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Bild: Jesús González Rebordinos

Sparkassen Chess-Meeting

Schach-Elite erneut im Orchesterzentrum

Nachricht vom 28.04.2017

Das Sparkassen Chess-Meeting vom 15. bis 23. Juli 2017 im Orchesterzentrum des Landes NRW in der Brückstraße, ist einem der bedeutendsten Schachspieler aller Zeiten gewidmet: Wladimir Kramnik.

Schach-Weltmeister Wladimir Kramnik

Sparkassen Chess-Meeting 2017: Wladimir Kramnik gewidmet

Der Grund: Seit genau 25 Jahren gibt es eine Schachliaison zwischen dem dreifachen Weltmeister und der Turnierstadt Dortmund. Beim berühmten Chess-Meeting 1992 spielte das damals gerade 16-jährige Schach-Talent Wladimir Kramnik zum ersten Mal in Dortmund.

In der Westfalenhalle II kämpften die Kasparow, Iwantschuk und Co. um den Turniersieg. Eine Etage tiefer, in der Schwemme der Westfalenhalle 2, fochten hingegen mehrere Hundert Schachenthusiasten, unter ihnen Wladimir Kramnik, “ihre” offenen Turniere aus. Kramnik wurde vielbeachteter Zweiter in seinem “Open” und setzte damit ein erstes schachliches Ausrufungszeichen.

Danach ging alles rasend schnell: Das Dortmunder Turnier und Wladimir Kramnik machten praktisch Hand in Hand Weltkarrieren, wobei Kramniks überragendes Können sogar von drei Welttiteln gekrönt wurde. Damit ist er einer der bedeutendsten Schachspieler aller Zeiten und in einem Atemzug mit Superstars wie Garri Kasparow, den er 2000 als Weltmeister entthronte, Anatoli Karpow und Bobby Fischer zu nennen. Besonders hervorzuheben ist, dass Kramnik von 1992 an mit zwei Ausnahmen – 1994 und 2002 – Jahr für Jahr das Dortmunder Turnier bestritt. Wobei er 2002, als sein Herausforderer um die Weltmeisterkrone ausgespielt wurde, praktisch als Co-Schirmherr vor Ort weilte. Unvergesslich ist sein damaliger Auftritt mit Box-Weltmeister Wladimir Klitschko im Rahmen eines Schaukampfes – nicht im Boxen, sondern am Schachbrett, versteht sich.

Wladimir Kramnik spielt also in diesem Jahr seit 25 Jahren in Dortmund und feiert bildlich gesprochen damit seine “Silberhochzeit” mit dem Sparkassen Chess-Meeting, das er darüber hinaus auch noch zehn Mal (1995 – 1998, 2000, 2001, 2006, 2007, 2009 und 2001) für sich entscheiden konnte. Diese Leistung ist weltweit einmalig und reif für das Guinessbuch der Rekorde. Was also lag näher, als die diesjährige Veranstaltung Wladimir Kramnik zu widmen und damit die Geschichte eines anerkannten Schachgiganten und eines ebenso anerkannten Schachereignisses zu erzählen!

Das Teilnehmerfeld 2017

Dmitry Andreikin (Russland)

Der 27-jährige russische Großmeister Dmitry Andreikin stellt sich in Dortmund als der amtierende Europameister im Blitzschach vor. Diesen Titel errang er im Dezember 2016 im estischen Tallinn mit 22 Punkten aus 26 Partien. Fast hätte es sogar zum Doppelschlag gereicht: Im Schnellschach wurde Andreikin an gleicher Stätte allerdings „nur“ Vize-Europameister. Mit diesen sehr ansprechenden Visitenkarten und 2.734 ELO-Punkten (Platz 23 in der Weltrangliste) im Gepäck reist der am 5. 2. 1990 in Rjasan geborene Schachprofi 2017 zum zweiten Mal nach 2013 in Richtung Dortmund. Andreikin war darüber hinaus 1999 Weltmeister U 10, 2010 Weltmeister U 20 und 2012 Russischer Einzelmeister, was von seiner Bedeutung her einem schachlichen Ritterschlag gleichkommt.

Matthias Blübaum (Deutschland)

Der gerade einmal 20 Jahre junge Mattias Blübaum ist ebenfalls erstmals in Dortmund zu Gast. Er hat sich bislang noch nicht entscheiden können, Schachprofi zu werden, sondern setzt derzeitig seine Priorität mehr in Richtung eines Mathematikstudiums an der Universität Bielefeld. Blühbaum, der zu Deutschlands Spitzenspielern gehört, hat zuletzt am Grenke Chess Classic in Baden-Baden teilgenommen und dort gegen Magnus Carlsen und gegen Caruana ehrenvolle Remis herausgeholt. Die Teilnahme am Sparkassen Chess-Meeting in Dortmund dürfte für ihn eine weitere wichtige Standortbestimmung bringen. In der aktuellen FIDE-Weltrangliste belegt er den 148. Rang, in der Junioren-Weltrangliste Platz fünf.

Wladimir Fedoseev (Russland, 16. 2. 1995)

Fast wäre Wladimir Fedoseev im Oktober 2016 im Superfinale in Tschita russischer Schachmeister geworden. Leider verlor der heute 22-Jährige seine letzte Partie gegen Oparin und musste damit seine Titelträume begraben. So wurde der Sieg im diesjährigen Aero-Flot-Open sein bislang größter Schacherfolg, der ihn gleichzeitig für Dortmund qualifizierte. Fedoseev ist ein Mann mit einer sehr pointierten Meinung, die er gern auch öffentlich vertritt. So äußerte er sich kürzlich in einem Interview exponiert gegen die Unsitte der abgesprochenen Partien, die seiner Meinung nach zu einer nicht hinnehmbaren Wettbewerbsverzerrung führten. Der interessante junge Mann aus Russland, der wir zum ersten Mal in Dortmund begrüßen, dürfte nicht nur deshalb ein belebendes Element für das Sparkassen Chess-Meeting werden. Er belegt derzeit mit 2.658 ELO-Punkten den 56. Rang der Weltrangliste.

Wladimir Kramnik (Russland)

Über der diesjährigen Veranstaltung schwebt unausgesprochen die Frage, ob es Wladimir Kramnik gelingen kann, das ihm gewidmete Großmeisterturnier zu gewinnen und damit seinen eigenen „Dortmunder Turnier-Weltrekord“ auf sagenhafte elf Siege zu erhöhen. Die Voraussetzungen hierfür sind ausgezeichnet. Immerhin ist der hochgewachsene Superstar der Schachszene derzeit als Vierter der Weltrangliste der bestplatzierte Spieler des Turniers und allein schon deshalb Dortmunds Top-Favorit. Fast hätte es mit dem elften Sieg ja auch schon 2016 klappen können. Aber Maxime Vachier-Lagrave hatte etwas dagegen und verwies Kramnik auf den zweiten Platz.

Liviu-Dieter Nisipeanu (Deutschland)

Liviu-Dieter Nisipeanu hat seine Wurzeln in Rumänien, spielt aber seit 2014 für den Deutschen Schachbund, dessen Nr. 1 er ist. In Dortmund gibt der sympathische Großmeister mit der interessanten Haartracht – Pferdeschwanz – zum dritten Mal seine schachliche Visitenkarte ab. Während es im letzten Jahr „nur“ zu Platz sechs im Endklassement reichte – er spielte alle Partien remis – stand „Nisi“ 2015 fast vor dem Turniersieg. Erst Superstar Fabiano Caruana konnte ihn in der letzten Runde stoppen und auf den dritten Rang verdrängen. Nisipeanu liegt mit 2.684 ELO-Punkten auf Platz 58 der Weltrangliste. Der 40-jährige Großmeister, 2.005 Gewinner der Einzel-Europameisterschaft, beeindruckt das Publikum mit seinem kämpferischen Spielstil, der auch für Dortmund wieder spannende Partien verheißt.

Maxime Vachier-Lagrave (Frankreich)

Maxime Vachier-Lagrave, Frankreichs unangefochtene Nr. 1 im königlichen Spiel, ist ein begeisterter Fußballfan. Sein Lieblingsclub ist Olympique Lyon. Im vergangenen Jahr war es sein ausdrücklicher Wunsch, einmal in den Signal-Iduna-Park, das Stadion von Borussia Dortmund hineinzuschnuppern. Die Begeisterung war groß! Begeistert waren auch die zahlreichen Besucher des Sparkassen Chess-Meetings 2016 über Maximes Spielweise. Er trat in großer Form an und heimste bei seiner ersten Teilnahme gleich spektakulär den Sieg ein. In diesem Turnier übertraf er erstmals die magische ELO-Zahl von 2.800. Derzeit weist die Weltrangliste für den 36-Jährigen den fünften Rang mit 2.803 ELO-Punkten aus. Neben Wladimir Kramnik ist Maxime Vachier-Lagrave fraglos Dortmunds Top-Favorit und würde liebend gern seinen Vorjahressieg wiederholen.

Radoslaw Wojtaszek (Polen)

Die polnische Nr. 1 Radoslaw Wojtaszek (30) belegt derzeit in der Weltrangliste mit 2745 ELO-Punkten Platz 20. Der in Elblag geborene Großmeister spielt in der Bundesliga für die OSG Baden-Baden. In Dortmund gehört er zu den diesjährigen Turnier-Neulingen. Wojtaszek wurde 2004 Europameister und Weltmeister U 18, 2005, 2014 und 2016 polnischer Meister, 2008 Schnellschach-Europameister und heimste mit seinen Mitstreitern mehrere polnische und tschechische Mannschaftsmeisterschaften ein. Vor einer Woche noch spielte er gegen Wladimir Kramnik und erzielte ein ehrenvolles Remis.

Wang Yue (China)

Nach der Visite von Wang Hao 2013 und dem couragierten Auftritt der chinesischen Schachweltmeisterin Hou Yifan 2015 stellt sich mit Wang Yue, geb. 31. 3. 2987, in diesem Jahr ein weiterer Großmeister aus der aufstrebenden „Schach-Weltmacht“ China vor. Wang Yue stammt aus Taiyuan in der Provinz Shanxi, der Nachbarregion von Xi‘an, also der Stadt, mit der Dortmund 2017 ein 25-jähriges Partnerschaftjubiläum begeht. Yue begann mit acht Jahren Schach zu spielen. 1999 wurde er Weltmeister U 12, 2005 und 2013 chinesischer Meister, 2008 geteilter Sieger des 1. FIDE-Grand-Prix und 2010 Studentenweltmeister. 2014 gewann er mit der chinesischen Nationalmannschaft die Schach-Olympiade und damit das weltweit wichtigste Turnier für Nationalmannschaften. Seine beste ELO-Wertung betrug 2756 Punkte. Derzeit belegt er mit 2706 Punkten den 41. Rang in der FIDE-Weltranglis