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Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Jesús González Rebordinos

Transgender Day of Remembrance

Nur Aufklärung hilft: Wenn die Seele im falschen Körper steckt

Nachricht vom 22.11.2019

"Trans* im Kinder- und Jugendalter – Vielfalt der Geschlechteridentitäten" war das Thema einer Fachtagung im Rathaus aus Anlass des Transgender Day of Remembrance, der jedes Jahr am 20. November stattfindet.

Freuten sich über eine erfolgreiche Fachtagung: v.l.n.r. Vincent Beringhoff (Fachstelle Jungenarbeit NRW), Judith Lichtenberg (Kinder- und Jugendpsychotherapeutin), Jonas (Trans*junge) und Nele (Mutter), Susanne Hildebrandt (Koordinierungsstelle für Lesben, Schwule und Transidente), Thorben Rump (Moderator) und Nova Gockeln (Psycholog*in und Trans*Beratung im Sunrise)

Freuten sich über eine erfolgreiche Fachtagung: v.l.n.r. Vincent Beringhoff (Fachstelle Jungenarbeit NRW), Judith Lichtenberg (Kinder- und Jugendpsychotherapeutin), Jonas (Trans*junge) und Nele (Mutter), Susanne Hildebrandt (Koordinierungsstelle für Lesben, Schwule und Transidente), Thorben Rump (Moderator) und Nova Gockeln (Psycholog*in und Trans*Beratung im Sunrise)
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dortmund-Agentur / Anja Kador

Eingeladen zu der Veranstaltung, zu der rund 100 Pädago*innen und andere Interessierte kamen, hatte der Arbeitskreis Sexuelle Bildung in Kooperation mit der Koordinierungsstelle für Lesben, Schwule und Transidente der Stadt Dortmund. Die Tagung richtete sich insbesondere an Lehrer*innen, Erzieher*innen und sonstige Personen, die pädagogische Arbeit mit Kindern leisten. Ihnen wurde ein Raum geboten, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, sich zu informieren und vor allem Fragen zu stellen, die im beruflichen Kontext unangenehm oder unangemessen sind, ohne Angst davor zu haben, eine falsche Terminologie zu benutzen oder den Befragten zu nahe zu treten.

Der Opfer trans*feindlicher Gewalt gedenken

Der 20. November ist der Transgender Day of Remembrance. Ein Tag an dem weltweit den Opfern trans*feindlicher Gewalt gedacht wird. 1999, das Jahr in dem dieser Gedenktag initiiert wurde, war das Thema Trans*feindlichkeit genau so aktuell wie es leider auch heute noch ist. Noch immer begegnen Trans*personen Gewalt, Anfeindungen und Ausgrenzung. Laut Transgender Europe wurden zwischen 2008 und 2018 weltweit 2982 trans* und gendernonkonforme Menschen umgebracht.

Akzeptanz und Respekt

Besonders wichtig ist es daher, Trans*personen auf ihrem Weg zu unterstützen. Ein geschützter Raum, in dem sie sich entfalten können, Akzeptanz und Respekt sind dabei maßgeblich und bereits in jungen Jahren von immenser Bedeutung für das Wohlergehen. Dies ist nicht nur eine Frage des Elternhauses, auch pädagogisches Personal in Kitas, Schulen und ähnlichen Einrichtungen sollte sich der Verantwortung bewusst sein, die Lebenswirklichkeit von Trans*kindern und –jugendlichen bewusst oder unbewusst aktiv mitzugestalten.

Lebenswirklichkeit junger Trans*personen

Dipl.-Psychologin Judith Lichtenberg berichtete über die Lebenswirklichkeit von jungen Trans*personen und ihre eigenen Praxiserfahrungen. Dabei beleuchtete sie Fragen wie etwa "Wie reagiere ich, wenn ich mit dem Thema Trans* in Kontakt komme?". Sie gab Hinweise, welche Hilfsangebote Elternteile/Pädagog*innen in Anspruch nehmen können. Auch erläuterte sie die Schwierigkeiten, mit denen Kinder und Jugendliche sich konfrontiert sehen und zeigte Wege auf, wie diese zu bewältigen sind.

Nova Gockeln, Psycholog*in und Mitarbeiter*in im queeren Jugendtreff „Sunrise“, stellte in ihrem Vortrag "Ist es (k)eine Phase?" aktuelle Studien zum Thema "Trans*" vor und lehrte einen kritischen Umgang mit wissenschaftlichen Studien.

Jonas, 10 Jahre

Ein besonderer Höhepunkt war Veranstaltungsgast Jonas – ein zehnjähriger Trans*junge, der, soweit er sich zurückerinnern kann, weiß: "Ich bin ein Junge".

Jonas und seine Mutter Nele erzählten in einem Interview die ergreifende Geschichte des Trans*weges auf dem Jonas sich befindet. Angefangen bei der Frage "Wer bist du?", über ärztliche Untersuchungen zur Erkennung des Hormonstatus, bis hin zu dem Ende einer langjährigen Freundschaft, weil Jonas Transidentität abgelehnt wurde, gaben die beiden einen tiefen Einblick in das Alltagsleben der Familie.

Trans*kinder im Schulkontext unterstützen

Ein gutes Beispiel, wie einfühlsam und unterstützend auf Trans*kinder im Schulkontext eingegangen werden kann, stellte Norbert Pauli, ein Lehrer der Droste-Hülshoff-Realschule, als Teil der anschließenden Podiumsdiskussion dar. Von den Eltern eines transidenten Schülers aus seiner Klasse für diese Veranstaltung empfohlen, berichtete Pauli, wie er und seine Kolleg*innen mit Themen wie Outing, Transition und neuen Namen auf offiziellen Dokumenten umgehen.

Neben den beiden Vortragenden, nahm auch Tanja Lindner, Leiterin von Lili Marlene Transidenten Lebenshilfe, an der Diskussion teil. Als Beratungsstelle für Trans*personen jeden Alters bietet Lili Marlene ebenfalls Beratungs- und Unterstützungsangebote für Trans*kinder und –jugendliche an.

Vernetzung und Information

In der Pause bestand die Möglichkeit zur Vernetzung und Information über die Beratung- und Selbsthilfe-Angebote in Dortmund, wie Sunrise, LEBEDO, TransBekannt und Lili Marlene Transidenten Lebenshilfe, sowie das Netzwerk Geschlechtlicher Vielfalt und Trans* NRW.

Abgerundet wurde die Veranstaltung durch die Moderatoren Vince Beringhoff und Thorben Rump. Den beiden Moderatoren gelang es durch einfühlsame Fragen und kurzweilige Gesprächseinlagen, gepaart mit Einblicken in die eigene, persönliche Erfahrungswelt einen besonders schönen Rahmen für die Veranstaltung zu schaffen.