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Verkehr

Bahnbündnis Westfalen lädt Bundesverkehrsminister Scheuer und Bahnvorstand Dr. Lutz zu Bahn-Gipfel ein

Nachricht vom 29.08.2019

Das Bahnbündnis Westfalen setzt sich für den nötigen kompletten zweigleisigen Ausbau der Strecke Münster – Lünen – Dortmund ein und lädt Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer und den Vorsitzenden des Vorstands der Bahn AG, Dr. Richard Lutz, zu einem Bahn-Gipfel Westfalen nach Dortmund ein.

Bahnbündnis Westfalen lädt Bundesverkehrsminister Scheuer und Bahnvorstand Dr. Lutz zu Bahn-Gipfel ein

Auf Einladung von Oberbürgermeister Ullrich Sierau (Dortmund) und Oberbürgermeister Markus Lewe (Münster) sind am Donnerstag, 29. August, Spitzenvertreter zahlreicher Städte, Gemeinden, Kammern, Gewerkschaften und Verbände der Region im Dortmunder Rathaus zusammengekommen.
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dortmund-Agentur / Anja Kador

Städte, Gemeinden, Kammern, Gewerkschaften und Verbände in Westfalen erhöhen den Druck auf die Bahn AG und die Bundesregierung für einen zweigleisigen Ausbau der Strecke Münster - Lünen - Dortmund. Auf Einladung von OB Ullrich Sierau (Dortmund) und OB Markus Lewe (Münster) sind heute Spitzenvertreter zahlreicher Städte, Gemeinden, Kammern, Gewerkschaften und Verbände der Region im Dortmunder Rathaus zusammengekommen.

Dieses Bahnbündnis Westfalen, das in den letzten Monaten stetig gewachsen ist, setzt sich vehement für den nötigen kompletten zweigleisigen Ausbau der Strecke Münster – Lünen – Dortmund ein. Am Donnerstag, 29. August, unterzeichneten die Oberbürgermeister Ullrich Sierau und Markus Lewe im Namen des Bahnbündnis' in Dortmund einen Brief, in dem das Bündnis Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer und den Vorsitzenden des Vorstands der Bahn AG, Dr. Richard Lutz, zu einem Bahn-Gipfel Westfalen im Dezember dieses Jahres nach Dortmund einlädt.

Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau: "Die Strecke Münster – Lünen – Dortmund ist einer der schlimmsten Engpässe im gesamten Netz der Bahn – mit erheblichen negativen Auswirkungen für die Region, für die Kunden. Wir brauchen den Ausbau der Strecke, wir brauchen einen kunden- und umweltgerechten Schienenersatzverkehr und eine verlässliche Informationspolitik seitens der Bahn. Deshalb machen wir im Bahnbündnis Westfalen weiter mobil und laden Bundesverkehrsminister Scheuer und Bahnvorstand Dr. Lutz zu einem Bahngipfel ein."

Markus Lewe, Oberbürgermeister von Münster, sagt: "Seriös über nachhaltige Mobilität zu sprechen, heißt, auch über deutliche Investitionen in das Schienennetz und die Verkehrsinfrastruktur zu diskutieren. Das Gesicht unserer Region soll schließlich nicht aus weiteren Parkplätzen oder vierspurigen Straßen bestehen. Das ist kein leichtes Unterfangen – aber wir werden nichts unversucht lassen, die Vorteile und den nicht wegdiskutierbaren dringenden Bedarf des Ausbaus der Bahnstrecke Münster - Lünen - Dortmund deutlich zu artikulieren."

Strecke ist ein Engpass

Der zweigleisige Ausbau der Bahnstrecke Münster – Lünen – Dortmund beschäftigt die Region bereits seit über 30 Jahren. Schon 1985 wurde die Verbindung als Ausbaustrecke im Bundesverkehrswegeplan (BVWP) erwähnt. Passiert ist seitdem nichts. Die Strecke ist nach wie vor ein Engpass in zentraler Lage im europäischen und deutschlandweiten DB-Netz. Mehrfach wurde in dieser Zeit an den Bund appelliert, die Gesamtstrecke zweigleisig auszubauen – unter anderem im Jahr 2013 mit einer Resolution der Städte Dortmund, Münster, Kreis Unna, Lünen, Werne sowie der IHK zu Dortmund und der IHK Nord Westfalen und dem Verkehrsverband Westfalen e.V. Im März dieses Jahres hat das Bahnbündnis Westfalen eine Resolution an den Vorstandsvorsitzenden der Bahn AG auf den Weg gebracht, im Mai 2019 wurden die Forderungen der Anlieger-Kommunen noch einmal in einem Brief an den Bundesverkehrsminister verdeutlicht.

Im Jahr 2018 wurde das Teilstück zwischen Münster und Werne in den vordringlichen Bedarf des BVWP 2030 als Teilausbau eines zweigleisigen Begegnungsabschnitts aufgenommen. Die Anrainer-Gebietskörperschaften kritisieren dies. Für sie ist das nicht ausreichend. Sie erneuern ihre Forderung nach einem komplett zweigleisigen Ausbau und fordern die umgehende Reparatur der Strecke Münster – Lünen - sowie die Wiederaufnahme eines stündlich fahrenden Fernverkehrs zwischen Dortmund und Münster.

In einer Antwort des Parlamentarischen Staatssekretärs Enak Ferlemann vom 19. August 2019 auf das Schreiben des Bahnbündnis' Westfalen vom 21. Mai 2019 an den Bundesverkehrsminister erwähnt der Bund einen zweigleisigen Ausbau über sechs Kilometer bei Capelle -Ascheberg (Einstufung in den vordringlichen Bedarf des BVWP), weitere Prüfungen im Deutschland-Takt 2030 bezogen auf wirtschaftlich begründete Ausbauten sowie einen Schienenersatzverkehr für regionale Verkehre. Die großräumige Umleitung des Fernverkehrs während der Baumaßnahmen sei unumgänglich. Die Bahn kündigte zudem für den 6. Januar 2020 den Baubeginn der Reparaturmaßnahmen an. Damit geht eine Gesamtsperrung von Lünen bis Münster für Nah- und Fernverkehr einher. Der Regelbetrieb soll am 12. August 2020 wieder aufgenommen werden.

Ausbau entspricht Zielen des Deutschland-Taktes 2030

Das Bahnbündnis Westfalen hat am Donnerstag noch einmal hervorgehoben, dass der komplette zweigleisige Ausbau der Strecke den Zielen des im Bundesverkehrsministerium entwickelten Deutschland-Taktes 2030 entspricht. Die Voraussetzungen dafür müssen jetzt geschaffen werden. Die im Zukunftsbündnis Schiene formulierten Maximen sind nun vor Ort umzusetzen. Das Bündnis fordert eine verlässliche Zusammenarbeit und gute Kommunikation. Zur Verabredung der weiteren Vorgehensweise zur Beseitigung eines Streckenengpasses, der auch international Auswirkungen hat, lädt das Bahnbündnis Westfalen den Bundesverkehrsminister und den Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bahn zu einem Bahn-Gipfel Westfalen nach Dortmund ein.

Bahnbündnis Westfalen: Statements

Lothar Christ, Bürgermeister Werne: "Wir werden nicht nachlassen, dieses wichtige Anliegen immer wieder deutlich zu machen. Daneben sprechen wir mit den Zweckverbänden über einen vernünftigen Schienenersatzverkehr während der Reparaturarbeiten im kommenden Jahr."

Jürgen Kleine-Frauns, Bürgermeister Lünen: "Lünen, als größte Stadt an der Strecke zwischen Dortmund und Münster, ist auf eine leistungsfähige und zuverlässige Verbindung in beide Richtungen angewiesen. Zahlreiche Ein- und Auspendler in Lünen verlassen sich auf die Bahn. Ein unattraktives Nahverkehrsangebot veranlasst Menschen dazu, aufs Auto umzusteigen. Das ist fatal für eine Stadt wie Lünen und ihre Infrastruktur."

Stefan Schreiber, Hauptgeschäftsführer der IHK zu Dortmund: "Die Verbindung zwischen Dortmund und Münster ist mit ihren Engpässen die am stärksten vernachlässigte Metropolenverbindung in Deutschland, was der Bedeutung dieses Wirtschaftsraumes in keiner Weise gerecht wird. Durch das angekündigte Milliardenpaket des Bundes müssen die Engpässe auf diesem Streckenabschnitt dringend gelöst werden. Daher empfehlen wir den zweigleisigen Ausbau auf der gesamten Strecke, die Beseitigung von bestehenden Mängeln nördlich von Dortmund und eine Abgrenzung der intensiven Ost-West-Verkehre in Dortmund von denen nach Münster."

Dr. Fritz Jaeckel, Hauptgeschäftsführe IHK Nord Westfalen: "Neben dem dringend erforderlichen zweigleisigen Ausbau erwarten wir, dass die Deutsche Bahn endlich auch auf der Metropol-Verbindung zwischen dem Ruhrgebiet und Hamburg die veralteten Intercityzüge vollständig durch moderne ICEs ersetzt."

Thomas Schäfer, Geschäftsführer Handelsverband Westfalen-Münsterland: "Die Bahnstrecke „Münster – Lünen – Dortmund" ist eine wichtige ÖPNV-Verbindung für Beschäftigte und Kunden des Einzelhandels. Nur durch einen kompletten Ausbau kann die Erreichbarkeit von Arbeitsplätzen, Geschäften und Innenstädten gesichert werden. Ohne attraktiven und funktionierenden ÖPNV gibt es keine Alternative zum Pkw-Verkehr, so dass noch so ambitionierte und gut gemeinte Klimaschutzziele und Luftreinhaltepläne keinen Erfolg haben werden."

Carsten Harder, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Dortmund, Thomas Banasiewicz, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Münster: "Auch das Handwerk sieht einen vordringlichen Bedarf an einem komplett zweigleisigen Ausbau der Bahnstrecke Münster–Lünen–Dortmund. Dieser ist von großer strukturpolitischer und wirtschaftlicher Bedeutung. Der gesamte Wirtschaftsstandort profitiert von pünktlicheren Zügen, einer erhöhten Taktung und einer besseren Anbindung von Dortmund und Münster an den nationalen Schienenfernverkehr. Das kommt natürlich auch dem Handwerk zugute, zumal der Pendlerverkehr in der Region erleichtert wird und damit Betriebe für Mitarbeiter und Kunden besser erreichbar sind. Ein attraktiverer Öffentlicher Personennahverkehr ist Voraussetzung für Restriktionen im motorisierten Individualverkehr."

Claus Weselsky, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Lokomotivführer (GDL): "Verzögerung, Verschleppung, Intransparenz – das Vorgehen der DB in dieser Sache ist kein Ruhmesblatt für den Konzern. Wer den verständlichen Wunsch und das berechtigte Bedürfnis der Menschen nach einem gut funktionierenden Eisenbahnverkehr in einer der Kernregionen des Landes so ignorant missachtet, der verspielt auch noch den letzten Rest an ihm verbliebenen Kredit."

Lothar Ebbers, Pro Bahn e.V., Referent für RRX und Landespolitik: "Nach der Bewertung der Strecke Lünen – Münster im Bundesverkehrswegeplan ist ein Teilausbau für 302 Mio. Euro, der nur drei Minuten Fahrzeitgewinn für den ICE bringt und keinen weiteren Regionalzug zulässt, volkswirtschaftlich sinnvoll. Wie viel sinnvoller muss dann ein Vollausbau sein, durch den mehr als nur ein Regionalzug auf der Strecke pro Stunde verkehren kann? Das bislang vom Bund angewandte Planungs- und Bewertungsverfahren kann man nur als absurd bezeichnen."

Jutta Reiter, Vorsitzende DGB Dortmund, Geschäftsführerin DGB-Region Dortmund-Hellweg: "Aus Sicht der Beschäftigten ist der Ausbau der Bahnstrecke Dortmund-Lünen-Münster längst überfällig. Vielen Pendler*innen bleibt nur die Wahl zwischen verstopften Straßen und schlechter Bahnverbindung. Wir brauchen dringend gute Alternativen zur Straße und der Ausbau dieser Bahnstrecke ist auch eine gute Möglichkeit die Ernsthaftigkeit im Klimaschutz unter Beweis zu stellen."

Das Bahnbündnis Westfalen

Im Bahnbündnis Westfalen sind neben den Städten Dortmund und Münster die Stadt Ascheberg, die Gemeinde Nordkirchen, die Stadt Werne, die Stadt Lünen, Kreis Coesfeld, Kreis Unna, IHK Nord Westfalen, IHK zu Dortmund, Handwerkskammer Münster, Handwerkskammer Dortmund, Pro Bahn e.V., Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG, Gewerkschaft der Lokomotivführer, Verkehrsverbund Rhein-Ruhr, Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL), Handelsverband NRW, Handelsverband Westfalen - Münsterland, DGB Dortmund Hellweg und der DGB Münsterland beteiligt.