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Bild: Jesús González Rebordinos

TU Dortmund

PROMI ermöglicht inklusive Doktorarbeiten

Nachricht vom 25.01.2016

An der Technischen Universität (TU) Dortmund promovieren zwei junge Frauen mit körperlichen Beeinträchtigungen über das bundesweite PROMI-Projekt. PROMI steht dabei für "Promotion inklusive".

Maren Grübnau (29) und Nurit Viesel-Nordmeyer (35)

Promovieren nun an der TU Dortmund: Maren Grübnau (29) und Nurit Viesel-Nordmeyer (35, rechts)
Bild: TU Dortmund

Maren Grübnau (29) und Nurit Viesel-Nordmeyer (35) haben körperliche Beeinträchtigungen, die Promotionsstellen werden zum Teil aus Bundesmitteln gefördert. Maren Grübnau setzt sich ehrenamtlich dafür ein, dass Menschen mit Sehbehinderung Fußballspiele live mitverfolgen können. Wenn sie selbst in der Arena auf Schalke ist, kann sie den Ball und die Spieler nicht sehen. Doch im gesamten Stadion liefern Blindenreporter einen Live-Bericht des Spiels; die Atmosphäre und Begeisterung bekommt die sehbehinderte Wissenschaftlerin hautnah mit. Als Gruppenleiterin der Blindenreporter ist Grübnau Ansprechpartnerin für alle Themen rund um visuelle Beeinträchtigung und arbeitet daran mit, das Stadion barrierefrei für Menschen mit Behinderung zu machen.

Jüngster Erfolg ihrer Arbeit war, dass Menschen mit Sehbeeinträchtigung nun auch erstmals die Biathlon-Veranstaltung akustisch verfolgen konnten, die am 28. Dezember in der Arena stattfand. Ein Blindenreporter aus Oberhof und der Fußball-Blindenreporter lösten sich bei der Übertragung des Wettkampfs ab.

Die kulturelle Teilhabe von Menschen mit Behinderung an Großveranstaltungen ist auch das Thema der Promotion, die Maren Grübnau im November in Angriff genommen hat. "Aus der Praxis entstanden" sei die Idee für ihre Doktorarbeit, sagt sie. Das PROMI-Projekt eröffnet ihr nun die Möglichkeit, das Thema wissenschaftlich aufzuarbeiten. Betreut wird die Promovendin von Prof. Renate Walthes und Dr. Monika Schröttle von der Fakultät Rehabilitationswissenschaften.

Ihre Diplomarbeit und ihre Tätigkeit als studentische Hilfskraft im Institut für Schulentwicklungsforschung (IFS) der TU Dortmund haben bei Nurit Viesel-Nordmeyer das Interesse an einer Promotion geweckt. Sie beschäftigt sich mit den Zusammenhängen von Sprachentwicklung und mathematischem Lernen mit dem Ziel Erkenntnisse bereitzustellen, die einen bedeutenden Beitrag für gezielte Fördermaßnahmen liefern können. Eine Grundlage der Promotion sind Daten aus dem Nationalen Bildungspanel (NEPS), an dem das IFS mit Prof. Wilfried Bos mitarbeitet. Bos aus der Fakultät Erziehungswissenschaft, Psychologie und Soziologie betreut gemeinsam mit Prof. Ute Ritterfeld aus der Fakultät Rehabilitationswissenschaften die Promovendin.

Beide Doktorarbeiten ermöglicht das PROMI-Projekt. Dabei übernimmt das Bundesministerium für Arbeit und Soziales – aufgestockt durch individuelle Eingliederungszuschüsse der Arbeitsmarktverwaltung – 70 Prozent der Kosten einer Halbtagsstelle für Promovenden. Die verbleibenden 30 Prozent der Kosten tragen die beiden Fakultäten und Bereiche, in denen die Arbeiten entstehen. Mit dem Projekt setzen Maren Grübnau und Nurit Viesel-Nordmeyer ihre wissenschaftliche Laufbahn an der TU Dortmund fort, forschen und lehren. Zusätzlichen Bedarf, etwa einen extra großen Bildschirm oder eine Arbeitsassistenz, finanzieren öffentliche Stellen – schließlich sind die beiden Promovendinnen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. An dem Projekt, das wissenschaftlich von der Universität Köln begleitet wird, sind bundesweit fünfzehn Universitäten und Hochschulen beteiligt, die Finanzierung der Promotionsstellen läuft zunächst für drei Jahre.

PROMI eröffnet eine Vielzahl von Vorteilen, nicht nur für die Promovierenden, sondern auch für die teilnehmende Universität und die Gesellschaft. Die Universität bekommt neben anderem qualifizierte und motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, stärkt ihre Personalressourcen in Forschung und Lehre und erhält optimal angepasste Arbeitsplätze. Auf dem Arbeitsmarkt werden nachhaltige Strukturen und neue Zugangsmöglichkeiten für Hochschulabsolventinnen und -absolventen mit Behinderung geschaffen.

Entscheidend aber ist, dass sich die Promotionsthemen gut in die Forschung der betreuenden Universität einfügen. "Ich habe mich gern und aus voller Überzeugung dafür eingesetzt, dass die TU Dortmund sich am PROMI-Projekt beteiligt", sagt Prof. Barbara Welzel, Prorektorin Diversitätsmanagement, die das PROMI-Projekt an der TU Dortmund betreut.

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