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Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Jesús González Rebordinos

Denkmalschutz

Perspektive für alte Kirche in Lindenhorst: Stadt prüft mögliche Nutzung als Kita

Nachricht vom 15.04.2019

Die Stadt Dortmund hat mit dem Evangelischen Kirchenkreis Verhandlungen über den Ankauf der 2013 entwidmeten Kirche an der Alte Ellinghauser Straße 5/7 aufgenommen. Eine Machbarkeitsstudie soll nun die Nutzung als Kindertagesstätte prüfen.

Gruppe Menschen vor der alten Kirche in Lindenhorst

Gemeinsam für eine sinnvolle Nutzung der Kirche in Lindenhorst: Tim Schiebold (hinten links), Ludger Wilde (hinten 2.v.l.), Dr. Ingo Fiedler (vorne links), Gerd Grundmann (vorne 2.v.l.), Oberbürgermeister Ullrich Sierau (mittig), Heike Proske (vorne 2.v.r.).
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dortmund-Agentur / Torsten Tullius

Die Kirchenimmobilie des Evangelischen Kirchenkreises Dortmund ist seit Jahren in der Vermarktung. Sie besteht aus einer ehemaligen Kirche, einem Gemeindehaus und einem Wohnhaus für den Pfarrer auf einer Grundstücksfläche von ca. 2.200 Quadratmetern. Sowohl der spätromanische Kirchturm als auch Kirchenschiff und Pfarrhaus vom Anfang des 20. Jahrhunderts (Baubeginn 1911) des bekannten Hagener Architekten Gustav Mucke stehen unter Denkmalschutz.

Machbarkeitsstudie aus 2008

Verschiedene Möglichkeiten zur Nutzung der Kirchenimmobilie wurden im Jahre 2008 im Rahmen eine Machbarkeitsstudie, welche durch das Land NRW gefördert wurde, gemeinsam mit weiteren 13 Kirchen untersucht. In dieser Machbarkeitsstudie hat der Evangelische Kirchenkreis mit einem externen Planungsbüro für die Immobilie in Lindenhorst diverse Nutzungsideen durchdacht. Die Nutzungen als Stadtteilzentrum mit Gastronomie, für eine Einfamilienhausbebauung, für Service-Wohnungen oder Mehrgenerationenwohnen, als Hospiz-/Palliativstation oder als Trauerhalle/Kolumbarium wurden in den vergangenen Jahren, auch mit verschiedenen privaten Investoren geprüft und immer wieder verworfen.

Die Gründe lagen im Denkmalschutz, in der aufwändigen Sanierung des Kirchturms, am fehlenden Planungsrecht und/oder der mangelnden Wirtschaftlichkeit des Projektes.

Heike Proske und Tim Schiebold bei der Begehung der denkmalgeschützten Kirche

Heike Proske und Tim Schiebold bei der Begehung der denkmalgeschützten Kirche
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dortmund-Agentur / Torsten Tullius

Nutzung als Kita wird nun geprüft

Die Stadt Dortmund hat sich kürzlich dazu entschlossen, den Erhalt der denkmalgeschützten Bauwerke zu unterstützen und den Kauf der Immobilie für die Nutzung als Kindertagesstätte konkret zu prüfen. Dazu wird derzeit eine Machbarkeitsstudie erstellt, die die Kosten für die Sanierung der denkmalgeschützten Gebäude einbezieht. "Welche Räumlichkeiten für die Kinder genutzt werden können, werden wir in enger Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege prüfen", sagt Tim Schiebold vom Fachbereich Liegenschaften. In dem Ortsteil Lindenhorst besteht ein Bedarf für eine zwei- bis dreigruppige Kindertagesstätte. Planungsdezernent Ludger Wilde: "Ich freue über die würdige Folgenutzung der Gebäude: Mit diesem Konzept haben wir, in guter Zusammenarbeit mit der evangelischen Kirche, etwas auf den Weg gebracht, was zukunftsorientiert ist". Gleichzeitig betont er die besondere Bedeutung des Kirchturms "als dem ältesten im Dortmunder Norden".

Förderverein stellt Stadt gesammeltes Geld zur Verfügung

Den Anwesenden des "Fördervereins Lindenhorster Kirchturm", Gerd Grundmann und Dr. Ingo Fiedler, versicherte er, dass der knapp 27 Meter hohe Turm "auch ohne bauliche Nutzung zügig saniert wird". Auch Fiedler begrüßt die angedachte Lösung: Zehn Jahre habe man "der Kirche wegen des Turms auf den Füßen gestanden", das gesammelte Geld für dessen Sanierung, rund 45.000 Euro, werde man der Stadt zur Verfügung stellen. Oberbürgermeister Ullrich Sierau lobt angesichts des Kirchentages im Juni das bürgerschaftliche und zivilgesellschaftliche Engagement des Fördervereins: "Das hat Vorbildcharakter für andere". Der Evangelische Kirchenkreis ist bereit, "die Immobilie für einen symbolischen Euro an die Stadt Dortmund abzugeben", sagte Superintendentin Heike Proske. "Wir sind froh, in guten Gesprächen mit der Stadt ein tragfähiges Ergebnis erzielt zu haben."

Es ist beabsichtigt, das Ergebnis der Machbarkeitsstudie über eine Tageseinrichtung für Kinder und einen Beschlussvorschlag zum Kauf der Immobilie nach den Sommerferien dem Rat zur Entscheidung vorzulegen.

Zum Thema

Der Kirchturm gehörte zur Burgkapelle der Grafen von Dortmund, die sich im Verlauf des 13. Jahrhunderts vom Standort Grafenhof innerhalb der freien Reichsstadt nach Lindenhorst zurückziehen mussten (ab da Grafen von Lindenhorst). Die Grafen hatten zuvor knapp 400 Jahre lang in königlichem Auftrag die Geschicke der frühen Stadtentwicklung bestimmt. Den Dortmundern gelang es erst nach und nach, sich von den Grafen loszukaufen ("Stadtluft mach frei“). So wie die mittelalterlichen Stadtkirchen und die Stadtmauer die einzigen erhaltenen baulichen Zeugen der freien Reichsstadt Dortmund sind, handelt es sich bei dem Turm der ehemaligen Lindenhorster Kirche um das einzige baulich erhaltene Zeugnis der ehemaligen Grafen von Dortmund.