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Bild: Jesús González Rebordinos

Literaturpreis

Irakisch-kurdischer Autor Bachtyar Ali erhält Nelly-Sachs-Preis 2017

Nachricht vom 01.12.2017

In diesem Jahr geht der Nelly-Sachs-Preis am 10. Dezember an Bachtyar Ali. In der orientalischen Welt ist der Schriftsteller und Essayist – der Kunst als einzige Waffe gegen Grausamkeit bezeichnet – schon seit Jahren eine feste Größe. Nun hat er in Deutschland einen furiosen Durchbruch geschafft.

Autor Bachtyar Ali

Bachtyar Ali hat die Nachricht über die Preisvergabe erfreut entgegengenommen.
Bild: Autor Bachtyar Ali

Die Stadt Dortmund verleiht den mit 15.000 Euro dotierten Nelly-Sachs-Preis alle zwei Jahre an Personen mit einer herausragenden schöpferischen Leistung im Bereich Literatur bzw. geistiges Leben, die sich der Toleranz und einem friedlichen Zusammensein von Völkern verschrieben haben. Literaturkritiker Stefan Weidner, Mitglied der Nelly-Sachs-Jury, begründet die diesjährige Entscheidung damit, dass Bachtyar Alis Werk ein Manifest des Lebenswillens und der Poesie sei: "Unter Rückgriff auf Mythen und die Spiritualität des Orients, getragen von hohem moralischem Anspruch und großem Engagement, bricht der Autor eine Lanze für die Menschlichkeit."

Bachtyar Ali schreibt auf Sorani, der südöstlichen Variante des Kurdischen. Aus seinem umfangreichen Werk sind erst zwei Romane in deutscher Sprache erschienen, die begeistert von der Kritik aufgenommen wurden. "Die Stadt der weißen Musiker" und "Der letzte Granatapfel", erschienen im Unionsverlag, erinnern an die große orientalische Erzähltradition und schildern auf hochpoetische Weise eine unbekannte Welt: Das Schicksal der irakischen Kurden – brutal verfolgt und in inneren Auseinandersetzungen zerrissen.

Angesichts von Erfahrungen genozider Gewalt, Kriegen und Flucht ist Bachtyar Alis Werk ein Manifest des Lebenswillens und der Poesie

Jury-Mitglied und Schriftsteller Stefan Weidner

Preisverleihung am 10. Dezember

Bachtyar Ali wurde 1966 in Sulaimaniya (Nordirak) geboren. 1983 geriet er durch sein Engagement in den Studentenprotesten in Konflikt mit der Diktatur Saddam Husseins. Er brach sein Geologie-Studium ab, um sich der Poesie zu widmen. Sein erster Gedichtband "Gunah w Karnaval" (Sünde und Karneval) erschien 1992. Sein Gesamtwerk umfasst Romane, Gedichte und Essays. Seit Mitte der Neunzigerjahre lebt Bachtyar Ali in Deutschland.

Seine Texte weisen weit über die Kurdenthematik hinaus und schließen sich an das literarische Werk derjenigen Autorin an, in deren Namen er nun ausgezeichnet wird: Nelly Sachs.

Bachtyar Ali hat die Nachricht über die Preisvergabe erfreut entgegengenommen, und wird am 10. Dezember 2017 zu Gast in Dortmund sein.

Nelly-Sachs-Preis

Die Stadt Dortmund verleiht den Nelly-Sachs-Preis alle zwei Jahre an Persönlichkeiten, "welche herausragende schöpferische Leistungen auf dem Gebiet des literarischen und geistigen Lebens hervorbringen" und die "in ihrem Leben und Wirken geistige Toleranz, gegenseitigen Respekt und Versöhnung unter den Völkern und Kulturen verkünden und vorleben, die sich in einer globalisierten Gesellschaft für ein friedliches Zusammenleben und die Überwindung kultureller, ethnischer und religiöser Grenzen einsetzen."

Erste Preisträgerin war 1961 die Namensgeberin Nelly Sachs. Später ging der Preis u.a. an Nadine Gordimer (1985), Milan Kundera (1987), Christa Wolf (1999), Per Olov Enquist (2003) und Rafik Schami (2007), Abbas Khider (2013) und Marie N’Diaye (2015). Der Preis wird seit 2015 abwechselnd an männliche und weibliche Preisträger vergeben.