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Bild: Jesús González Rebordinos

Historischer Städteatlas

Neue Publikation ist Dortmund gewidmet

Nachricht vom 08.02.2017

Dortmund ist nun Teil des Deutschen Historischen Städteatlas: Nach einer Projektlaufzeit von dreieinhalb Jahren ist der fünfte Band in der Städteatlas-Reihe erschienen. Die Neuerscheinung wird in der Reinoldikirche präsentiert.

v.l. Dr. Daniel Stracke, Autor und wiss. Mitarbeiter des Instituts für vergleichende Städtegeschichte, Universität Münster, Prof. Dr. Werner Freitag, wiss. Vorstand des Instituts für vergleichende Städtegeschichte, Universität Münster, Dr. Stefan Mühlhofer, Direktor des Stadtarchivs Dortmund, Oberbürgermeister Ullrich Sierau

v.l. Dr. Daniel Stracke, Autor und wiss. Mitarbeiter des Instituts für vergleichende Städtegeschichte, Universität Münster, Prof. Dr. Werner Freitag, wiss. Vorstand des Instituts für vergleichende Städtegeschichte, Universität Münster, Dr. Stefan Mühlhofer, Direktor des Stadtarchivs Dortmund, Oberbürgermeister Ullrich Sierau, Klaus Steenweg, Sparkasse Dortmund
Bild: Dortmund-Agentur / Anja Kador

Der Städteatlas ist eine Sammlung von Kartenquellen, Bilddokumenten und Texten, die die Geschichte der Stadt von den ersten Siedlungen bis in die Gegenwart nachzeichnet und ihre Entwicklung über die Jahrhunderte veranschaulicht. Ziel ist es, der interdisziplinären Städteforschung vergleichbare Grundlagen und belastbare Informationen zur Verfügung zu stellen. Die Dortmund gewidmete Publikation ist die bislang umfangreichste der Reihe. Der neue Städteatlas wird am Dienstag, 14. Februar, um 19:30 Uhr feierlich in der Dortmunder Reinoldikirche präsentiert.

Zum Hintergrund: das Forschungsvorhaben

Die Aufnahme in den Deutschen Historischen Städteatlas stellt Dortmund in den Kontext eines internationalen Forschungsvorhabens, das im historisch-geographischen Bereich einmalig ist. Bereits in den 1950er Jahren gründete sich der Verbund der europäischen Städteatlasprojekte. Diesem Netzwerk, das sich von Island bis Italien und Irland bis Rumänien erstreckt, gehören mittlerweile 20 nationale und 3 regionale Teilprojekte an, die sich auf gemeinsame Richtlinien verständigt haben. Es entsteht ein Bild des europäischen Städtewesens in seiner Gesamtheit, das typische Entwicklungen, regionale Ausprägungen und überregionale Verbindungslinien zeigt. Mit Dortmund – mittelalterliche Königspfalz, einzige westfälische Reichsstadt und industrielle Großstadt – wird dieses Bild um wichtige Aspekte bereichert.

Mittlerweile sind europaweit über 520 Städteatlanten erschienen. Da sie in fundierten Texten, Bildern und Karten über die Geschichte und räumliche Entwicklung der jeweiligen Stadt informieren, ist jede dieser Dokumentationen nicht nur für die vergleichende Forschung von Interesse, sondern auch für Bürgerinnen und Bürger, Bildungseinrichtungen, die städtische Verwaltung und die ortsgeschichtliche Spezialforschung.

Der Dortmund-Atlas

Das gilt auch für den neuen Dortmund-Atlas. Er umfasst ein 52-seitiges Textheft und 18 großformatige Tafeln mit historischen Stadtansichten, Landkarten und Stadtplänen des 15. bis 21. Jahrhunderts sowie thematischen Karten einschließlich Kommentartexten. Das Textheft enthält einen mit über 80 Abbildungen illustrierten, facettenreichen Überblick über die „Grundzüge der historisch-topographischen Entwicklung“, der die Linien der Stadtentwicklung von den Anfängen bis heute chronologisch und sachthematisch gegliedert darlegt.

Dabei gehen die Autoren sowohl auf das Werden und Wachsen der Stadt ein als auch auf die Faktoren und Akteure, die darauf Einfluss nahmen. Auch die wirtschafts- und sozialgeschichtliche Dimension des Stadtraumes wird thematisiert, ebenso die Umstände, die das Leben in Dortmund zu unterschiedlichen Zeiten prägten. Der Städteatlas stellt den stadtgeschichtlichen Stand der Forschung dar. Indem er die bisherigen Forschungsergebnisse bündelt und hinterfragt, bietet er auch neue Erkenntnisse und Interpretationen zu bekannten Fragen. Erörtert werden u.a. die Lage der im 10. Jahrhundert erstmals in Schriftquellen erwähnten Dortmunder Burg, die Frage nach der Lokalisierung der mittelalterlichen Königspfalz, die Dortmunder Aktivitäten zur Zeit der Hanse und die enge Verzahnung der Stadt- und Wirtschaftsgeschichte im Industriezeitalter, als sich die Konjunkturen der Montanindustrie unmittelbar in den Lebensverhältnissen der Bewohner spiegelten.

Die Aussagen des Textes beruhen auf der Interpretation historischer, archäologischer, bildlicher und kartographischer Quellen. Die wichtigsten Bildzeugnisse, Karten und Pläne werden der Forschung an die Hand gegeben. Das Herz des Dortmund-Atlas bilden dabei zwei neu gezeichnete parzellengenaue Pläne, die den Stadtgrundriss in der ersten bzw. der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zeigen, und ein detaillierter Innenstadtplan von 2016. Sie wurden von den Geoinformatikerinnen und -informatikern des IStG in mühevoller Kleinarbeit anhand von historischen Katasterplänen und aktuellen Geodaten eigens hergestellt.

Zum Material gehören weiterhin

  • der Vogelschauplan des Detmar Mulher (1610) und der Brandhoff’sche Stadtbauplan (1857/58), die in großem Format und in hervorragender Qualität abgedruckt werden;
  • die bedeutende Überlieferung von Stadtansichten auf spätmittelalterlichen Altarbildern in der Propsteikirche sowie ihre Fortführung in der frühneuzeitlichen und neuzeitlichen Druckgraphik;
  • ein historisches und ein modernes Luftbild sowie
  • Karten aus der Preußischen Topographischen Landesaufnahme seit der ersten Vermessung. Während die übrigen Materialien historische Schlaglichter auf die Innenstadt werfen, zeigen die Karten aus der topographischen Landesaufnahme das Dortmunder Umland 1839/40, 1892, 1927/35 und 2016.

Dieses reiche, quellenkritisch kommentierte Material regt die wissenschaftliche Forschung zur Stadtentwicklung und Urbanisierung an und lädt den Laien zum Neuentdecken seiner Heimatstadt mit einer historisch gewordenen Siedlungsstruktur ein.

Gemäß der Aufgabenstellung eines historischen Atlas werden die Aussagen, die im Atlastext gemacht werden, dem Leser durch Bilder, Diagramme und vor allem thematische Karten visuell vermittelt. Das gilt nicht nur für die Kartenreihe zum Stadtwachstum, die – angeregt von den neuesten Erkenntnissen der archäologischen Forschung – eine Neuinterpretation der mittelalterlichen Frühentwicklung bieten. Auch die Ausdehnung der alten Grafschaft Dortmund, die Umgestaltung des Innenstadtbereiches in der Urbanisierung des 19. und frühen 20. Jahrhunderts und die raumprägende Wirkung der Schwerindustrie werden in ganz neuer Form kartographisch erfasst und anschaulich gemacht.

Stadtarchiv erforschte NS-Einrichtungen und Zwangsarbeiterlager

Mehrere der im Städteatlas enthaltenen großformatigen Tafeln erwuchsen dabei direkt aus den Grundlagen, die in der intensiven Projektforschung des Dortmunder Stadtarchivs gelegt wurden. Dazu gehören die Darstellung der Zeit des Nationalsozialismus mit der Verortung der NS-Einrichtungen und Zwangsarbeiterlager ebenso wie die der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg, in deren Rahmen auch Bunker kartiert wurden. Aus der Verräumlichung von unzähligen Einzelfakten entstanden dichte Raumbilder, die Zusammenhänge erschließen und neue Forschungsfragen aufwerfen werden.

Das Werk entstand in Kooperation zwischen dem Institut für vergleichende Städtegeschichte – IStG in Münster, das die Reihe herausgibt, und dem Stadtarchiv Dortmund, unterstützt von der Dortmunder Stadtarchäologie und dem städtischen Vermessungsamt. Autoren sind die renommierten Kenner der Dortmunder Stadtgeschichte Prof. Dr. Thomas Schilp und Dr. Stefan Mühlhofer sowie Dr. Daniel Stracke vom Institut für vergleichende Städtegeschichte. Zur Realisierung des hochwertigen Druckes leistete die Stadtsparkasse Dortmund einen Druckkostenzuschuss.

Zum Thema

Stefan Mühlhofer, Thomas Schilp & Daniel Stracke: Dortmund – Deutscher Historischer Städteatlas Nr. 5, hg. v. Peter Johanek, Jürgen Lafrenz & Thomas Tippach am Institut für vergleichende Städtegeschichte, Münster (Ardey-Verlag) 2017. ISBN 978-3-87023-277-1.

Aufbauend auf einer Auswahl der für den gedruckten Atlas angefertigten Karten entstehen im IStG derzeit zusätzlich interaktive Onlinemodule. Veröffentlicht werden sie unter