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12.01.2016Theater

Satire feiert in Dortmund Premiere

Wenedikt Jerofejews Erzählung "Die Reise nach Petuschki“ erschafft ein groteskes Bild der metaphysischen Atmosphäre des russischen Alkoholismus. Die Premiere findet am 16. Januar im Schauspiel Dortmund statt.

Uwe Rohbeck

Lupe: Klicken zum Vergrößern Jerofejew nimmt uns mit auf eine feuchtfröhliche Reise ins Unterbewusste des Alkohols
Bild: Hupfeld

Wenja, Alter Ego des Autors Wenedikt Jerofejew, ist auf dem Weg zum Moskauer Kursker Bahnhof, auf Gleis 4 fährt gleich der Zug nach Petuschki ab. Dort, in Petuschki, ist die Welt noch in Ordnung: hier wohnt seine Geliebte und sein Sohn, und es "verblüht nie der Jasmin und verstummt nie der Vogelgesang." Das Paradies!

Doch von Beginn der Erzählung an nimmt Wenja den ersten Schluck aus der Flasche – und wird auch nicht mehr mit dem Trinken aufhören. Verschiedenste Alkoholika rinnen seine Kehle hinunter, von Wodka bis Rosé, von Koriander-Schnaps bis zu so klangvollen Eigenkreationen wie "Die Idee von Genf". Und je mehr Wenja trinkt, desto gesprächiger wird er – Jerofejew nimmt uns mit auf eine feuchtfröhliche Reise ins Unterbewusste des Alkohols. Mit der Zeit werden Wenjas Erlebnisse immer diffuser und phantastischer, es ist die Vermessung des Deliriums: Ein zum Sprung aus dem Waggon lockender Satan, eine verstümmelte Sphinx, die unlösbare Rätsel stellt, oder eine Horde Erinnyen. Was soll das bloß? Wenja wollte doch nur nach Petuschki fahren…

Und am Ende? Steht er plötzlich wieder in Moskau, vor dem Kreml, wo er auf vier merkwürdige Gestalten trifft. Sind es apokalyptische Reiter? Und wie ist er überhaupt hierher gekommen?

Wenedikt Jerofejews Erzählung, 1973 erstmals erschienen, ist voll mit burlesken, satirischen Zügen, er erschafft ein groteskes Bild der metaphysischen Atmosphäre des russischen Alkoholismus. Nicht nur in Russland hat das Buch Kultstatus, auch im Rest der Welt erfreut sich "Die Reise nach Petuschki" großer Beliebtheit.

Es spielt Uwe Rohbeck, die Regie übernimmt Katrin Lindner, die Ausstattung Tobias Schunck. Als Dramaturg ist Dirk Baumann dabei.

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