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Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Jesús González Rebordinos

Denkmal des Monats Februar 2019

Neoklassizistische Dorstfelder Villa ist Denkmal des Monats Februar

Nachricht vom 01.02.2019

Kurz vor Weihnachten hingen an der Wittener Straße 16 im Obergeschoss wieder Fensterläden. Die mehrjährige Sanierung war abgeschlossen – Anlass für die Denkmalbehörde Dortmund, dieses Objekt als Denkmal des Monats Februar 2019 vorzustellen.

Neoklassizistische Dorstfelder Villa

Neoklassizistische Dorstfelder Villa
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Michael Holtkötter

Arztvilla in aufstrebendem Industrieort

Immer mehr Menschen zog es seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu den Industriearbeitsplätzen nach Dorstfeld. Neue Infrastrukturen waren nötig, und dazu gehörte neben Kirchen und Geschäften auch die ärztliche Versorgung. An der Wittener Straße, nahe des Dorstfelder Marktes, ließ sich 1910 ein Arzt nieder. Er baute eine geräumige Villa, in deren Souterrain die Praxisräume Platz fanden. Daneben gab es eine Remise für ein Pferd und die Kutsche. „Aber das Pferd wurde nach dem Ersten Weltkrieg nicht wieder angeschafft. Dann kaufte mein Großvater ein Auto“, weiß der jetzige Bewohner des Hauses, und weiter: „Mein Großvater hat das Haus als repräsentative Villa erbauen lassen: schöne hohe Räume mit viel Stuck und Holz. Es lebt sich hier wunderbar.“

Pläne eines renommierten Architekturbüros

Die Pläne für die repräsentative Villa lieferte das Dortmunder Architekturbüro D & K Schulze, das die Brüder Dietrich und Karl seit 1902 unter diesem Namen betrieben. Im Laufe der Zeit stieg es zu einem der bekanntesten Dortmunder Architekturbüros auf. Zunächst bediente es vor allem Bauherren, die Wohnhäuser für sich selbst erbauen ließen. Anklänge an das Landhaus sowie an Jugend- und Heimatstil schufen einerseits bürgerlichen Komfort und Behaglichkeit, andererseits kam der Wunsch nach standesgemäßem Auftritt nicht zu kurz. In späteren Jahren erhielten die Architekten mehr und mehr Aufträge für öffentliche Großgebäude, von denen einige noch heute erhalten sind, zum Beispiel das Verwaltungsgebäude für die ehemalige Deutsch-Luxemburger Bergwerks AG (später Union) an der Rheinischen Straße, die Gestaltung des Mengeder Markts mit Saalbau und Schule oder das Theodor-Fliedner-Altersheim an der Wittekindstraße.

Abschied von Wilhelminischer Pracht

Beim 1910 gebauten Wohnhaus mit Praxis tauchen die bis dahin häufig verwendeten Gestaltungselemente aus dem Landhausbau, dem Jugend- und dem Heimatstil nicht mehr auf. In dieser Phase wandten sich D & K Schulze dem Neoklassizismus zu. „Gut zu erkennen ist dies an der strengen Symmetrie der Hauptfassade zur Wittener Straße", erklärt Dr. Henriette Brink-Kloke, Leiterin der Unteren Denkmalbehörde: Nur noch wenige, kaum aus der Wand hervortretende senkrechte Elemente, sogenannte Lisenen, dienen der Gliederung, vor allem beim Vorbau in der Mitte. Ornamente sucht man vergebens. Umso wichtiger ist bei diesem Verzicht auf plastischen Bauschmuck die Gestaltung der Fenster. So tragen die kleinteiligen Sprossen in den Oberlichtfenstern zur Lebendigkeit der Fassade bei. Rautenförmige Sprossen im Obergeschoss betonen noch einmal die Mittelachse des Gebäudes. Auch die Fensterläden im Obergeschoss bilden nicht nur ein funktionales, sondern auch ein zierendes Element, ebenso wie die schönen Gitter am seitlichen Eingangsbereich.

Wiederbelebung

Der Einbau von gröberen Kunststofffenstern in den 1970er Jahren störte das Zusammenspiel von schlichter und dabei edler Wandgliederung und lebhaft geteilten Fenstern. Die Begrünung mit Efeu tat ein Übriges. Nachdem das Objekt 1983 unter Denkmalschutz gestellt worden war, bemühten sich seine Eigentümer, sein ursprüngliches Aussehen wiederherzustellen und zu erhalten. Schon 1987 ließ man das Dach denkmalgerecht mit Tonziegeln erneuern. Vor rund fünf Jahren begann man dann mit dem Austausch der Kunststofffenster durch Holzfenster. Diese zeigen wieder das alte „Sprossenspiel“. 2018 ließ man die Fassade säubern und neu anstreichen. „Die Malerfirma aus Bochum hat sich Mühe gegeben, alle Reste des Efeus zu entfernen, das sich an der Fassade festgekrallt hatte. Teilweise mussten sie mühsam mit der Hand und einem Spachtel arbeiten“, so der Eigentümer.

Letzter Akt war die Aufhängung der Fensterläden im Obergeschoss. Das Erdgeschoss war übrigens schon 1910 mit Holz-Rolläden versehen, die bis heute ihren Dienst tun. Kommentar des Eigentümers: „Ich bin froh, dass wir das Haus wieder in diesen Zustand gebracht haben. So kann es später von der vierten Generation meiner Familie übernommen werden.“

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