Dortmund überrascht. Dich.
Alle glücklichen Gewinner des diesjährigen Integrationspreises

MIA-DO-Kommunales Integrationszentrum Dortmund

Bild: Dortmund-Agentur / Anja Kador

Integrationskongress und Preisverleihung

Ganz im Zeichen der Integration stand das Rathaus am 26. November 2015. Am frühen Nachmittag startete der Integrationskongress, der Raum für Gespräche und Austausch gab. Am Abend vergab die Stadt Dortmund zum vierten Mal im Rahmen des Kongresses den Integrationspreis an drei ganz besondere Projekte.

Veranstalter von Kongress und Preisverleihung waren die Stadt Dortmund und der Integrationsrat, deshalb gehörten die ersten beiden Redebeiträge Bürgermeisterin Birgit Jörder und Aysun Tekin als Vorsitzende des Integrationsrates.

Bilderstrecke: Integrationskongress und Preisverleihung

Bürgerhalle Rathaus mit Tannenbaum und Menschen 10 Bilder
Auftakt zum Integrationskongress in der Bürgerhalle des Rathauses
Bild: Dortmund-Agentur / Anja Kador

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In ihrer Begrüßung erklärt Jörder, dass sich Dortmund aus 180 Nationen zusammensetze. Zuwanderung habe die Gesellschaft geprägt. Das ist nicht nur gut so, das ist auch wichtig. „Denn“, so die Bürgermeisterin „in einer immer stärker globalisierten, vernetzten Welt sind interkulturelle Kompetenzen und Verständigung wichtiger denn je.“ Sie unterstrich die Herausforderungen, die es mit sich brächten, wenn Menschen vor existentieller Not fliehen müssten: „Wir wollen und werden eine humane Gesellschaft bleiben, die ihren Wohlstand teilt.“

Die Herausforderungen können nur gestemmt werden mithilfe sämtlicher gesellschaftlicher Potenziale, selbstverständlich schließt das Migrantinnen und Migranten ein: „Sie sind am Erfolg des Strukturwandels genauso beteiligt wie alle anderen.“ „Integration“ ist damit nicht ein bloßes Schlagwort, sondern ein wesentliches Handlungsfeld, das die Zukunftsfähigkeit einer modernen Kommune entscheidend (mit)gestaltet.

Herausforderung als Chance

Wir müssen weiter daran arbeiten, Vielfalt zu leben und Integration zu managen. Der Integrationskongress ist ein Baustein auf diesem Weg

Aysun Tekin

„Die Themen Migration und Integration sind aktueller denn je. Eine humane, demokratische, plurale Gesellschaft baut auf Werte wie Toleranz und Solidarität auf – Werte, denen wir uns verschrieben haben“, sagte Aysun Tekin in ihrer Rede. Sie sprach die Not syrischer Flüchtlinge an, die kämen, um Schutz zu suchen: „Diese Menschen erreichen uns traumatisiert und krank. Sie haben ein Recht auf Obhut und Aufnahme in unsere Gesellschaft.“

Lobenswert und im Höchsten Maße vorbildlich seien die Art und Weise, wie hilfsbereit sich die Dortmunder für die Flüchtlinge engagierten: „Sehen wir die aktuelle Flüchtlingssituation nicht allein als Herausforderung, sondern insbesondere auch als Chance!“, appellierte Tekin. Eine demokratische und an Bürgerrechten orientierte Gesellschaft könne sich nur dann weiterentwickeln, wenn sich Menschen für die Gleichberechtigung von Minderheiten einsetzten. „Wir müssen weiter daran arbeiten, Vielfalt zu leben und Integration zu managen. Der Integrationskongress ist ein Baustein auf diesem Weg.“

Reflexion und Weiterentwicklung

Ziel des Kongresses war es, die vier Handlungsfelder, die auf dem Masterplan Migration/Integration basieren, hinsichtlich ihrer bisherigen Aktivitäten mithilfe der etwa 300 Gäste aus Zivilgesellschaft, Politik, Verwaltung zu reflektieren, zu bewerten und durch Diskussionen und Fragen weiterzuentwickeln.

Die Handlungsfelder sind:

  • Bildung
  • Arbeit und Unternehmen
  • Soziale Balance in den Stadtbezirken
  • Weltoffene/Internationale Stadt

Lebensqualität für alle

Im Anschluss an Aysun Tekins Begrüßung trug Prof. Dr. Haci-Halil Uslucan (Direktor Stiftung Zentrum für Türkeistudien und Integrationsforschung) sein Referat „Mittendrin, statt nur dabei – Beteiligung von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte“ vor und wartete zunächst mit Zahlen auf: 80,5 Millionen Menschen leben in Deutschland, wovon 20 % auf Menschen mit Migrationshintergrund entfallen: „Deutschland ist seit 2008/2009 (wieder) Zuwanderungsland, d. h. es kommen erneut mehr Menschen ins Land, als gehen.“

In 2015 kamen bisher 950.000 Flüchtlinge nach Deutschland. Das bedeutet eine Herausforderung für das Bildungs- und soziale Sicherungssystem. Auch ändert sich die Zusammensetzung der Zuwandererbevölkerung durch etwa andere Bedarfe und Sprachen. Uslucan führte aus, dass für ein gutes Zusammenleben von Deutschen, Zuwanderern bzw. Flüchtlingen die Beschulung von Flüchtlingskindern sowie Kultur- und Religionssensibilität – nicht nur in der Alten- und Krankenpflege – sehr wichtig seien.

Unerlässlich sei außerdem das Einbeziehen der Migrantenselbstorganisationen (MSO) in den gesamtgesellschaftlichen Dialog. Allerdings reiche es nicht, dass Migranten Migranten ansprächen. Es müsste mehr prominente Vertreter der Mehrheitsgesellschaft geben, die Migranteninteressen verträten, damit sich die Gesellschaft für die Inhalte interessierten. Sie müssten sich selbst als aktiv handelnde Subjekte wahrnehmen können, nicht als (politisch) gesteuerte Objekte. „Die Selbstwirksamkeit muss gestärkt werden“, so Uslucan, „damit Migranten das Gefühl bekommen ‚Ja, ich kann das schaffen!’“ und zwar nicht nur in migrationsspezifischen Fragen, sondern in allen gesellschaftlichen Belangen.

Städte, die einen internationalen Anschluss anstreben, gewinnen auf allen Ebenen.

Prof. Dr. Haci-Halil Uslucan

Was aber bringt einer Kommune eine gelebte Willkommenskultur? Uslucan dazu: „Städte, die einen internationalen Anschluss anstreben, gewinnen auf allen Ebenen. Offenheit und Toleranz fördern den Zuzug der besten Köpfe aus der ganzen Welt. Technologie, Talent und Toleranz sind die Schlüsselfaktoren für den wirtschaftlichen Erfolg einer Stadt.“ Das bedeutet: höhere Lebensqualität für alle Bürger.

Fazits der Foren

Nach dem Vortrag von Prof. Dr. Haci-Halil Uslucan ging es für die Gäste in die Foren. Sie diskutierten lebhaft mit den Expertinnen und Experten der vier Handlungsfelder und kamen später zu folgenden Resümees:

  • Bildung
    Die Einbeziehung der Eltern in die Bildungsarbeit und die Verteilung der Finanzen sind auf richtigem Wege. Auch zeigten sich die Teilnehmer dieses Forums mit den Schwerpunkten, die hier für den Bereich Bildung im Masterplan gesetzt sind, zufrieden.
  • Arbeit und Unternehmen
    Die Teilnehmer dieses Forums plädierten darauf, dass Migranten der 3. bzw. 4. Generation sowie Flüchtlinge nicht auseinanderdividiert werden. Es gibt viele Kooperationsveranstaltungen im Bereich Arbeit und Unternehmen z. B. bei der Selbstständigkeit. Der Fokus sollte sich mehr auf Flüchtlinge und Erwerbsfähigkeit richten, in dem z. B. auf die Qualifikationen geschaut und entsprechend gefördert wird.
  • Soziale Balance in den Stadtbezirken
    Sehr positiv nahmen die Teilnehmer auf, das Nachbarschaftstreffen in den verschiedenen Bezirken gut funktionieren, so dass der Wunsch besteht, diese Treffen zu verstetigen. Außerdem wünschten sie sich einen stärkeren Abbau von Bürokratie.
  • Weltoffene/Internationale Stadt Dortmund
    Das Forum hielt fest, dass die Dortmunder stolz darauf sind, was an Aktivitäten in diesem Bereich läuft, wie etwa regelmäßige Bürgerforen oder auch der Austausch zwischen dem Dortmunder Norden und Süden durch z. B. das Projekt „Nord trifft Süd“. Die Netzwerkarbeit der MSOen schätzten die Teilnehmer als sehr wichtig ein, wobei die Aufgaben klar definiert sein sollten, um Doppelstrukturen zu vermeiden. Außerdem wünschten sich die Teilnehmer mehr Treffen zwischen den unterschiedlichen MSOen für einen regeren Austausch.

Informationen und Fotoserie

Nach einem arbeitsreichen wie intensiven Nachmittag stärkten sich die Gäste bei einem Imbiss, bevor es in den festlichen Abend mit der Preisverleihung des Integrationspreises der Stadt Dortmund 2015 ging. Während der Pause gab es die Gelegenheit, verschiedene Infostände zu besuchen: Etwa die Hälfte der Initiativen, die sich für den Integrationspreis beworben hatten, stellten sich im Rathaus mit einem Stand vor.

Außerdem wurde die Fotoserie „Dortmund ist Heymat“ gezeigt. Die Idee hinter dem Projekt entwickelte die Initiative IMAG (Integration mit aufrechtem Gang) gemeinsam mit Bürgern. IMAG ist ein Zusammenschluss von Organisationen (Kirchen, Rat der muslimischen Gemeinden, Wohlfahrtsverbände, etc), die den Prozess des Masterplans schon sehr früh begleiteten. In diesem Fotoprojekt werden jeweils ein Dortmunder mit und ein Dortmunder ohne Zuwanderungsgeschichte abgebildet.

Ausgezeichnete Projekte

Die Jury hatte es bei ihrer Wahl in diesem Jahr besonders schwer: Insgesamt 39 Projekte und Initiativen bewarben sich um den Integrationspreis der Stadt Dortmund 2015, der das vierte Mal verliehen wurde. Ein absoluter Rekord – noch nie gab es so viele Bewerber. Ziel der Ehrung ist es, Projekte und Initiativen auszuzeichnen, die neben einer erfolgreichen Integrationsarbeit einen Beitrag für ein vielfältiges Zusammenleben in Dortmund leisten. Die Sparkasse Dortmund förderte die Ehrung mit einem Preisgeld von insgesamt 10.000 Euro.

Integrationspreis 2015 - 1. Preis

Der 1. Preis, dotiert mit 5.000 Euro, ging an das Projekt Ankommen e. V.
Bild: Dortmund-Agentur / Anja Kador

Der 1. Preis, dotiert mit 5.000 Euro, ging an das Projekt Ankommen e. V. . Der Verein leistet aktive Flüchtlingshilfe nachdem die Geflüchteten aus den Übergangsunterkünften ausziehen können, z. B. durch Umzugsunterstützung, Deutschunterricht, Patenschaften, Begleitung bei Behördengänge und im Alltag oder Praktikumsvermittlungen. Birgit Jörder betonte in ihrer Laudatio: „Ihre Arbeit dreht sich um ein zentrales Thema, um das Dazugehören. Wer dazugehört, ist in der neuen Heimat angekommen.“ Die Vereinsmitglieder freuten sich sehr über die Ehrung und planen mit dem Geld einen Transporter zu besorgen und eventuell ein Büro einzurichten – denn an einer zentralen Anlaufstelle mangelt es dem Verein noch.

Integrationspreis 2015 - 2. Preis

AFRIDO – Das Netzwerk der Afrikaner in Dortmund und Umgebung, freute sich über die Würdigung ihrer Arbeit und den 2. Preis, der mit 3.000 Euro dotiert war.
Bild: Dortmund-Agentur / Anja Kador

AFRIDO – Das Netzwerk der Afrikaner in Dortmund und Umgebung, freute sich über die Würdigung ihrer Arbeit und den 2. Preis, der mit 3.000 Euro dotiert war. Das Netzwerk ist eine Plattform verschiedener Organisationen und Kirchengemeinden mit afrikanischer Herkunft oder afrikanischem Bezug und vertritt mit seinem Engagement die Interessen für Menschen mit afrikanischem Hintergrund. Ein Mitglied des Netzwerkes erklärte, dass ein weiteres Ziel dieser Plattform sei, politisch eine Stimme zu bekommen, indem er zeitgleich aktiv im Integrationsrat mitarbeite. Laudatorin Aysun Tekin erläuterte die Entscheidung der Jury: „Das Netzwerk steht für Ehrlichkeit, Offenheit, Mitgefühl und politische Partizipation. Es hilft dabei, Dortmund internationaler zu gestalten.“

Integrationspreis 2015 - 3. Preis

Den 3. Preis mit 2.000 Euro bekam das Roma-Kulturfestival „Djelem Djelem“.
Bild: Dortmund-Agentur / Anja Kador

Den 3. Preis mit 2.000 Euro bekam das Roma-Kulturfestival „ Djelem Djelem “, das in diesem Jahr zum zweiten Mal und 2.500 Gäste stattfand. Der Unterbezirk der Arbeiterwohlfahrt organisiert das Festival zusammen mit inzwischen 48 Vereinen und Institutionen. „Djelem Djelem“ ist die Hymne der Roma und bedeutet soviel wie „Wir sind einen langen Weg gegangen und gehen ihn noch“. Das Festival will dabei helfen, einen Dialog zwischen Zugewanderten und Mehrheitsbevölkerung anzustoßen und einer fremdenfeindlichen Stimmung entgegenwirken. Laudator und Jurymitglied Antonio Diaz zeigte sich restlos begeistert von dem Festival: „Das Lächeln der Kinder hat mich bezaubert und bereichert.“ Im kommenden Jahr findet „Djelem Djelem“ vom 2. bis zum 11. September statt. Der Tag klang mit glücklichen Gesichtern und der Musik der Band „On Purpose“ aus.

Gaye Suse Kromer