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Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Jesús González Rebordinos

Tiny Houses

Stadt entwickelt großartige Ideen für die kleine Wohnform

Nachricht vom 28.02.2019

Heute schon über alternative Wohnformen nachgedacht? Mit der Kampagne "Tiny Einfamilienhäuser" bringt die Stadt Dortmund ein neues städtebauliches Format auf den Weg. Das Projekt überzeugte auch den Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE).

Tiny Einfamilienhaus

Zu sehen ist das Musterhaus von greenspaces+ in der Rosemeyer Straße 12. Die Wohnfläche beträgt 40qm.
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): F. Linden

Damit lenken die Projektverantwortlichen den Traum vom klassischen Einfamilienhaus in eine völlig andere Richtung und brechen radikal mit den Wohngewohnheiten und der Alltagspraxis von "immer mehr und größer".

Dortmund hat sich nicht zuletzt durch die Kampagne "100-Energie-Plus-Häuser" als attraktiver Wohnstandort etabliert. Die Nachfrage nach Grundstücken mit entsprechender Wohnfläche ist unverändert hoch. "Doch das wirft Probleme auf", steigt Gerald Kampert, zuständiger Projektleiter beim Stadtplanungs- und Bauordnungsamt, ohne Umschweife ins Thema ein: Versiegelung der Böden, steigende Grundstückspreise, wachsender Energiebedarf, massiver Rohstoffverbrauch. Mit der Kampagne "Tiny Einfamilienhäuser" geht die Stadt deshalb in die Gegenoffensive. "Wir müssen Konzepte für ressourcenschonendes, gutes und bezahlbares Bauen liefern und für die Umsetzung sorgen." Denn der Wohnungsmarkt hat sich trotz aller Mühen in Dortmund nicht wirklich entspannt, unter anderem weil die Wohnflächenansprüche jedes Einzelnen immer weiter steigen.

Wesentliche Aspekte des Zusammenlebens

Die Kampagne knüpft an die aktuell sehr populäre Bewegung der Tiny Houses an. Das sind kleine, mobile Häuser auf Rädern mit etwa 20 qm Wohnfläche. Diese Bewegung ist auch geprägt von dem Gedanken des Minimalismus, mit dem Ziel mit weniger Dingen auszukommen und sich auf wesentlichere Aspekte des Zusammenlebens zu konzentrieren.

Die Idee ist so simpel wie genial: Tiny (englisch = winzig) oder kleine Einfamilienhäuser sind freistehend und haben nur eine Wohnfläche von 40 – 100 qm. Damit sind sie deutlich kleiner als die üblichen Einfamilienhäuser mit durchschnittlich 150 qm Wohnfläche. Aber: Kleinere Häuser sind entsprechend preiswerter und insgesamt nachhaltiger, weil sie auf kleineren Grundstücken stehen und weniger Ressourcen beim Bau und beim Betrieb benötigen. Und sie leisten damit einen weiteren Beitrag zu den Dortmunder Klimaschutzzielen aus dem Handlungsprogramm 2020.

Die neue Kampagne richtet sich an Menschen, die in einem freistehenden Einfamilienhaus wohnen möchten und sich - das klingt paradox - größere persönliche Freiheiten bei einer hohen Wohnqualität von einem "Tiny House" versprechen. "Wir wollen aber auch zum Nachdenken über den persönlichen Lebensstil anregen und mit klassischen Denk- und Handlungsmustern brechen", so Kampert weiter.

Zentrale Fragen sind:

  • Wie viel Platz brauche ich zum Wohnen?
  • Ist ein Leben ohne Keller möglich?
  • Wieviel Geld und Zeit kann ich bei der Bewirtschaftung von "Haus und Hof" sparen, ohne auf Komfort zu verzichten?
  • Ist die Gleichung "weniger = mehr" auch auf Einfamilienhäuser übertragbar?
  • Oder konkret: bedeutet weniger Wohnfläche = mehr Lebensqualität?

Kurzum: Wieviel Platz brauchst Du eigentlich für Dein Lebensglück?

Ziel im Laufe des Jahres ist der Aufbau eines Netzwerkes

Gerald Kampert

Das Forum "StadtBauKultur" Dortmund beschäftigte sich in einer Expertenrunde am 25. Februar 2019 mit dem alternativen Wohnkonzept. "Die Veranstaltung mit weit über 160 interessierten Teilnehmer hat gezeigt, dass schon sehr viele Menschen in Dortmund unterwegs sind und konkret nach neuen, innovativen Wohnformen suchen", sagt Gerald Kampert. Information alleine reichte den Teilnehmern nicht. Sie stellten Fragen wie: Gibt es ein konkretes Flächenangebot für Tiny Houses in Dortmund? Wo könnten Flächen entwickelt werden? Wer bietet Tiny Houses an?

Gerald Kampert bremst die Erwartungen: "Die Umsetzung ist der zweite Schritt, über den wir natürlich auch schon während der Kampagne nachdenken. So schnell lassen sich aber keine Antworten finden. Wir kennen den Bedarf für Dortmund noch nicht und wissen nicht, wie groß oder speziell die Nachfrage ist." Danach richtet sich unter anderem das Flächenangebot.

Denkbar sind unterschiedlichste alternative Wohnmodelle. Gerald Kampert zählt auf:

  • Stellplätze mobile Tiny Houses auf temporären Brachflächen,
  • Tiny Village mit kleinen Einfamilienhäusern,
  • ein CO-BEING-HOUSE mit sogenannten Cluster-Wohnungen,
  • eine Experimentiersiedlung mit Tiny Musterhäusern aller Art zum Forschen und Probewohnen,
  • eine Mischung aus allem.

Wer bietet Tiny Houses an?

In Dortmund z.B. die Firma GreenSpaces. Das Musterhaus mit 40 qm Wohnfläche steht in der Rosemeyer Straße 12 (neben Parkett Dittrich / Nähe Mercedes Niederlassung). Das Tiny House, das auf dem Forum "StadtBauKultur" zu sehen war, baut die Schreinerei Dieckmann aus Hamm. Dieses Haus besitzt eine Grundfläche von 15 qm und kostet 49.000 Euro.

Wie hoch sind die Kosten?

Die exklusiven und mobilen Tiny Häuser, z.B von der Firma "Wohnwagon" aus Wien, kosten in der autarken Variante deutlich über 100.000 Euro. Ansonsten sind die Baukosten für stationäre Tiny Houses identisch mit denen üblicher Häuser: Wer nur halb so groß baut, bezahlt auch nur die Hälfte. Grundstück, Betriebskosten etc. gibt es alles zum halben Preis.

Bilderstrecke: Forum Stadtbaukultur stellt "Tiny Houses" vor

Am Montag, den 25. Februar, fand das Forum Stadtbaukultur zum Thema "Tiny Houses" statt. Verschiedene Vorträge begleiteten den Abend, unter anderem war der bekannte Architekt Van Bo Le-Metzel zu Gast. Tiny bedeutet "winzig" und so umfasst die Wohnfläche der kleinen Einfamilienhäuser zwischen 20 – 70 qm. Der Vorteil daran: Die Tiny Houses verbrauchen weniger Energie, weniger Baustoffe und weniger Zeit in ihrer Instandhaltung. Damit könnten sie zu einer nachhaltigen wie auch flexiblen Stadtentwicklung beitragen. Die Stadt Dortmund hatte den Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) mit der Idee überzeugt, der das Projekt "Tiny Einfamilienhäuser" über ein Jahr durch den Fond Nachhaltigkeitskultur mit 50.000 Euro fördert.

Forum Stadtbaukultur - Vorstellung der Tiny Houses 15 Bilder
Der Star und einer der Vortragenden des Abends Van Bo Le-Mentzel. Er ist Architekt aus Berlin und einer der Leitfiguren der Tiny House Bewegung in Deutschland
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dortmund-Agentur / Roland Gorecki

"Aber", so Gerald Kampert, "es geht für viele nicht in erster Linie darum, Geld zu sparen, sondern auch darum, neue Freiheiten zu gewinnen." Weniger Zeit für die Hausarbeit, mehr finanzieller Spielraum für die anderen, wichtigen Dinge des Lebens, bessere Wohnlage in der Stadt, das Erleben von neuen, gemeinschaftlichen Wohnformen.

Wer ist Ansprechpartner bei der Stadt Dortmund:

2019 ist klar getaktet: Ziel im Laufe des Jahres ist der Aufbau eines Netzwerkes, um verschiedenste Akteure zusammenzubringen und auf dieser Basis innovative Wohnkonzepte und Umsetzungsstrategien zu entwickeln. Die Interessenten (sprich: mögliche Bewohner eines "Tiny Houses") werden Teil des Netzwerkes.

Text: Thomas Kampmann

Zum Thema

Weitere Termine:

  • Baumesse NRW 22. bis 24. März, eigener Messestand mit dem Dortmunder Tiny House des Fraunhofer Instituts,
  • Messe "Fair Friends" vom 5. bis 8. September mit eben diesem Tiny House,
  • Besuch an fünf Dortmunder Schulen in Zusammenarbeit mit dem Verein "Multivision" aus Hamburg im Rahmen von Klimaschutztagen. Das Tiny House ist vom 11. bis 15. September auf den jeweiligen Schulhöfen zu besichtigen.
  • Workshop mit den Akteuren im November im Rahmen der "Innovation Citizen" zusammen mit dem e:lab - Bürgerlabor für Energieinnovationen.