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Bild: Jesús González Rebordinos

Fußballmuseum

Holocaust Gedenktag 2018 - Erinnerung ist Zeichen des Respekts

Nachricht vom 29.01.2018

Anlässlich des Internationalen Holocaust-Gedenktages 2018 kamen am Sonntag, 28. Januar, rund 200 Interessierte zum Gedenken an die Opfer des nationalsozialistischen Völkermordes zusammen.

Holocaust-Gedenktag

Ein Tag des Nachdenkens im Deutschen Fußballmuseum
Bild: Dortmund-Agentur / Anja Kador

Die Gedenkfeier – organisiert von der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Dortmund gemeinsam mit der Stadt und dem Deutschen Fußballmuseum - ist fester Bestandteil der Erinnerungskultur der Stadt Dortmund. Erstmalig fand sie in diesem Jahr im Deutschen Fußballmuseum statt.

Museumsdirektor Manuel Neukirchner betonte: "Wir setzten uns intensiv mit der Aufarbeitung der NS- Geschichte im Fußball auseinander." So ist dem jüdischen Fußballer Julius Hirsch im Deutschen Fußballmuseum eine Dauerausstellung gewidmet.

Erinnerung an Nationalspieler Julius Hirsch

Vor 75 Jahren wurden mehrere hundert Juden und ihre Familien von Dortmund aus nach Auschwitz deportiert. In einem Koppelzug, der von Karlsruhe kommend über Trier durch das Ruhrgebiet führte und bereits 212 Menschen aus Württemberg, Baden und dem Rheinland aufgenommen hatte, befand sich auch der deutsche Fußballnationalspieler Julius Hirsch. Nachdem Hirsch eine Nacht im Sammellager "Börse" am Nordausgang des Hauptbahnhofs verbringen musste, wurde er mit anderen dort untergebrachten Juden zum Südbahnhof und – von dort – in Güterwaggons gepfercht – in den Osten Europas abtransportiert. Am 3. März 1943 kam der Zug in Auschwitz an. Viele der Deportierten wurden sofort vergast, unter ihnen höchstwahrscheinlich auch Julius Hirsch. Sein letztes Lebenszeichen ist eine in Dortmund abgestempelte Postkarte.

Tag des Nachdenkens

Ehrengast Jeremy Issacharoff, Botschafter des Staates Israel, sprach in seiner Rede – die er auf Englisch hielt – über einen sehr persönlichen Bezug. So stammte Saul Birnberg, Großvater seiner Ehefrau Laura und Fußballspieler, aus Dortmund. Er wurde von den Nazis ermordet.

Oberbürgermeister Ullrich Sierau betonte in seiner Ansprache: "Die Erinnerung an die sinnlosen Verbrechen der Nationalsozialisten ist unser Zeichen des Respekts gegenüber den Ermordeten und ihren Hinterbliebenen. Sie darf nicht verblassen. Für uns sind Gedenktage wie der heutige jedoch nicht nur Tage des Gedenkens, sondern immer auch des Nachdenkens. Des Nachdenkens darüber, wie es zur Machtergreifung der Nationalsozialisten mit all ihren schrecklichen Folgen kommen konnte. Und es gilt weiterzudenken, wie wir verhindern können, dass sich so etwas wiederholt."

Respekt, Toleranz, Fair Play, Teamgeist

Reinhard Grindel, Präsident des Deutschen Fußballbundes (DFB), unterstrich die große Integrationskraft, die dem Fußballsport inne wohne und mahnte: "Es erwächst für alle die Notwendigkeit, die Chancen, die sich daraus ergeben, wahrzunehmen." Respekt, Toleranz, Fair Play, Teamgeist – darauf komme es an. "Wir müssen uns vor jeden stellen, der wegen seiner Religion, seiner Herkunft oder seiner sexuellen Orientierung angefeindet wird", so Grindel.

Der DFB-Präsident erinnerte, dass jüdische Fußballspieler seinerzeit von den Vereinen ausgeschlossen wurden und es keinen konzertierten Widerstand innerhalb der Fußballvereine gab. "Die traurige Erkenntnis: Auch der Fußball hat versagt", bilanzierte Grindel. Als Zeichen gegen Diskriminierung erinnert der DFB mit dem Julius Hirsch Preis seit 2005 jährlich an den deutsch-jüdischen Fußball-Nationalspieler und an alle, insbesondere die jüdischen Opfer, des nationalsozialistischen Unrechtsstaates.

Erinnerung ist jeden Tag

Claudia Roth, Bundestagsvizepräsidentin, appellierte daran, Gesicht zu zeigen und das kollektive Gedächtnis zu erneuern: "Erinnerung ist nichts für Gedenktage allein, Erinnerung ist jeden Tag."

Den Festvortrag hielt Professor Dr. Moshe Zimmermann von der Hebräischen Universität Jerusalem. Er analysierte in seinem Beitrag die Beziehung zwischen Fußball, Antisemitismus und Shoa, die unter anderem dadurch gekennzeichnet war, dass Ursache und Wirkung bewusst verkehrt wurden. Zimmermanns Appell auch mit Blick auf aktuelle Entwicklungen: "Die Taktik des Täter-Opfer-Spießumdrehens dürfen wir nicht akzeptieren."

Anja Kador