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Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Jesús González Rebordinos

Denkmalbehörde

Adler fliegt in Mengede ein: Denkmal von 1873 ist nun wieder komplett

Nachricht vom 07.11.2019

Der Mengeder Adler ist wieder eingeflogen: Das Kriegerdenkmal zum Andenken an die Gefallenen im Preußisch-Österreichischen und im Preußisch-Französischen Krieg (1866 und 1870/71), das 2014 im Sturm "Ela" zerstört wurde, ist nun mit einem Nachguss des Vogels wieder komplett. Mit Hubwagen mit Kran wurde der Adler an Ort und Stelle platziert.

Adler fliegt in Mengede ein: Denkmal von 1873 ist nun wieder komplett

Das Kriegerdenkmal zum Andenken an die Gefallenen im Preußisch-Österreichischen und im Preußisch-Französischen Krieg (1866 und 1870/71) ist nun mit einem Nachguss des Vogels wieder komplett.
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Stadt Dortmund / Anneke Lamot

Mit dabei waren u.a. Bezirksbürgermeister Wilhelm Tölch und Vertreter*innen der Bezirksvertretung, Dr. Rosemarie E. Pahlke (Leiterin der Stabsstelle Kunst im öffentlichen Raum), Anneke Lamot (Untere Denkmalbehörde), die Restauratoren Martin Möbus und Werner Paetzke, Antje Klein (Geschäftsführerin der Bezirksverwaltung Mengede) sowie Franz-Heinrich Veuhoff, Hans-Ulrich Peuser und Werner Locker vom Heimatverein Mengede.

Das Kriegerdenkmal in Mengede

Das Kriegerdenkmal, 1873 eingeweiht, ist das zweitälteste Denkmal in Mengede. Auf einem achteckigen Sockel steht eine Sandstein-Säule mit Kapitell, auf dem in circa sieben Metern Höhe der Reichsadler mit leicht gespreizten Schwingen und gewundenem Hals sitzt. Ursprünglicher Standort des vom Thüringer Bildhauer Tobias Weiß gestalteten Denkmals war die Mengeder Straße/Ecke Jonathanstraße. Dabei "versteckte" der Mengeder Kriegerverein in einer Schatulle "zur Nachricht für kommende Geschlechter unter dem Fuße des Adlers eine Stiftungsurkunde, ein Verzeichnis sämtlicher Krieger des Kirchspiels, welche den Krieg 1870/71 mitgemacht haben, Statuten des Mengeder Kriegervereins, sowie Scheidemünzen bis zu einem Thaler".

Im Jahr 1928 wurde das Denkmal für den Neubau der Mengeder Post vor die Grünanlage vor der Post versetzt (zwischen Büren- und Molkereistraße). Die Kassette unter dem Adler wurde noch um Zeitberichte ergänzt.

Adler fliegt in Mengede ein: Denkmal von 1873 ist nun wieder komplett

Der Mengeder Adler ist wieder eingeflogen.
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Stadt Dortmund / Anneke Lamot

Jahrzehntelang mit nur einem Flügel

Nach dem Zweiten Weltkrieg schossen einrückende amerikanische Truppen einen Flügel des Adlers ab und nahmen ihn mit, wie Augenzeugen berichteten. Das Wetter gab dem Denkmal dann den Rest: Im Juni 2014 erreichte Mengede die Gewitterfront des Tiefdruckgebietes "Ela". Ein umfallender Baum traf den Adler und riss ihn von der Säule.

Restauriert werden konnte der als Zinkguss hergestellte Adler allerdings nicht: Durch die fehlenden Stellen und den jahrelangen Feuchteeintrag sowie durch den Sturz aus großer Höhe hatte er zu sehr gelitten. Metallrestaurator Martin Möbus aus Rheinland-Pfalz fand jedoch einen in Größe und Optik vergleichbaren Adler, den die Gießerei Pelikan aus Behndorf-Sayn aus Aluminium neu goss. Die Säule, auf der das 45 kg schwere Tier sitzen wird, wurde von Steinrestaurator Werner Paetzke aus dem Münsterland schonend gereinigt und restauriert.

Papiere und Münzen in Schatulle versteckt

Bei der Reinigung entdeckte man auch die zuletzt 1928 geöffnete Kassette, die einen Stapel Papier in Wachstuch und die Scheidemünzen enthielt. Leider ist auch die Kassette – ebenfalls ein Zinkguss – lange Zeit beschädigt gewesen, und die Papiere sind aufgrund der Feuchtigkeit kaum mehr zu lesen. Sie werden nun sorgfältig getrocknet. Eine neue Kassette wird mit Zeugnissen unserer Zeit bestückt, so dass auch nachfolgende Generationen um den Verlust des Originaladlers und seinen Ersatz wissen.

Das Mengeder Kriegerdenkmal gehört zu einer Gruppe säulenförmiger Denkmäler, die von einem Adler bekrönt werden. In Dortmund wurden nach 1870/71 mindestens zehn aufgestellt, u.a. in Körne, Asseln, Kirchlinde und Hoechsten. Sie erinnerten an die Schlachten von Sedan, Metz oder, wie in Mengede, von Mars La Tour. Neben der Germania und dem Löwen diente der Adler als heraldisches Sieges- und Machtsymbol. Nicht zuletzt war er auch preußisches Wappentier.

Die Koordination der Restaurierung lag bei Dr. Rosemarie Pahlke von der Stabsstelle Kunst im öffentlichen Raum und Anneke Lamot von der Unteren Denkmalbehörde.