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Bild: Jesús González Rebordinos

Anlaufstelle für Flüchtlinge

Erste Bilanz zum Dortmunder "Integration Point"

Nachricht vom 16.06.2016

Im Oktober 2015 eröffneten die Agentur für Arbeit Dortmund und das Jobcenter in Kooperation mit der Stadt Dortmund die zentrale Anlaufstelle für Flüchtlinge, den Integration Point. Nun zogen die Partner eine erste Zwischenbilanz und informierten über die Arbeit im Integration Point.

David Gößwein, Kath. St.-Johannes-Gesellschaft – Projektkoordination; Jörg Süshardt, Amtsleiter des Sozialamtes der Stadt Dortmund; Friedhelm Evermann, Kath. St.-Johannes-Gesellschaft - Leitung Jugendhilfe, Astrid Neese, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Dortmund; Frank Neukirchen-Füsers, Geschäftsführer Jobcenter Dortmund (v.l.) zogen eine erste Zwischenbilanz

David Gößwein, Kath. St.-Johannes-Gesellschaft – Projektkoordination; Jörg Süshardt, Amtsleiter des Sozialamtes der Stadt Dortmund; Friedhelm Evermann, Kath. St.-Johannes-Gesellschaft - Leitung Jugendhilfe, Astrid Neese, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Dortmund; Frank Neukirchen-Füsers, Geschäftsführer Jobcenter Dortmund (v.l.) zogen eine erste Zwischenbilanz

Mit dem Vorhaben eine gemeinsame Anlaufstelle für geflüchtete Menschen zu schaffen und damit den Weg in Arbeit und Ausbildung zu ebnen, wurde am 19. Oktober 2015 der dritte von nunmehr über 40 Integration Points in NRW in Dortmund eröffnet. Acht Monate sind seitdem vergangen. Mehrere Tausend Menschen haben den Weg in den Integration Point gefunden. Gestartet mit 14 Mitarbeitern, arbeiten im Integration Point in Dortmund heute 46 Mitarbeiter, die insgesamt 12 Sprachen sprechen.

Kundenstruktur im Integration Point

2.218 geflüchtete Menschen werden aktuell im Integration Point betreut. Davon sind ca. 22 Prozent oder 482 Personen Frauen. Der Großteil der Menschen, 1.622 Personen sind Zuwanderer aus Syrien. Es folgen 205 geflüchtete Menschen aus dem Irak, 94 Menschen aus Eritrea, 92 Personen stammen aus Afghanistan und 61 geflüchtete Menschen aus dem Iran.

38 Prozent der Kunden sind 25 bis 35 Jahre alt. 26 Prozent sind 20 bis 25 Jahre. 15 Prozent 35 bis 45 Jahre, 13 Prozent 15 bis 20 Jahre und sieben Prozent sind 45 bis 55 Jahre alt. 80 Prozent aller Kunden im Integration Point haben keine deutschen Sprachkenntnisse. 16 Prozent der Menschen verfügen bereits über Grundkenntnisse. Vier Prozent können erweiterte Kenntnisse aufweisen oder beherrschen die Sprache verhandlungssicher.

Frühzeitig spezielle Angebote konzipiert

Viele Projekte sind frühzeitig initiiert worden und in die Umsetzung gegangen. Rund 1.600 geflüchtete Menschen in Dortmund haben Ende 2015 mit Einstiegssprachkursen - finanziert durch die Bundesagentur für Arbeit - beginnen können. Diese Kurse beinhalteten neben Basiskenntnissen in der deutschen Sprache auch grundlegendes Wissen über die deutsche Ge-sellschaft und Alltagskultur und wurden in kürzester Zeit auf die Beine gestellt.

Für die Zeit nach den Sprachkursen wurden zusätzlich insgesamt 1.215 Unterstützungsangebote für geflüchtete Menschen konzipiert, die inhaltlich den vielfältigen Anforderungen sowie Bedürfnissen der neuen Bürger gerecht werden. So umfassen die Maßnahmen alle Aktivitäten, die eine berufliche Integration herbeiführen, von der Heranführung an den deutschen Arbeits- und Ausbildungsmarkt und der Feststellung berufsfachlicher Kenntnisse, Fertigkeiten und Fähigkeiten bis hin zur Vermittlung von berufsbezogenen Sprachkenntnissen und der Vermittlung in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung.

"Mit der Einrichtung des Integration Points haben wir uns in Dortmund früh auf die große Herausforderung der Integration von geflüchteten Menschen in Arbeit und Ausbildung vorbereitet. Wir haben in den vergangenen Monaten viele Erfahrungen sammeln können und unser Angebot für die Zielgruppe mit zusätzlichen Mitteln deutlich ausgebaut. Im Netzwerk aller Akteure konnten wir unsere Arbeit intensivieren; denn gelungene Integration ist eine Gemeinschaftsaufgabe. In Dortmund gibt es viele engagierte Unternehmen, die ihre Arbeitsangebote auch für geflüchtete Menschen öffnen. Überwiegend ist aber die Erkenntnis, dass zunächst die Sprachkompetenzen aufgebaut werden müssen, idealerweise auch im Betrieb. Wenn wei-terhin alle Akteure am Arbeitsmarkt an einem Strang ziehen, können wir die Integration mit Mut und Zuversicht angehen. Auch wenn der größte Teil der Strecke noch gegangen werden muss und ein Großteil der geflüchteten Menschen erst die Fachkräfte von übermorgen sein werden", erklärte Astrid Neese, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Dortmund.

"Über den Integration Point wollen wir erreichen, dass die geflüchteten Menschen wirklich bei uns ankommen. Das gelingt nur, wenn wir sie da abholen, wo sie stehen. Vorrangig kommt daher dem Spracherwerb die höchste Priorität zu. Zudem müssen sie auch wissen, wie der Ausbildungs- und Arbeitsmarkt in Deutschland strukturiert ist. Praktische Maßnahmen zur Kompetenzfeststellung, wie wir sie in Kooperation mit dem Handwerk durchführen, helfen dabei. Gemeinsam mit den Menschen wollen wir die besten Lösungen finden, dem Einzelnen eine berufliche Zukunftsaussicht aufzuzeigen und perspektivisch dem Fachkräftebedarf in der Region gerecht zu werden. Das bedarf nicht nur eigener Anstrengungen, sondern auch der Mithilfe unserer Netzwerkpartner und Betrieben aus der Wirtschaft", so Frank Neukirchen-Füsers, Geschäftsführer Jobcenter Dortmund.

Frühzeitige Integration eine der wichtigsten Aufgaben

"Die Agentur für Arbeit Dortmund, das Jobcenter Dortmund und das Sozialamt der Stadt Dortmund sind sich einig, dass eine möglichst frühzeitige Integration von Flüchtlingen sowohl in den Arbeitsmarkt als auch in die soziale Gemeinschaft eine der wichtigsten Aufgaben bei der Bewältigung der aktuellen Flüchtlingssituation darstellt. Die ersten Grundsteine hierfür werden bereits in den städtischen Übergangseinrichtungen für Flüchtlinge gelegt. In Zusammenarbeit mit den Betreibern erfolgt der erste Kontakt mit den Flüchtlingen zur Kompetenzfeststellung, um den weiteren beruflichen Weg gemeinsam zu gestalten. Das Procedere wird mit den Fachleuten im Integration Point intensiv kommuniziert. Die Kontaktaufnahme erfolgt entweder in den Übergangseinrichtungen in Form von Sprechstunden vor Ort oder in der Ge-schäftsstelle des Integration Point. Da deutsche Sprachkenntnisse für die Arbeitsintegration unerlässlich sind, unterstützen die Einrichtungen in Kooperation mit dem Ehrenamt durch erste Angebote zur Sprachförderung. Diese erfolgreiche Zusammenarbeit wird zwischen den Beteiligten auch weiterhin intensiviert", erklärt Jörg Süshardt, Amtsleiter des Sozialamtes der Stadt Dortmund.

Zum Thema

Unterstützungsangebote für geflüchtete Menschen

Perspektiven für Flüchtlinge (PerF) und junge Flüchtlinge (PerJuF) - Dauer: 3 Monate. Zielgruppe sind Asylbewerber und Geduldete mit Arbeitsmarktzugang (SGB III) bzw. Asylberechtigte und anerkannte Flüchtlinge (SGB II). Ziel ist die Heranführung an den deutschen Arbeitsmarkt, die Feststellung der berufsfachlichen Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten, die Vermittlung und Erweiterung von berufsbezogenen Sprachkenntnissen sowie die Unterstützung von Bewerbungsaktivitäten.

Förderzentrum für Flüchtlinge (FfF) - Dauer 3-6 Monate. Zielgruppe sind Asylbewerber und Geduldete mit Arbeitsmarktzugang, Asylbewerber mit guter Bleibeperspektive und Asylberechtigte und anerkannte Flüchtlinge. Das Förderzentrum für Flüchtlinge kann alle Aktivitäten umfassen, mit denen ein Integrationsfortschritt der Teilnehmer erreicht werden kann bzw. die eine berufliche Eingliederung herbeiführen. Hier werden berufsbezogene deutsche Sprachkenntnisse vermittelt bzw. erweitert. Zudem kommen auch sozialintegrative Ansätze individuell zum Einsatz. Die Vermittlung in eine versicherungspflichtige Beschäftigung und Stabilisierung einer Beschäftigungsaufnahme ist ebenso Ziel.

Kompetenzfeststellung, frühzeitige Aktivierung und Spracherwerb (KompAS) - Dauer: 7 Monate (Start August 2016). Die Kombinationsmaßnahme aus arbeitsmarktpolitischen Instrumenten und Sprachförderung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge bringt Vorteile für den Spracherwerb durch praktische Anwendung von Deutschkenntnissen bereits während des Kurses, ggf. auch im Rahmen von Praktika und für die berufliche Aktivierung durch eine frühzeitige Einführung in die Arbeitswelt. In der Maßnahme werden die Teilnehmer an Arbeitsmarkt herangeführt, Vermittlungshemmnissen werden festgestellt, verringert und beseitigt, um die Vermittlung und Stabilisierung der Beschäftigungsaufnahme zu erreichen.