung von Arbeitsplätzen:

Waren es 2004 noch 4 Beschäftige, inklusiv seiner Person, so sind es nun 24 am Standort Dortmund. Weiter Beschäftigte sind in Kooperationsfilialen in Wuppertal und Essen. Herr Konak bildet jährlich zwischen 4 und 8 junge Menschen aus. Ausgebildet witd in klassisch kaufmännischen Berufsbildern, aber auch im Logistikbereich. In der Regel wird für den eigenen Bedarf ausgebildet, was sich auch in der regelmäßigen Übernahme nach der Ausbildung widergespiegelt.

Engagement für Mitarbeiter/innen:

Wer sich im Betrieb "zeigt" wird gezielt und individuell gefördert. Beispielhaft für dieses Engagement steht Frau Senay Kul. 2007 fing sie als Reinigungskraft an, wusste mit ihren sehr guten Deutschkenntnissen zu überzeugen und stieg Schritt für Schritt bis zur jetzigen Funktion – Personal und Ausbildungsleiterin – auf. Finanziert wurde dies, u.a. von Herrn Konak.

Einschätzung der Entwicklung:

Af Pack ist gekennzeichnet von stetigem, gesundem Wachstum. Herr Konak strebt auch hier einen weiteren Ausbau an. So wurde z.B. 2014 direkt hinter dem jetzigen Standort ein weiteres Gelände mit 500 qm erworben. Hier sollen Hallen zum Ausbau des Tiefkühlgeschäftes entstehen.

Zusatzkriterien:

Für Herrn Konak ist die Förderung einer vielfältigen Beschäftigungsstruktur selbstverständlich, was sich auch in der jetzigen Struktur deutlich erkennen lässt. In den nächsten Jahren will er sich auch verstärkt um Beschäftigungsmöglichkeiten für Menschen mit Handicap kümmern.

Herr Konak unterstütz zweimal jährlich die Kielhornschule am Borsigplatz, z.B. bei Anschaffungen von Sportgeräten Ebenfalls wird der Kulturverein „Didev“ sowie diverse Sportvereine finanziell unterstützt. Die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit für dieses Engagement ist ihm nicht wichtig, weil es ihm um die „Sache“ geht, wenn Hilfe benötigt wird.

Ein schonender Umgang mit Ressourcen ist ihm schon aus betriebswirtschaftlichen Gründen wichtig, zuletzt wurde die komplette Beleuchtungsanlage auf LED umgestellt.

2. Platz; Med-Docare GmbH

Besondere Erwerbsgeschichte:

Frau Kojovic kam im Dezember 1990, also kurz vor Ausbruch des Krieges, als examinierte Krankenschwester und Hebamme nach Deutschland und fing hier in Dortmund direkt als Fachkraft im Augustinum an. Dort lernte Sie nicht nur die deutsche Sprache, sondern auch erstmals eine Einrichtung für Senioren kennen; etwas, was es im damaligen Jugoslawien nicht gab. Nach Jahren in der aktiven Pflege wurde der Wunsch immer größer, selbst einmal einen Betrieb im Bereich der Pflege zu gründen.

So nahm Sie nebenberuflich an Weiterbildungs- Maßnahmen teil und erwarb so die Qualifizierung zur Pflegedienstleitung (PDL), Heimleitung und zum Qualitätsmanagement. Nach weiteren Jahren als PDL in verschiedenen Einrichtungen standen nun die Türen offen, einen eigenen Betrieb zu gründen. Und so viel dann Anfang 2008 der Startschuss für den eigenen ambulanten Pflegedienst. Unterstützung seitens der Banken blieben aus und so wurde das Vorhaben durch private Kredite finanziert. Mitte 2013 wurde dann das Einzelunternehmen in eine GmbH umgewandelt.

Schaffung und Sicherung von Ausbildungs- und/oder Arbeitsplätzen:

Die Basis für einen Betrieb ist ein Team von gut ausgebildeten Mitarbeitern. Doch seit Jahren herrscht ein Mangel an gut qualifizierten Kräften. Auch auf Gefahr, dass die Auszubildenden nach Beendigung ihrer Ausbildung den Betrieb verlassen, wagte Frau Kojovic nicht diesen Schritt zu machen und bildet nun seit ca. vier Jahren auch Fachkräfte im ambulanten Bereich aus. Eine gute funktionierende Kooperation mit der in Dortmund ansässigen apm GmbH stellt dazu die Basis dar.

Auf der anderen Seite besteht ein enger Kontakt zur örtlichen Agentur für Arbeit. Vor dem Hintergrund des Mangels an Fachkräften, speziell in NRW, und dem schlechten Image des Berufs der Altenpflege, hielt Frau Kojovic Vorträge in der Agentur um Vorurteile auf der einen Seite und falsche Klischees auf der anderen Seite auszuräumen. Dies wurde durch eine eintägige Hospitation der leitenden Mitarbeiter im Pflegedienst untermauert.

Engagement für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter:

Mitarbeiter bzw. mögliche Mitarbeiter haben die Möglichkeit flexible Arbeitszeiten zu nutzen oder als Teilzeitkraft zu arbeiten. So können - meist die Mütter - zunächst den Nachwuchs in den Kindergarten oder Schule bringen und im Anschluss daran zur Arbeit zu gehen. Auf diese Weise stellen wir nicht nur sehr flexible Zeitmodelle zur Verfügung sondern ermöglichen Bewerbern überhaupt einen (Wieder-)Einstieg in das Berufsleben. Interne und externe Schulungsmaßnahmen runden zudem das Portfolio an Maßnahmen zur weiteren Qualifizierung ab.

Um Nicht-EU-Bürgern die Möglichkeit einer Nachqualifizierung zu ermöglichen hat Frau Kojovic im letzten Jahr einer Zusammenarbeit mit dem Entwicklungszentrum für berufliche Qualifizierung und Integration - kurz EWZ - zugestimmt. Diese Lehrgänge dienen den Migranten dazu, sich auf eine Anerkennungsprüfung vorzubereiten. Für Teilnehmende Betriebe ist dies ein nicht unerheblicher finanzieller Aufwand, da die Mitarbeiter bei vollem Gehalt und keiner öffentlichen Förderung nur bis zu 50% im Betrieb zur Verfügung stehen. Die meiste Zeit verbringen sie in Sprachkursen und mit Praktika in verschiedenen Bereichen.

3. Platz; Exo-Energy GmbH

Besondere Erwerbsgeschichte:

Als ich auf einen sehr interessanten Artikel in der Zeitschrift „Stern“ über alternative Energien aufmerksam wurde, hat mich dieses Thema fasziniert. Dort wurden unterschiedliche Möglichkeiten aufgezeigt, wie Energien aus erneuerbaren Quellen produziert und genutzt werden konnten. Dieses Thema hat mich fasziniert und nicht mehr losgelassen. Daher habe ich dort meine Chancen gesehen. Da ich zu dem Zeitpunkt kein Wissen in diesem Bereich hatte, musste ich mir das Know-How erst noch aneignen. Am Anfang lief alles autodidaktisch.

So entschied ich mich in der Technologie der Sonnenenergieausnutzung zu spezialisieren. Es war für mich eine große Herausforderung und ich habe mich darin ausbilden lassen. Anschließend habe ich in unterschiedlichen Firmen die ersten Erfahrungen in diesem Bereich gesammelt und vertieft. In den Firmen, wo ich gearbeitet habe, hatte ich eigene Ideen und Lösungsvorschläge. Aufgrund bestimmter Umstände war es mir aber leider nicht möglich, sie in die Praxis umzusetzen. Ich wollte aber unbedingt wissen, ob meine Ideen umsetzbar waren und Optimierungsansätze bei der Energiegewinnung boten. Um das heraus zu bekommen, musste ich meine Lösungsvorschläge in die praktische Arbeit mit einbinden. Und das ging nur, wenn ich mir selber die Möglichkeit eröffnete, indem ich mich selbstständig gemacht habe. Somit konnte und kann ich meine Potentiale für meine Vision einsetzen. Ich bin sehr froh darüber, dass ich diesen Schritt gemacht habe.

Schaffung und Sicherung von Ausbildungs- und Arbeitsplätzen:

Umso stolzer bin ich jetzt, dass meine Firma 4 Mitarbeitern ein berufliches Zuhause bietet. In Teil- und Vollzeit oder auch auf Minijob-Basis mit flexiblen Arbeitszeiten sind diese Mitarbeiter in unterschiedlichen Bereichen tätig. Die interkulturelle Mitarbeiterschaft hat eine Altersstruktur zwischen 29 und 57 Jahren. Im Moment sind nur männliche Mitarbeiter im Team. Weibliche Fachkräfte sind jederzeit herzlich willkommen. Durch Workshops in unseren Räumlichkeiten versuche ich Jugendliche für das Thema alternative Energien zu gewinnen. Mehrere Praktikumsplätze wurden bereits ermöglicht. Sowohl Studenten vom Auslandsinstitut auch Schüler konnten Erfahrungen in diesem Bereich sammeln. Selbst aus dem fernen Tokyo hatten wir japanische Praktikanten und unser aktueller Praktikant Hr. Bahadin aus der Uni Paderborn Fakultät für Elektrotechnik aus Arnsberg hat kurdische Wurzeln. Da uns die Kooperation und Vernetzung sehr wichtig ist, pflege ich den Kontakt mit unterschiedlichen Institutionen, insbesondere zu den weiterführenden Schulen. Wir möchten einen „Baustein“ für einen gelingenden Übergang zwischen Schule/Studium und Berufsleben sein. Ich kann wie im Jahre 2012 betonen, dass bei der Einstellung von Mitarbeitern Kriterien wie Geschlecht, Alter, Herkunft, Behinderung oder Religion keine Rolle spielen. In erste Linie sind das Interesse und die fachlichen Kompetenzen wichtig. Auch Bewerber ohne entsprechende Kenntnisse und Abschlüsse bekommen eine Möglichkeit, einen Einblick in die „erneuerbaren Energien“ zu bekommen. Aufgrund meiner eigenen beruflichen Entwicklung, ist es mir ein besonderes Anliegen jedem eine Chance zu bieten. Regelmäßige Fortbildungen und Schulungen gehören zu unseren Qualitätsmerkmalen. In immer wiederkehrenden Abständen werden Seminare und Lehrgänge zum Thema erneuerbare Energien besucht. Bei Bedarf werden die fachlichen Kompetenzen einiger Mitarbeiter durch intensive Weiterbildungen gestärkt. Zudem entsteht durch den Besuch gemeinsamer Veranstaltungen ein Zusammengehörigkeitsgefühl. So profitiert unmittelbar das Arbeitsklima!

Einschätzung zur Gesamtentwicklung – Umsätze, Stabilität Investitionen, Innovationen:

Der Einsatz der Bundesregierung in die Energiewende und die damit verbundene Investitionsbereitschaft sind zögerlich. Insofern ist es für die Exo- Energy GmbH wichtig, dass wir weiter Know-How investieren und unseren Platz auf dem erneuerbaren Energiemarkt festigen. Wir investieren dazu in eine solide Ausbildung und binden neue Technologien in die Unternehmensprodukte mit ein. Daher blicken wir in eine sichere Zukunft und auf eine sauberere Umwelt für zukünftige Generationen. Dafür möchte Exo- Energy seinen persönlichen Beitrag leisten.

Ehrenamtliches Engagement:

Ich bin Mitglied des Fußballvereins SUS Oberaden und betreue ehrenamtlich 12-16 jährige Kinder in der D-Jugend. Ich arbeite außerdem mit den sog. „schwererziehbaren“ Jugendlichen in Dortmund. Neben dem Training bin ich als „sozialer“ Berater in unterschiedlichen Lebensbereichen gefragt. Derzeit betreue ich 3 Jugendliche. Hierzu gehört die Unterstützung im Alltag, Hilfe bei der Zukunftsorientierung (Hilfe bei der Ausbildungs- bzw. Arbeitsplatzsuche), beim Überwinden persönlicher Probleme. Im Sport finde ich somit nicht nur einen Ausgleich, sondern kann gleichzeitig Kindern- und Jugendlichen etwas auf ihren Lebenswegen mitgeben.