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Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Jesús González Rebordinos

Denkmal des Monats November 2019

Achtung Ansteckungsgefahr! - das Wohnhaus Brackeler Str. 12

Nachricht vom 04.11.2019

Vielleicht macht das Vorbild sogar Schule. Dieser Wunsch steckte dahinter, als im Frühjahr 2017 die Denkmalbehörde Dortmund zwei umfangreich sanierte Häuser an der Ecke Borsigplatz/Brackeler Straße als Denkmäler des Monats vorstellte. Wie man nun an der Brackeler Straße 12 sehen kann, ist die Hoffnung aufgegangen. Für die Denkmalbehörde ist dies Anlass, auch dieses Objekt in die Reihe Denkmal des Monats aufzunehmen.

Wohnhaus Brackeler Str. 12

Wohnhaus Brackeler Str. 12
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Denkmalbehörde / Bruno Wittke

Jahrelang stand das Mehrfamilienhaus leer. Es verwahrloste zusehends. Trotz des vergitterten Erdgeschosses diente es sogar eine Zeitlang auch als "Matratzenlager" für Menschen, die hier unbefugt kampierten. Da es keinen Anschluss mehr an sanitäre Einrichtungen und die Müllabfuhr gab, kann man sich vorstellen, wie sich die hygienischen Zustände im Inneren des Hauses schnell verschlechterten. Der Vandalismus tat ein Übriges.

Wohnhaus am "schiefen Sternenstrahl"

Städtebaulich gehört das Wohnhaus Brackeler Straße 12 in den Einzugsbereich des Borsigplatzes. Nach Jahren eher ungeregelter Bebauung sollte die Nordstadt nach dem Willen des städtischen Magistrats ab 1898 in geordneteren Bahnen erschlossen werden. Zwölf Plätze sollten nach Berliner und Pariser Vorbildern das Straßennetz gliedern. Verwirklicht wurde neben dem Nordmarkt aber nur der Borsigplatz. Er besitzt als runder Platz besondere Qualität. Wie in Paris auf die Place de l'Etoile laufen fast alle Straßen sternförmig auf seinen Kreismittelpunkt zu. Lediglich die Brackeler Straße folgt nicht dieser Richtung. Sie existierte schon vorher als alter Weg und bildet so ein schiefes Element im Strahlenkranz des Borsigplatzes.

Investoren mit Anspruch

Den Bau des Hauses begann der Bauunternehmer Carl Apel im Jahre 1902. 1899 hatte Apel bereits das Gebäude mit dem „kaiserlichen Postamt“ am Borsigplatz errichtet. Heute würde man den damaligen Bauunternehmer vermutlich als Investor bezeichnen, der zunächst die Grundstücke erwarb, darauf Gebäude im Eigenauftrag errichtete und sie nach der Fertigstellung, manchmal auch schon während der Bauphase, an Interessenten veräußerte.

Als preiswerte Alternative zu Natursteinen verwendete Apel für das Haus in der Brackeler Straße hellen Putz. Dieses robuste Material konnte zu jedem gewünschten Ornament geformt werden. Industriell bedingte Luftverschmutzung ließ die Fassaden jedoch schnell nachdunkeln. So wirkt das Mehrfamilienwohnhaus bereits auf älteren Fotos ziemlich düster. Auch ein fehlender Lärmschutz machte das Wohnen hier zunehmend unattraktiv. Zudem boten die um 1900 als Arbeiterquartiere geplanten Wohnungen nach und nach nicht mehr den gewünschten Wohnkomfort.

Mut zahlt sich aus

Im Herbst 2018 fand sich für das Haus ein neuer, mit viel Fachverstand und einer gehörigen Portion Mut ausgestatteter Eigentümer, der sich auf das „Abenteuer“ einer Sanierung des Denkmals einließ.

Im Frühjahr 2019 starteten die umfassenden Arbeiten. Die Fassade erhielt einen Anstrich im früheren Farbton des Putzes. Damit kamen die schönen Jugendstilornamente wieder zur Geltung. Holzfenster nach altem Muster stellten das alte Fassadenbild wieder her. Bei der Innensanierung fand man im Müll Teile des alten Treppengeländers, die als Muster für die Wiederherstellung dienten. Auch die schönen bunten Zementfliesen im Hausflur von 1902 tauchten unter vielen Schichten anderer Bodenbeläge auf. Die Wohnungen selbst erhielten einen Standard, der einer zeitgemäßen Wohnnutzung entspricht, wozu beispielsweise auch die neuen Balkone an der Rückfassade gehören. Entstanden sind nun attraktive Wohnungen.

Bei der Gesamtsanierung wurde der Eigentümer durch das Amt für Stadterneuerung, das Quartiersmanagement der Nordstadt und natürlich durch die Denkmalbehörde unterstützt.

Zum Thema

Alle Denkmäler des Monats finden sich auf der Webseite der Denkmalbehörde Dortmund.