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Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Jesús González Rebordinos

Ballett

Neue Tanzproduktion "Visionen" vereint drei Choreografien in einer Inszenierung

Nachricht vom 21.02.2019

"Kintsukuroi" von der niederländischen Choreographin Wubkje Kuindersma und "She wore red" des britischen Choreographen Douglas Lee werden zum ersten Mal überhaupt im neuen Tanzstück "Visionen" am Samstag, 9. März 2019, um 19:30 Uhr, im Dortmund Opernhaus zu sehen sein.

Dustin True und Clara Sorzano Hernandez in "VISIONEN"

Dustin True und Clara Sorzano Hernandez in "VISIONEN"
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Bettina Stöß

Ballettdirektor Xin Peng Wang hat diese zwei Stücke gemeinsam mit Jacopo Godanis "Moto Perpetuo" zu einem packenden Abend neuer Tanzkunst zusammengefasst. Im vergangenen Jahrzehnt hat sich das Ballett Dortmund international einen Namen gemacht: Seine Markenzeichen sind Qualität und Innovation. Neben der klassischen Ballettkunst gehört der Blick in die künstlerische Zukunft des Tanzes in der Ruhr-Metropole längst zum kulturellen Standard.

Keiner der drei ist unbekannt in der Ruhr-Metropole. 2013 beeindruckte der junge Brite Douglas Lee mit einer geheimnisvollen Kreation, die das Ballett Dortmund zum vital-energetischen Leuchten brachte. Geboren in London, absolvierte er seine Ausbildung an der Royal Ballet School, der Kaderschmiede der britischen Tanzszene. Mit 19 Jahren bereits wurde er an das Stuttgart Ballett engagiert, wo er binnen eines Jahres zum Solisten aufstieg. Beinahe gleichzeitig begann er seine choreographische Tätigkeit. Mittlerweile zählen seine oftmals sehr geheimnisvollen, mentale Grenzen auslotenden Kreationen zum Standardrepertoire namhafter Compagnien auf der ganzen Welt. Das New York City Ballet, das Norwegian National Ballet, die Ensembles von Augsburg, Mainz, Zürich und Nürnberg erteilten ihm Aufträge. Und auch seine aktuelle Schöpfung für Dortmund ist ein Auftrag des Ballett Dortmund. In "She wore red" nimmt sich Lee des Themas von Rotkäppchen an. Allerdings weicht bei Lee das Märchenhafte der schonungslosen Erzählung einer harten brutalen Welt, in der der Kampf ums Überleben zur Parabel für menschliches Zusammenleben ist.

Jacopo Godani, bekannt durch seine enge Zusammenarbeit mit dem Tanz-Visionär William Forsythe, ist Leiter der aufsehenerregenden Dresden-Frankfurt-Dance-Company, die die vielschichtige Gedankenwelt seines Mentors fortsetzt. Mit "Versus Standard", getanzter Furor pur, hat Godani einen bleibenden Eindruck in Dortmund hinterlassen. Mit der Dortmunder Erstaufführung von "Moto Perpetuo" setzt er nach, eine packende Choreografie mit frappierender neoklassischer Grundsubstanz, die zulässt, dass sich klassische Balletttechnik zu einer heutigen künstlerischen Positionierung entwickelt. Mit physischer Intensität, Reichtum an Bewegung und der Forderung nach sensitiver und dabei gleichzeitig mathematischer Präzision, stellt die Kreation hohe Anforderung an die Tänzer.

Wubkje Kuindersma ist künstlerisch an der Rotterdam Dance Academy "aufgewachsen” und durch Engagements am Danish Dance Theatre, dem Gulbenkian Ballet, Random Dance, Djazzex und am Nürnberger Ballett in der internationalen Tanzszene etabliert. Erstmals stellte sie sich 2017 bei einer Ballettgala in Dortmund mit einem künstlerischen Drahtseilakt zwischen Brillanz, Bravour und Poesie vor. Kuindersma ist eine Ausnahmekünstlerin, die in vielen ihrer Arbeiten den Tanz als Transmitter von mentalen und kulturellen Aggregatszuständen erlebbar macht. In KINTSUKUROI stellt die Holländerin Kuindersma die Frage nach der Wertigkeit menschlichen Seins. Inspiriert von der japanischen Art, zerbrochene Keramik nicht zu entsorgen, sondern dieses mit Gold zu kitten und damit den Wert sogar noch zu steigern, überträgt Kuindersma diese Technik auf den menschlichen Körper und das menschliche Sein.

Die Wertschätzung der Fehlerhaftigkeit steht dabei im Zentrum und durch die Goldverbindung wird der ursprüngliche Makel nicht nur hervorgehoben, sondern in das Gegenteil gekehrt. Was Makel war, steigert "Kintsukuroi" zu einem persönlichen und individuellen Wert. Kuindersma findet ihre eigene Tanzsprache, um vermeintliche körperliche Schäden und Wunden als einen Weg darzustellen, das eigene Ich stärker zu erfassen und sichtbar zu machen. Negative Erfahrungen sind nicht dazu angetan, den Menschen zu brechen, sondern sind existenzieller Bestandteil des eigenen Seins. Kuindersma kombiniert dabei unterschiedliche Tanz- und Bewegungssprachen, und zielt auf die individuelle Kreativität der einzelnen Tänzerinnen und Tänzer ab. Somit wird in "Kintsukuroi" jeder Tänzer und jede Bewegung einzigartig und vermittelt einen ganz eigenen Eindruck persönlicher Schönheit.

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