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Erinnern

Stadtgesellschaft gedenkt den Opfern des Nationalsozialismus

Nachricht vom 11.11.2019

Am Freitag, 8. November 2019, gedachten rund 300 Menschen am jüdischen Mahnmal in Dorstfeld den Opfern der Reichspogromnacht 1938. Außerdem informierten acht Organisationen von Schulen, Stadt und Zivilgesellschaft am gegenüberliegenden Wilhelmplatz über ihre Arbeit zu den Themen Nationalsozialismus und Antisemitismus.

Bürgermeisterin Birgit Jörder, Rabbiner Baruch Babaev und Bezirksbürgermeister Ralf Stoltze bei der Kranzniederlegung

Bürgermeisterin Birgit Jörder, Rabbiner Baruch Babaev und Bezirksbürgermeister Ralf Stoltze bei der Kranzniederlegung
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dortmund-Agentur / Torsten Tullius

In diesem Jahr jähren sich die nationalsozialistischen Novemberpogrome zum 81. Mal. In der Nacht vom 9. auf den 10 November 1938 brannten im ganzen Land rund 1400 jüdische Gebetshäuser und Synagogen, Geschäfte wurden geplündert, Wohnungen zerstört.

Aussterbendes Gedankengut

"Das ist eine Wunde, von der sich das das Judentum bis heute nicht erholt hat", sagte Baruch Babaev, Rabbiner der Jüdischen Gemeinde Dortmund. "Wir weinen um unsere Brüder und Schwestern." Babaev nahm auch Bezug auf den wiedererstarkenden Antisemitismus in Deutschland. Er verwies auf die Attentate in Halle vom Oktober dieses Jahres, denen zwei Menschen zum Opfer fielen. Voller Bangen habe die jüdische Gemeinschaft die Ereignisse an diesem Tag in den Medien verfolgt, noch nie seien die Synagogen so voll gewesen wie in diesen Stunden. "Von dort ging ein klares Zeichen an alle, deren Einstellungen vor dem Aussterben bedroht sind: Wir haben keine Angst!", sagte Babaev antisemitischem und rassistischem Gedankengut den zivilgesellschaftlichen Widerstand an.

Dank an Jüdische Gemeinde

Bürgermeisterin Birgit Jörder sprach angesichts der Shoa und der bedrückenden Gegenwart, in der wieder Menschen von Rechtsextremen bedroht und Synagogen angegriffen werden, der Jüdischen Gemeinde ihren Dank aus: "Sie stehen zu Deutschland, sie stehen zu Dortmund. Sie sind ein geschätzter Teil unserer Stadtgesellschaft." Sie rief alle Mitbürger*innen auf, gegen Antisemitismus vorzugehen.

Banner zeigt "Antisemitismus? Nicht mit mir!"

Ein klares Zeichen gegen Antisemitismus auf dem Wilhelmplatz
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dortmund-Agentur / Torsten Tullius

Rahmenprogramm auf dem Wilhelmsplatz

Im Vorfeld des Gedenkens informierten acht Dortmunder Organisationen auf dem Wilhelmsplatz über ihre Arbeit gegen Antisemitismus und Rassismus. Neben Dortmunder Schulen oder dem Jugendring etwa das Respekt-Büro des Jugendamts Dortmund. 2018 besuchten 13 Jugendliche mit Betreuer*innen des Respekt-Büros das ehemalige Konzentrationslager Majdanek in Polen. Neben einer schriftlichen Dokumentation porträtierten die jungen Menschen das KZ anhand von 2.000 Fotos. Aus dieser Reise gingen die "Freedom Fighters" hervor. Eine Gruppe von Schüler*innen, die sich mit den Themen Nationalsozialismus und Demokratie auseinandersetzt.

Im Oktober 2019 besuchten "Freedom Fighters" Weimar und das in der Nähe gelegene KZ Buchenwald. Für die Jugendlichen "ein krasser Gegensatz", sagte Ulrich Müller vom Respekt-Büro. Er ist zuständig für Erinnerungsarbeit und Demokratieentwicklung. "Auf der einen Seite die Goethe-Stadt Weimar mit ihrer kulturellen Tradition, auf der anderen Seite der Ettersberg mit dem ehemaligen KZ." Rund 900 Fotos machten die jungen Leute während dieser Zeit. Eine Auswahl davon, zusammen mit Bildern aus Majdanek, waren auf dem Wilhelmsplatz zu sehen.

Gedichte und Texte von Dortmunder Schüler*innen

Jugendliches Engagement im Einsatz für Demokratie und das Nichtvergessen der nationalsozialistischen Gräuel war auch Teil der Gedenkfeier. Kaum war das "El Male Rachamim", das jüdische Gebet zum Gedenken an die Toten des Holocaust, verklungen, rezitierten Dortmunder Schüler*innen Gedichte und Texte, etwa von Hans-Dieter Hüsch oder aus der eigenen Feder. So räumte Melek, eine junge Dortmunderin mit türkischen Wurzeln und Schülerin am Leibniz-Gymnasium, in ihrem Slam-Poetry-Gedicht "Ihr nervt!" mit Klischees gegenüber Türkeistämmigen auf. Schüler*innen der Martin-Luther-King-Gesamtschule erinnerten an aus Dortmund deportierte jüdische Mitbürger*innen. "Dortmund bunt statt braun" - dafür stand abschließend die Musik von Sevgi Kahraman-Brust und Wolfgang Brust. Nachdenkliche Lieder zur Gitarre in türkischer Sprache.

Torsten Tullius