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Bild: Jesús González Rebordinos

Denkmal des Monats Oktober 2017

Neuzugang in der Denkmalliste: Postgebäude am Friedrich-Ebert-Platz in Hörde

Nachricht vom 12.10.2017

Viele Hörder kennen das Postgebäude an der Ecke Hörder Semerteichstraße und Penningskamp so lange sie denken können. Neu ist, dass der imposante historische Bau unter Denkmalschutz steht. Die Denkmalbehörde der Stadt Dortmund hat das öffentliche Gebäude, das vom Wachstum der einstigen Stadt Hörde Anfang des 20. Jahrhunderts zeugt, jüngst in die Denkmalliste eingetragen.

alte Postgebäude in Hörde

Das über 100 Jahre alte Postgebäude in Hörde neben der Lutherkirche ist der jüngste Neuzugang der Dortmunder Denkmalliste. Hier das Baudenkmal vom Friedrich-Ebert-Platz aus gesehen.
Bild: Stadt Dortmund / Michael Holtkötter

Die Unterschutzstellung nehmen die städtischen Denkmalpfleger zum Anlass, den Neuzugang als "Denkmal des Monats Oktober 2017" vorzustellen.

Kaiserliches Postamt

Das Postwesen in Deutschland lag seit dem 16. Jahrhundert vor allem in der Hand der Familie Thurn und Taxis. Erst in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts bildeten sich in den einzelnen Ländern staatliche Postmonopole aus. Nach der Gründung des deutschen Kaiserreichs 1871 gingen diese auf die Deutsche Reichspost über. Die vorrangige Aufgabe der Post bestand lange in der Personenbeförderung. Dies änderte sich erst in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts mit dem Aufkommen der Eisenbahn. Innerörtliche "Kaiserliche Postämter" mit Schalterhallen lösten nun die alten Poststationen mit Beherbergungsbetrieb ab. Wie andere öffentliche Einrichtungen legte auch die Reichspost großen Wert auf entsprechende Repräsentation. In Hörde baute sie 1888 ein Gebäude am Brückenplatz, heute Platz an der Schlanken Mathilde. Im Rückgriff auf die norddeutsche Backsteingotik war es prachtvoll mit vielen Türmchen, Friesen, Spitzbögen und weiterem Zierrat ausgestattet.

Briefmarken und Telegramme

Wichtige Neuerungen wie die Einführung von Briefmarke und Postkarte führten zu stark an-wachsendem Briefverkehr. Innovative Techniken wie das Telegraphieren und Telefonieren brachten der Post weitere Aufgaben. Aufgrund der florierenden Wirtschaft weiteten sich Paketdienst und Postscheckwesen aus. So wurde bereits nach nicht einmal zwanzig Jahren das Kaiserliche Postamt von 1888 für Hörde zu klein. 1903 reichte die Oberpostdirektion Dortmund, die für die damals noch selbständige Stadt Hörde zuständig war, Pläne für einen Neubau ein. Im Vergleich zum alten Postamt war der vom Dortmunder Architekten Carl Bern verantwortete Bau wesentlich funktionaler gestaltet. Zwar verwendete Bern auch wieder Spitzbögen. Ansonsten lebt das Gebäude mehr durch gute Proportionen und den Gegensatz zwischen Backsteinflächen und an prominenten Stellen eingesetztem Naturstein. Im Inneren gab man sich sogar modern, wie das schwungvolle Treppengeländer im floralen Jugendstil zeigt.

Geistliche, kommunale und staatliche Obrigkeit

Als Bauplatz wählte man ein Grundstück direkt neben der 1888 errichteten Lutherkirche. Damit schloss sich eine weitere Lücke am Rathausplatz, dem heutigen Friedrich-Ebert-Platz. Dieser Platz übernahm so schrittweise die Funktion eines neuen städtischen Mittelpunktes. An der südlichen Platzseite stand das seit 1884 als Rathaus genutzte palaisartige ehemalige Wohnhaus der Witwe Hummelbeck. Auf derselben Platzseite baute die jüdische Gemeinde ab 1894 ihre Synagoge. Gegenüber stand die bereits 1864 - 1866 erbaute Victoriaschule, an die sich ab 1901 die Claraschule anschloss. Lutherkirche und Postgebäude sind heute die einzigen verbliebenen Zeugen, die noch die Entwicklung dieses neuen städtischen Zentrums bezeugen. Sie sind damit bedeutend für die Geschichte der Stadt Hörde, ein Grund für die Eintragung in die Denkmalliste.

Städtebauliche und architekturhistorische Gründe

Nach dem Denkmalschutzgesetz müssen aber auch Gründe für die Erhaltung eines Objektes vorliegen. Neben städtebaulichen sind dies vor allem architekturhistorische, zeigt das Gebäude doch deutlich die um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert stattfindende Abkehr von rein historistischer Bauweise zu einem tendenziell sachlicheren Baustil. Hinzu kommt der am Penningskamp gelegene qualitätvolle Erweiterungsbau von 1926, der mit spitzbogigen Fenstern im Hauptgeschoss Bezug auf den Bau von 1903 nimmt, im einzelnen aber damals moderne expressionistische Elemente einsetzt wie die bandartige Anlage des 2. Obergeschosses und die zu verschiedenartigen Mustern verbauten Ziegel in den Brüstungsfeldern. Der Erweiterungsbau schloss zudem eine Baulücke am Penningskamp, so dass sich nun ein zusammenhängendes Ensemble annähernd zeitgleicher Bauten bildete, das den weiteren städtebaulichen Ausbau der Hörder Innenstadt nach Westen dokumentiert.

In der Denkmalliste der Stadt Dortmund wurde der jüngste Neuzugang als 1058. Baudenkmal aufgenommen.