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Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Jesús González Rebordinos

Wohnungslosigkeit

Stadt und Partner bieten Obdachlosen umfangreiche Hilfen an

Nachricht vom 21.11.2018

In Dortmund wird, wie in anderen großen Städten, Obdachlosigkeit in der Öffentlichkeit deutlicher wahrgenommen als in der Vergangenheit. In der kalten Jahreszeit mehren sich zudem die Anfragen der Bürger, welche Hilfen die Stadt obdachlosen Menschen in Dortmund bietet.

Die Stadt Dortmund bietet gemeinsam mit zahlreichen Netzwerk-Partnern umfangreiche Angebote für Obdachlose und für Menschen, die bereits wohnungslos sind oder denen Wohnungslosigkeit droht. Generell hat die Stadt Dortmund eine "Unterbringungspflicht" für, so die gesetzliche Definition, unfreiwillig obdachlos gewordene Menschen oder solche, die sich nicht aus eigener Kraft aus ihrer Lebenslage befreien können. In Dortmund wird niemand, der um einen Schlafplatz bittet, ohne Hilfsangebot abgewiesen - unabhängig von der Jahreszeit oder den Wetterbedingungen.

In Dortmund muss niemand ohne Dach über dem Kopf schlafen

Stadt Dortmund

Die Verwaltung hat zuletzt - in der Federführung des Sozialamtes - intensiv das bestehende und gut vernetzte Versorgungssystem einem konsequenten Check unterzogen. Alle Akteure des Netzwerks, vor allem auch die nichtstädtischen Profis und ehrenamtlich aktiven Träger, Initiativen und Vereine haben sich in vielen Diskussionen auf einen neuen Weg geeinigt. Ergebnis: Es wurden bereits bestehende Angebote bedarfsgerecht verändert, neue und differenzierte Maßnahmen entworfen und abgestimmt. Auch die Betroffenen wurden einbezogen.

Mehr Platz in Notschlafstellen

Die etablierten Notunterbringungseinrichtungen MÜS (Männerübernachtungsstelle) und FÜS (Frauenübernachtungsstelle) werden zurzeit zu Clearingsstellen weiterentwickelt. Sie konzentrieren sich auf ihre ursprünglichen Funktionen als kurzfristige Notschlafstellen. Kurzfristige Notschlafstellen bedeutet: Obdachlose Menschen können sich zukünftig nicht mehr dauerhaft oder über einen längeren Zeitraum in den Einrichtungen aufhalten. Bei Bedarf werden andere Angebote gemacht. Neben der Betreuung durch den jeweiligen Einrichtungsbetreiber beraten in den Notschlafstellen städtische Sozialarbeiter über Hilfen zur Überwindung sozialer Schwierigkeiten und leiten diese Hilfen ein. Die maximalen Platzkapazitäten werden auf 70 (MÜS) und 50 (FÜS) erweitert.

Individuelle Hilfen für jede Notlage

Langjährig obdachlose Menschen, die auf dem allgemeinen Wohnungsmarkt keine Chancen haben, und keine qualifizierten Hilfen annehmen wollen, jedoch Verabredungen und Absprachen einzuhalten bereit sind, werden dauerhaft in geeigneten Wohnungen ordnungsrechtlich untergebracht. In diesen Wohnungen des "Wohnraumvorhalteprogramms WVP Plus" gibt es bis zu 70 zusätzliche Plätze, die über das gesamte Stadtgebiet verteilt sind.

Neben ordnungsrechtlichen Unterbringungsformen planen der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) und die Stadt die Einrichtung eines niederschwelligen ambulanten Wohnangebotes mit 20 Plätzen "Pension plus". Dieses Angebot soll Menschen mit multiplen Problemlagen zugute kommen, die sich auf zunächst niederschwellige persönliche Hilfen einlassen und anschließend weiterführende Hilfsangebote erhalten. Ziel ist der perspektivische Wechsel in den allgemeinen Wohnungsmarkt.

Geplant sind zudem zwei weitere, zielgruppengerechte Übernachtungsstellen. Die Gruppe der wohnungslosen Drogenabhängigen sowie die Gruppe der jungen wohnungslosen Erwachsenen sollen speziell auf ihre Problemlagen ausgerichtete Unterstützung finden. Um hierfür geeignete Betreiber zu finden, sind Ausschreibungsverfahren in Vorbereitung und sollen Anfang 2019 durchgeführt werden.

Zusätzliche Services durch städtische Unterstützung

Neben der Weiterentwicklung des Systems der Unterbringung sind zusätzliche Verbesserungen umgesetzt worden oder geplant.

So fördert die Stadt das "Gast-Haus" in der Rheinischen Straße 22, damit dessen Öffnungszeiten ausgeweitet werden konnten. Im Gast-Haus erhalten Wohnungslose konkrete persönliche Hilfen (Beratung, Freizeitangebote) sowie praktische Hilfen (Mahlzeiten, Gelegenheiten zum Duschen und Waschen von Wäsche).

Eine städtische Sozialarbeiterin unterstützt die Beratung vor Ort an drei Tagen in der Woche.

Weitere Tagestreffpunkte für Obdachlose sind die "Bahnhofsmission Dortmund", Königswall 15, sowie der zur Zentralen Beratungsstelle des Diakonischen Werkes gehörende "Brückentreff" in der Kesselstraße 50. Auf Basis der finanziellen Förderung durch die Stadt hat der Brückentreff in diesem Jahr seine Öffnungszeiten insbesondere an den Wochenenden in den Abendstunden erheblich erweitert.

Essenausgabestellen gibt es in sechs Einrichtungen der Dortmunder Tafel e.V.. Mahlzeiten bieten außerdem KANA – Dortmunder Suppenküche e.V., die "Franziskaner", der "Brückentreff" sowie das "Gast-Haus" an.

Straßensozialarbeiter helfen jungen Wohnungslosen

Das Jugendamt hat für junge wohnungslose Menschen Straßensozialarbeiter im Einsatz. Die Arbeit des Fachdienstes Streetwork besteht aus einer Kombination von Kontaktaufnahme und Kontaktpflege auf der Straße und Hilfen in der "Beratungs- und Überlebenshilfeeinrichtung" in der Leopoldstraße 22. Ziel ist es, den Zugang zum Hilfesystem zu ermöglichen, Zugangshemmnisse abzubauen und dadurch die Lebenssituation des Betroffenen zu verbessern und zu festigen.

Das Angebot für Jugendliche wird ergänzt durch das "Sleep In Stellwerk" - eine Notschlafstelle mit 10 Plätzen für Mädchen und Jungen zwischen 14 und 18 Jahren in Trägerschaft des Verbundes Sozialtherapeutischer Einrichtungen NRW e.V. (VSE).

Präventive Hilfe

Das Sozialamt hilft im Sinne der Prävention auch bei drohendem Verlust der Wohnung, zum Beispiel im Falle einer fristlosen Kündigung oder einer Räumungsklage.

Ordnungsamt kontrolliert Wohnungslose im Fall von Beschwerden

Das Ordnungsamt ist nach der "Ordnungsbehördlichen Verordnung über die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung in der Stadt Dortmund" (kurz: OBVO) zum Schutz von Straßen und Anlagen verpflichtet. Nach der OBVO ist es untersagt, auf Straßen und in Anlagen auf hierfür nicht besonders freigegebenen Flächen zu lagern, zu campieren oder zu übernachten. Das Ordnungsamt setzt keinen Schwerpunkt auf die Kontrolle und Überwachung dieser Vorschrift.

Obdachlose werden kontrolliert, wenn beim Ordnungsamt Beschwerden eingehen, beispielsweise von Anwohnern oder Ladenbesitzern. Zudem überprüfen die Mitarbeiter des Ordnungsamtes während der Streifengänge Orte, die wiederholt Gegenstand von Beschwerden sind. Bei Überprüfungen von Obdachlosen stellt das Ordnungsamt oftmals auch Ordnungswidrigkeiten wie z. B. Verunreinigungen des Umfeldes, Müllablagerungen oder Urinieren fest. Aus rechtlicher Sicht kann das Ordnungsamt in solchen Fällen Maßnahmen von der Belehrung bzw. Verwarnung bis zur Ordnungswidrigkeitsanzeige oder einem Platzverweis treffen. Ein Bußgeld verhängt das Ordnungsamt nur, wenn eine Person zum wiederholten Male durch eine Missachtung der Vorschriften auffällt.