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Bild: Jesús González Rebordinos

Jubiläum

Dortmund und Rostow am Don feiern 40 Jahre Städtepartnerschaft

Nachricht vom 04.05.2018

Unter dem Stern einer besonderen Städtefreundschaft stand in Dortmund der 4. Mai 2018, der Vortag zum großen Stadtfest "DORTBUNT!", mit dem die Stadt ihre vielfältigen Kontakte in die ganze Welt unterstreicht.

40 Jahre Städtepartnerschaft Rostow am Don

Oberbürgermeister Ullrich Sierau (rechts) lud zur Feierstunde 40 Jahre Städtepartnerschaft Rostow am Don und Dortmund ins Rathaus ein. In das Goldene Buch der Stadt Dortmund trugen sich Staatsministerin Michelle Müntefering, Botschafter Sergey Netschajew (links) und der Leiter der Stadtadministration Rostow am Don Vitaly Kurshnarew ein.
Bild: Dortmund-Agentur / Gaye Suse Kromer

Hochrangige Gäste der Dortmunder Partnerstädte Rostow am Don, Leeds, Netanya, Novi Sad, Buffalo und Amiens sind eingetroffen, um gemeinsam mit den Dortmundern und den Delegationen der Internationalen Jugendbegegnung feierlich die 40-jährige Städtepartnerschaft Dortmunds mit der Stadt Rostow am Don zu begehen – eine der ältesten, die Dortmund pflegt.

Oberbürgermeister Ullrich Sierau lud ins Rathaus zum feierlichen Empfang und zur Eintragung ins Goldene Buch der Freunde aus Rostow am Don. "Es ist uns ein wichtiges Anliegen, die Städtepartnerschaft zu pflegen und durch regelmäßige persönliche Kontakte zu stärken."

Am Donnerstag, 3. Mai, hatte Sierau die Jugendfußballmannschaft des FC Wellinghofen verabschiedet, die in Rostow am Jugendfußballturnier "Pokal der Freundschaft" teilnimmt, das dort im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft stattfindet. "Der Kontakt mit jungen Menschen aus anderen Städten, Ländern oder gar Kontinenten bietet ausgezeichnete Möglichkeiten, über den eigenen Tellerrand hinaus zu blicken. Denn schon in jungen Jahren werden hierdurch die Grundlagen für ein offenes und tolerantes Weltverständnis gelegt", so Sierau.

Räume für Begegnung

Als besonderer Gast der Feierstunde sprach Michelle Müntefering, Staatsministerin im Auswärtigen Amt, zu den Anwesenden. Sie würdigte die Wichtigkeit von Städtepartnerschaften im Allgemeinen, denn sie eröffneten Räume für die Begegnung zwischen Menschen. "Das ist Außenpolitik von unten im besten Sinne. Das müssen wir auch weiter fördern", so Müntefering.

Der russische Botschafter Sergej Netschajew betonte die Bedeutung der Städtepartnerschaft: "Das Vertrauen und die Zusammenarbeit zwischen Rostow und Dortmund hat einen selbstständigen Wert. Das positiv Erreichte müssen wir bewahren."

Vitaly Kushnarev, Leiter der Stadtadministration von Rostow am Don, gab viele gute Beispiele aus der Praxis, die durch die Städtepartnerschaft zustande gekommen sind, sei es bei der Weiterbildung von russischen Chirurgen, der Mülltrennung oder im Bereich der Kultur. Ins Goldene Buch der Stadt schrieb er. "Möge die Freundschaft zwischen Rostow am Don und Dortmund ein Beispiel für die Freundschaft für verschiedene Länder sein."

Neues Zentrum für russisch-deutschen Austausch

Ihre Partnerschaft bekräftigten Dortmund und Rostow am Don mit einer gemeinsamen Erklärung über die Initiierung eines "Zentrums für russisch-deutschen Austausch". Das Kulturbüro der Stadt Dortmund hatte die Initiative zur Schaffung des Zentrums ergriffen und mit Unterstützung der Auslandsgesellschaft umsetzen können. Das bundesweit erste Zentrum dieser Art soll zur Intensivierung der Städtepartnerschaft beitragen. "Diese Vereinbarung ist ein weiteres Zeichen dafür, dass wir unsere Verantwortung für die Förderung eines friedlichen Zusammenlebens unserer Völker wahrnehmen", bekräftigte der Oberbürgermeister. Besonders lobte Sierau auch die aktuelle Initiative der Anne-Frank-Gesamtschule, eine Schulpartnerschaft in Rostow am Don aufzubauen.

Nashorn beflügelt die Freundschaft

Am Anschluss an die Feierstunde im Rathaus stand die Enthüllung des "Dortmund/Rostow-Rhinos" im Deutschen Fußballmuseum auf dem Programm. Das geflügelte Nashorn – inoffizielles Wappentier der Stadt Dortmund – könne sowohl gut hören, stehe fest auf dem Boden und könne fliegen, so Sierau. "Es beflügelt unsere Freundschaft und Kooperation und eignet sich also in ganz hervorragender Art und Weise als sichtbares Zeichen der Freundschaft zwischen unseren beiden Städten."

Oberbürgermeister Ullrich Sierau und Vitaly Kurshnarew, Leiter der Stadtadministration Rostow am Don, enthüllten das Rostow-Nashorn.

Oberbürgermeister Ullrich Sierau (r.) und Vitaly Kurshnarew, Leiter der Stadtadministration Rostow am Don, enthüllten das Dortmund/Rostow-Nashorn.
Bild: Dortmund-Agentur / Anja Kador

Geschichte einer besonderen Städtepartnerschaft

Die Städtepartnerschaft zwischen Dortmund und der südrussischen Stadt Rostow am Don ist seit ihrem Entstehen vor 40 Jahren durch den persönlichen Kontakt zwischen den Rostowern und Dortmundern geprägt. Mit der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland wird nun ein neues Kapitel in dieser einmaligen Geschichte geschrieben.

Seit der Dortmunder Stadtrat am 4. Juli 1977 die Städtepartnerschaft mit Rostow am Don beschloss und die Stadt Rostow diese in einer offiziellen Erklärung am 23. Januar 1978 besiegelte, besteht ein reger Austausch zwischen den Städten, der nicht nur die Bereiche der Wirtschaft und Kommunalpolitik umfasst. Bereits während des Ost-West-Konfliktes deutete sich diese besondere Partnerschaft an, die bis heute durch Verbände, Vereine, Kirchen, Künstler, Schulen und Hochschulen getragen wird.

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Am 28. Februar 1978 war der damalige Rostower Oberbürgermeister Schelnin (l.) zu Gast in Dortmund. Hier hält er zusammen mit dem damaligen Dortmunder Oberbürgermeister Günter Samtlebe eine Tafel mit der Aufschrift "Gorod Rostow na Donu", also "Stadt Rostow am Don", in den Händen.
Bild: Stadtarchiv

Durch die humanitäre Krise, die im Zuge des Zusammenbruchs der Sowjetunion entstand, intensivierte sich die Zusammenarbeit dann ein weiteres Mal: Dortmunder organisierten über Jahre hinweg eine Hilfs-Aktion für die Stadt am Don. Auf Initiative der Jazzband "Pilspicker" findet daher seit 1994 jährlich ein Jazzkonzert im Rathaus Dortmund statt. Die hier zusammen getragenen Spenden gehen direkt an die Kinderkrebs-Station der Gebietskinderklinik in Rostow am Don. Neben diesen humanitären Initiativen entstanden in den 1990er-Jahren weitere institutionelle Partnerschaften, wie die seit 1992 währende Partnerschaft zwischen der Industrie- und Handelskammer, aber auch zahlreiche durch kulturelle und sportliche Vereinsarbeit geprägte Projekte.

Rostow: "Tor zum Kaukasus" und WM-Stadt 2018

Rostow am Don wird auch das "Tor zum Kaukasus" genannt und ist mit seinen 1.15 Millionen Einwohner nicht nur die zehntgrößte Stadt Russlands. Sie trägt im Rahmen der diesjährigen Fußball-WM insgesamt fünf Partien der Vorrunde und des Achtelfinales aus. Zentraler Anlaufpunkt für die Fans aus aller Welt wird der Platz vor dem Gorki Theater sein. Hier werden fast alle WM-Spiele live auf riesigen Video-Wände übertragen.

Rostow ist eine Sportstadt – aber dies gilt nicht erst seit der WM in diesem Jahr oder dem sensationellen Sieg des hiesigen FK Rostow gegen den FC Bayern München in der Champions-League-Saison 2016/17. Die Stadt blickt auf eine stolze Tradition von Olympiasiegern und Europameistern aus den unterschiedlichsten Disziplinen zurück. Nationales und internationales Aushängeschild Rostows sind die überragenden Handballerinnen des GK Rostow. Das Team besiegte 2017 den Deutschen Meister Bietigheim im Finale der Handball-Champions-League. Ausgangspunkt für diese Erfolge ist der Olympiastützpunkt der Don-Region. Die in Rostow seit gut 45 Jahren angesiedelte Sportschule ist die größte Talentschmiede Süd-Russlands. Aus dem Sportzentrum gingen bereits 20 Olympiasieger hervor - darunter die Synchronschwimmerin Wlada Tschigirjow, die 2016 in Rio mit ihrer Partnerin ganz oben auf dem olympischen Treppchen stand.

Die Städtepartnerschaft zwischen Rostow am Don und Dortmund - das ist ein Stück Zeitgeschichte und der Beweis für die Wichtigkeit von Städtepartnerschaften. Sie übersetzen die internationalen Beziehungen abseits der Konflikte der 'großen Politik' in persönliche Beziehungen und bilden so zugleich die Basis für eine gemeinsame Zukunft.

Anja Kador / Patrick Zemke