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Wohnungsbau

Veranstaltungsreihe: Modernisierung von Wohnungen nur mit Mieterbeteiligung

Nachricht vom 08.03.2018

"Das Thema Wohnen bewegt uns in dieser Stadt". Dass dieses Statement von OB Sierau für diese Stadt gilt, zeigte sich bei der rund zweieinhalbstündigen Veranstaltung "Wohnungsbau für Dortmund – Modernisierung", die am 7. März im Rathaus stattfand.

Planungsdezernent Wilde setzt bei der Planung auf "Wohnraum für Alle."

Planungsdezernent Wilde setzt bei der Planung auf "Wohnraum für Alle."
Bild: Dortmund-Agentur / Gaye Suse Kromer

Rund 110 Teilnehmende, die sich aus der Wohnungswirtschaft, der Mieterschaft und Hauseigentümer, den Verbänden, der Politik und Experten der Stadtverwaltung zusammensetzten, konnten sich an diesem Abend über Modernisierungsstrategien und die Notwendigkeit von Aufwertungsmaßnahmen im Wohnbestand informieren und mitdiskutieren.

Wohnen ist auch soziales Wirtschaftsgut

Mit rund 320.000 Wohnungen ist der Bestand in Dortmund Zuhause für 601.780 Menschen, nannte der Oberbürgermeister die Zahlen. Deshalb sei es wichtig, über Modernisierung Wohnraum zu erhalten und neuen zu schaffen - gerade auch, weil Wohnraum immer knapper wird. "Denn wir wollen die Menschen hier halten", unterstrich Sierau. Dabei spiele einerseits das Thema Sozialverträglichkeit eine große Rolle: "Lassen Sie uns daran arbeiten, dass Modernisierung für alle Beteiligten eine Win-win-Situation ist." Genauso wie das Thema Nachhaltigkeit: Dabei setzt der Oberbürgermeister auf behutsame Stadterneuerung, mit der energetisch akzeptable Standards erreicht werden. Ihm sei wichtig, so der Oberbürgermeister, nicht so sehr auf Abriss zu setzen, sondern auf Modernisierung, ohne dass es für die Mieterinnen und Mieter zu starken Einschnitten kommt. "Wohnen ist immer auch ein soziales Wirtschaftsgut", so der Oberbürgermeister.

Zielwert: Drei Prozent Sanierungsquote

Planungsdezernent Ludger Wilde formulierte als Leitziel der Stadt Dortmund die "Schaffung von Wohnraum für alle". Er nannte die Herausforderungen: Dortmund sei eine wachsende Stadt mit rund 315.900 Privathaushalten – Tendenz steigend. Die aktuelle Wohnungs-Leerstandsquote liege aktuell bei 1,7 Prozent und werde tendenziell noch kleiner werden. "Das ist viel zu wenig", so Wilde, "die Menschen haben keine Wahlmöglichkeit mehr."

Die Fachleute diskutierten über Strategien bei Wohnungsmodernisierungen

Die Fachleute diskutierten über Strategien bei Wohnungsmodernisierungen
Bild: Dortmund-Agentur / Gaye Suse Kromer

Auch der Alterungsprozess der Dortmunder Bevölkerung setze sich fort, so dass es notwendig sei, seniorengerechten, barrierefreien Wohnraum zu schaffen. Nicht zuletzt sei energetische Modernisierung eine unverzichtbare Maßnahme zur Reduzierung der CO2-Emmissionen. "Unser Zielwert der Sanierungsquote liegt deshalb bei jährlich drei Prozent", formulierte Wilde seinen Anspruch.

Verbesserte Fördermöglichkeiten

Die Förderrichlinie BestandsInvest ist abgeschafft worden. Sie wurde durch die neue Förderrichtline "RL Mod" abgelöst. Das Ministerium für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr des Landes Nordrhein Westfalen stellt für dieses Programm 80 Millionen Euro zur Verfügung. Thomas Böhm, Amtsleiter des Amtes für Wohnen und Stadterneuerung, berichtete u.a. über die Verbesserungen der Konditionen und wies insbesondere auf die Besonderheit hin, dass zukünftig auch Instandsetzungsmaßnahmen gefördert werden können.

Mieter mitnehmen

Franz-Bernd Große-Wilde, Vorstandsvorsitzender des Spar- und Bauverein eG Dortmund, und Klaus Granicki, Geschäftsführer bei DOGEWO21, benannten als Vertreter zweier großer Dortmunder Wohnungsgesellschaften ihre Beispiele und Strategien der Modernisierung. Was beide Vertreter einte, war die aktive Einbindung der Bewohnerinnen und Bewohner im Vorfeld und während Modernisierungsmaßnahmen. "Wir haben als Genossenschaft das Ziel, unsere Mieter mitzunehmen und Auszüge zu verhindern." Diese Haltung spiegle sich auch in den Mietpreisen wieder, so Große-Wilde. Über das Prinzip der "freiwilligen Kappung", bleibt der Wohnraum auch nach größeren Modernsierungen weiterhin bezahlbar. Das heißt, das günstige Mietpreisniveau bei Spar- und Bau ist Ausdruck einer sehr moderaten Vorgehensweise bei der Mietpreisgestaltung.

Nicht gegen den Menschen modernisieren

Granicki setzte auf Mieterbeteiligung: "Gegen den Menschen zu modernisieren, macht keinen Sinn. Wir haben gute Erfahrung mit Mieterbeiräten gemacht." Der Anspruch von DOGEWO21 sei u. a. die Versorgung von Wohnraum für Menschen in jeder Lebensphase, die Stärkung von Nachbarschaften, die Mieten bezahlbar zu halten, und einen aktiven Beitrag zur Stadtentwicklung zu leisten.

Sicherung der Vermietbarkeit

Michael W. Mönig, Hauptgeschäftsführer der Haus & Grund Dortmund e. V., formulierte die Bedeutung der privaten Vermieter im Kontext der Veranstaltung. So seien 60 Prozent aller Mietwohnungen in privater Hand. Die Motivation für Modernisierungen privater Vermieter sei in erster Linie der Substanzerhalt und die Sicherung der Vermietbarkeit. "Privaten Vermietern geht es darum, ein gutes Verhältnis zum Mieter zu haben und keinen Stress. Man sucht die einvernehmliche Lösung." Private, die zu 90 Prozent mit Eigenkapital modernisieren und ohne Fördermittel, verzichteten eher auf den einen oder anderen Euro, wenn stattdessen der Mieter länger in der Wohnung bleibe, so Mönig. Sein Fazit: Der private Vermieter ist das Rückgrat der Wohnraummodernisierung.

Segen oder Fluch?

Rainer Stücker, Geschäftsführer des Mietervereins Dortmund und Umgebung e. V., gab der Mieterseite eine Stimme. Er stellte die Frage, ob Modernisierungen eher Segen oder Fluch seien und kritisierte, dass sich viele die Mieten nach solchen Maßnahmen nicht mehr leisten könnten. "Das bewegt die Mieter", so Stücker und forderte eine Mieterbeteiligung noch viel früher als die üblichen drei Monate. Auch stellte er ein "Baukastenprinzip" zur Diskussion, aus dem sich die Mieter das für sie akzeptable Modernisierungsmodul aussuchen könnten – und so wüssten, was auch in Sachen Mietpreiserhöhung im Anschluss auf sie zukäme. Ein Ansatz, den die Vertreter der Wohnungsunternehmen aus Gründen der nicht umsetzbaren Realisierbarkeit ablehnten.

Austausch ist wichtig

In der sich anschließenden Podiumsdiskussion ließ Moderator Kai Bandermann die Rolle der Stadt bewerten. Die Teilnehmenden waren sich einig, dass die Stadt eine aktiv, moderierende Rolle einnimmt. Große-Wilde brachte es auf den Punkt: "Wir sind alle in Kontakt und tauschen uns aus. Das ist ein ganz großes Plus – auch wenn wir nicht immer einer Meinung sind."

Planungsdezernent Wilde bilanzierte am Ende: "Das Ziel der Veranstaltung war zur Modernisierung von Wohnraum zu animieren. Denken Sie dabei den Mieter bitte immer mit."

Anja Kador