Dortmund überrascht. Dich.
Friedensplatz altes Stadthaus

Nachrichtenportal

Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Jesús González Rebordinos

Prävention

Todesfall in Dortmund-Hörde: Oberbürgermeister Ullrich Sierau informiert über verabredete Maßnahmen

Nachricht vom 23.03.2018

In der Nacht auf den 24. Februar 2018 ist in einem Parkhaus in Dortmund-Hörde ein 15-jähriges Mädchen ums Leben gekommen. Oberbürgermeister Ullrich Sierau hatte nach dem Vorfall seine tiefe Betroffenheit geäußert und intensive Beratungen der Fachbereiche und beteiligten Akteure über mögliche Maßnahmen im Stadtteil angekündigt. Inzwischen haben sich der Oberbürgermeister und die verschiedenen Institutionen beraten und Maßnahmen verabredet.

Oberbürgermeister Sierau - hier mit dem Hörder Bezirksbürgermeister Hillgeris (l.) und Jugenddezernentin Schneckenburger (r.) - informierte über verabredete Maßnahmen.

Oberbürgermeister Sierau - hier mit dem Hörder Bezirksbürgermeister Hillgeris (l.) und Jugenddezernentin Schneckenburger (r.) - informierte über verabredete Maßnahmen.
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dortmund-Agentur / Anja Kador

Die unterschiedlichen Institutionen haben mehrfach über die ordnungsrechtlichen, betreuerischen und baulichen Möglichkeiten beraten und gemeinsam die notwendigen Schritte verabredet.

"Klar ist: Eine solche aus der konkreten Situation geborene Tat hätte sich durch keine Maßnahme verhindern lassen können. Dennoch haben wir den Vorfall zum Anlass genommen, genau hinzuschauen, an welchen Stellschrauben wir drehen können, in Hörde und darüber hinaus", so Sierau. Denn die Tat hätte überall geschehen können – die am Vorfall beteiligten Jugendlichen und auch das zu Tode gekommene Mädchen kommen nicht aus Hörde.

Soforthilfe des Jugendamts vor Ort

Nach dem Vorfall war das Jugendamt über mehrere Tage mit einer Not- und Soforthilfe zwischen 10:00 und 20:00 Uhr vor Ort präsent, um die Situation zu beobachten, den Jugendlichen Gesprächsangebote zu machen und sie bei Bedarf an Beratungsstellen zu verweisen. In den vier Tagen hatten Fachkräfte der Kinder- und Jugendförderung und der Erziehungsberatungsstellen rund 300 Kontakte zu Jugendlichen, sprachen mit ihnen über das Geschehen und über Möglichkeiten der Trauerbewältigung. Darüber hinaus nahmen zahlreiche Jugendliche die Beratungsangebote in den Jugendhilfediensten, den Jugendfreizeitstätten oder Erziehungsberatungsstellen an. Aufgrund der Witterung wurde am Parkhaus ein Kleinbus mit heißen Getränken zum Aufwärmen bereitgestellt.

Das Jugendamt arbeitete vor Ort eng mit den Notfallseelsorgern zusammen. Die Gedenkfeier am 2. März begleitete das Jugendamt mit über zehn Fachkräften. Ab dem 3. März war das Jugendamt zwei Wochen lang immer wieder vor Ort aktiv, um die Situation zu beobachten Gesprächs- oder Beratungsangebote zu machen.

Maßnahmen für mehr Sicherheit

Der Tatort – ein Parkhaus am Hörder Bahnhof – hat sich offenbar zu einem verkehrsgünstig gelegenen Treffpunkt entwickelt, der Jugendliche aus der ganzen Stadt anzieht. Daher wurde in einem ersten Schritt mit dem Betreiber der Hochgarage vereinbart, die Zufahrt zum Parkdeck nach 22.30 Uhr zu schließen.

Kommunaler Ordnungsdienst und Polizei haben eine stärkere Präsenz an den öffentlichen Bereichen rund um den Bahnhof Hörde vereinbart. Zum subjektiven Sicherheitsgefühl gehört auch eine saubere Umgebung. Derzeit laufen dazu Gespräche zwischen Deutscher Bahn, DSW21 und EDG sowie anliegenden Gewerbetreibenden.

Mobile Jugendarbeit

Der Vorfall war Anlass, erfolgreiche Instrumente der Jugendarbeit wieder in den Blick zu nehmen. Dazu gehört die mobile Jugendarbeit unter dem Namen "Rampe" – das Projekt wird noch vor den Sommerferien fortgesetzt. "Rampe" war im Zuge des Projekts "Stadtumbau Hörde Zentrum" gestartet worden, weil Bürger sowie Gewerbetreibende über Jugendgruppen berichtet hatten, die durch Lärm, Vandalismus, Drogen- und Alkoholkonsum auffielen. Eine Evaluation ergab, dass Jugendkriminalität und Gewaltdelinquenz im Projektzeitraum deutlich zurückgegangen waren. Auch bei Bezirksvertretung, Ämtern und Kooperationspartnern erfuhr das Projekt Respekt und Anerkennung.

Im Projekt "Rampe II" werden Sozialarbeiter die Treffpunkte der Jugendlichen gezielt ansteuern und den Jugendlichen Gesprächs- und niederschwellige Freizeit-, Bewegungs- und Beratungsangebote machen. Gemeinsamen Aktivitäten sollen helfen, eine Beziehung zwischen den Jugendlichen und den Mitarbeitern aufzubauen. Dabei geht es neben dem Hörder Zentrum auch um die bei Jugendlichen beliebten Treffpunkte auf Phoenix West, am Phoenix See und am neu entstehenden "You Point". Bis zum Start von "Rampe II" sind die Jugendfreizeiteinrichtungen der Stadtbezirke Aplerbeck, Hörde und Hombruch verstärkt in der mobilen Jugendarbeit in Hörde tätig.

Angebote für Jugendliche in Hörde

Rund um den Phoenix See fehlt bislang ein Treffpunkt für Teens und ältere Jugendliche – die vorhandenen Spielplätze sind für Jüngere konzipiert. Daher entsteht bis November 2018 auf einer Fläche an der Brücke B 236 N der "You Point". Neben wetter- und sichtgeschützten Sitz- und Aufenthaltsmöglichkeiten bietet er die technische Ausstattung für Mediennutzung sowie für Sport und Freizeitaktivitäten. An der Planung und Konzeption waren Jugendliche beteiligt. Das Projekt wird über ein Landesprogramm mit 320.000 Euro gefördert. Der "You Point" soll mit den Angeboten der mobilen Jugendarbeit vernetzt werden.

Schwer erreichbare Jugendliche besser erreichen

Nicht alle Jugendlichen lassen sich durch klassische Instrumente der Jugendarbeit erreichen. Daher arbeiten das Jugendamt und die Schulverwaltung derzeit an Leitlinien und Vorgehensweisen, die die Zusammenarbeit klarer ausgestalten und letztlich verbessern. Bestehende Kooperationen und Vernetzungen der Akteure aus Schule, Schulsozialarbeit und Jugendhilfe sollen qualifiziert weiter entwickelt werden.

Weitere Zusammenarbeit der Akteure vor Ort

Die beteiligten Sicherheitsakteure treffen sich weiterhin regelmäßig, um ein gemeinsames Lagebild zu erstellen und nötige Maßnahmen abzustimmen. Auch der "Runde Tisch Hörde", der auf Einladung von Bezirksbürgermeister Sascha Hillgeris kurz vor der Tat zum letzten Mal zusammengekommen war, soll weiter bestehen und künftig in kürzeren Abständen tagen. Dazu gehören unter anderem Vertreter der Bezirksvertretung und städtischen Ämter, der Polizei und Bundespolizei, DSW 21 und der Deutsche Bahn AG.