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Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Jesús González Rebordinos

Wohnungslosigkeit

Stadt und Partner bieten Obdachlosen umfangreiche Hilfen an

Nachricht vom 27.11.2019

In Dortmund wird, wie in anderen großen Städten, Obdachlosigkeit in der Öffentlichkeit deutlicher wahrgenommen als in der Vergangenheit. In der kalten Jahreszeit mehren sich zudem die Anfragen der Bürger*innen, welche Hilfen die Stadt obdachlosen Menschen in Dortmund bietet.

Die Stadt Dortmund bietet gemeinsam mit zahlreichen Netzwerk-Partnern umfangreiche Angebote für Obdachlose und für Menschen, die bereits wohnungslos sind oder denen Wohnungslosigkeit droht. Generell hat die Stadt Dortmund eine "Unterbringungspflicht" für, so die gesetzliche Definition, unfreiwillig obdachlos gewordene Menschen oder solche, die sich nicht aus eigener Kraft aus ihrer Lebenslage befreien können. In Dortmund wird niemand, der um einen Schlafplatz bittet, ohne Hilfsangebot abgewiesen - unabhängig von der Jahreszeit oder den Wetterbedingungen.

Die Verwaltungsspitze befasste sich im September 2019 mit dem aktuellen Bericht über die Weiterentwicklung der Wohnungslosenhilfe . Darin enthalten sind zwei geplante Maßnahmen, die dem Rat ebenso wie der Bericht "Wohnungslose Menschen in Dortmund" zur Beschlussfassung vorgelegt werden sollen. Das Wohnraumvorhalteprogramm (WVP) soll bis 2020 Schritt für Schritt auf insgesamt 920 Wohnungen ausgebaut werden. Das entspricht nach heutigem Stand einem Plus von 196 Wohnungen.

In Dortmund muss niemand ohne Dach über dem Kopf schlafen

Stadt Dortmund

Die Verwaltung hat 2018 - in der Federführung des Sozialamtes - intensiv das bestehende und gut vernetzte Versorgungssystem einem konsequenten Check unterzogen. Alle Akteure des Netzwerks, vor allem auch die nichtstädtischen Profis und ehrenamtlich aktiven Träger, Initiativen und Vereine haben sich in vielen Diskussionen auf einen neuen Weg geeinigt. Ergebnis: Es wurden bereits bestehende Angebote bedarfsgerecht verändert, neue und differenzierte Maßnahmen entworfen und abgestimmt. Auch die Betroffenen wurden einbezogen.

Mehr Platz in Notschlafstellen

Die etablierten Notunterbringungseinrichtungen MÜS (Männerübernachtungsstelle) und FÜS (Frauenübernachtungsstelle) wurden zu Clearingsstellen weiterentwickelt. Sie konzentrieren sich auf ihre ursprünglichen Funktionen als kurzfristige Notschlafstellen. Kurzfristige Notschlafstellen bedeutet: Obdachlose Menschen können sich zukünftig nicht mehr dauerhaft oder über einen längeren Zeitraum in den Einrichtungen aufhalten. Bei Bedarf werden andere Angebote gemacht. Neben der Betreuung durch den jeweiligen Einrichtungsbetreiber beraten in den Notschlafstellen städtische Sozialarbeiter über Hilfen zur Überwindung sozialer Schwierigkeiten und leiten diese Hilfen ein. Die maximalen Platzkapazitäten wurden auf 70 (MÜS) und 50 (FÜS) erweitert.

Individuelle Hilfen für jede Notlage

Langjährig obdachlose Menschen, die auf dem allgemeinen Wohnungsmarkt keine Chancen haben, und keine qualifizierten Hilfen annehmen wollen, jedoch Verabredungen und Absprachen einzuhalten bereit sind, werden dauerhaft in geeigneten Wohnungen ordnungsrechtlich untergebracht. In diesen Wohnungen des "Wohnraumvorhalteprogramms WVP Plus" gibt es bis zu 70 zusätzliche Plätze, die über das gesamte Stadtgebiet verteilt sind.

Neben ordnungsrechtlichen Unterbringungsformen planen der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) und die Stadt die Einrichtung eines niederschwelligen ambulanten Wohnangebotes mit 20 Plätzen "Pension plus". Dieses Angebot soll Menschen mit multiplen Problemlagen zugute kommen, die sich auf zunächst niederschwellige persönliche Hilfen einlassen und anschließend weiterführende Hilfsangebote erhalten. Ziel ist der perspektivische Wechsel in den allgemeinen Wohnungsmarkt.

Die Stadt plant Notschlafstellen für wohnungslose Drogenabhängige sowie für wohnungslose junge Erwachsene. Die Vergabeverfahren wurden eingeleitet. Für die Notschlafstelle für junge Erwachsene gingen zwei Angebote ein, allerdings konnten beide Bieter die im Leistungsverzeichnis ausgewiesenen Anforderungen nicht erfüllen. Nun wird es eine neue Ausschreibung geben. Die geplante "Notschlafstelle für wohnungslose junge Erwachsene" wird Männern und Frauen gleichermaßen zur Verfügung stehen.

Ist es einfacher, junge Menschen aus der Obdachlosigkeit zu holen als ältere? Welche speziellen Angebote gibt es dafür? Wie gliedert sich die geplante Unterkunft darin ein?

Die Gründe einer Obdachlosigkeit sind vielfältig und können nicht generell einer Personengruppe zu geordnet werden.

Junge Obdachlose treten selten sichtbar öffentlich in Erscheinung, zum Beispiel durch "Campieren" im Stadtgebiet. Sie haben häufig noch andere Möglichkeiten, halten sich z.B. vorübergehend bei Bekannten auf. Die Männerübernachtungsstelle an der Unionstaße wird von jungen Erwachsenen nur selten genutzt; sie machen nur einen Anteil von acht Prozent aus.

Für junge Obdachlose gibt es spezielle stationäre, teilstationäre und ambulante Angebote des "Verbundes sozialtherapeutischer Einrichtungen" (VSE ) und des "Sozial Betreuten Wohnens" (SBW), um sie bei der Wohneingliederung zu unterstützen.

Gleichwohl sind junge Obdachlose oftmals nicht in der Lage, den Wohnraum auf Dauer zu halten. Ihnen wird häufig wieder gekündigt, weil sie gegen ihren Mietvertrag verstoßen. Das Jugendberufshaus U 25 des Jobcenters bietet hier auch Unterstützung.

Die geplante Übernachtungsstelle für junge Erwachsene soll neben einer vorübergehenden Unterbringung auch einen schnellen und unbürokratischen Zugang zum Hilfesystem eröffnen. Denn wenn junge Menschen ihre Situation nachhaltig verändern möchten, muss sofort und unmittelbar ein Angebot vorhanden sein. Dies erfordert bereits zu Beginn eine professionelle Begleitung in die entsprechenden Leistungs- und Betreuungssysteme.

Die lebensälteren, wohnungslosen Menschen wiederum sind zwar wohnerfahren, dennoch ist dieser Personenkreis oftmals in Wohnungslosigkeit "verfestigt" aufgrund langer, psychischer Erkrankungen und/oder Drogen/Alkoholproblematik.

Zusätzliche Services durch städtische Unterstützung

Neben der Weiterentwicklung des Systems der Unterbringung sind zusätzliche Verbesserungen umgesetzt worden oder geplant.

So fördert die Stadt das "Gast-Haus" in der Rheinischen Straße 22, damit dessen Öffnungszeiten ausgeweitet werden konnten. Im Gast-Haus erhalten Wohnungslose konkrete persönliche Hilfen (Beratung, Freizeitangebote) sowie praktische Hilfen (Mahlzeiten, Gelegenheiten zum Duschen und Waschen von Wäsche).

Eine städtische Sozialarbeiterin unterstützt die Beratung vor Ort an drei Tagen in der Woche.

Weitere Tagestreffpunkte für Obdachlose sind die "Bahnhofsmission Dortmund", Königswall 15, sowie der zur Zentralen Beratungsstelle des Diakonischen Werkes gehörende "Brückentreff" in der Kesselstraße 50. Auf Basis der finanziellen Förderung durch die Stadt hat der Brückentreff 2018 seine Öffnungszeiten insbesondere an den Wochenenden in den Abendstunden erheblich erweitert.

Essenausgabestellen gibt es in sechs Einrichtungen der Dortmunder Tafel e.V.. Mahlzeiten bieten außerdem KANA – Dortmunder Suppenküche e.V., die "Franziskaner", der "Brückentreff" sowie das "Gast-Haus" an.

Straßensozialarbeiter helfen jungen Wohnungslosen

Das Jugendamt hat für junge wohnungslose Menschen Straßensozialarbeiter im Einsatz. Die Arbeit des Fachdienstes Streetwork besteht aus einer Kombination von Kontaktaufnahme und Kontaktpflege auf der Straße und Hilfen in der "Beratungs- und Überlebenshilfeeinrichtung" in der Leopoldstraße 22. Ziel ist es, den Zugang zum Hilfesystem zu ermöglichen, Zugangshemmnisse abzubauen und dadurch die Lebenssituation des Betroffenen zu verbessern und zu festigen.

Das Angebot für Jugendliche wird ergänzt durch das "Sleep In Stellwerk" - eine Notschlafstelle mit 10 Plätzen für Mädchen und Jungen zwischen 14 und 18 Jahren in Trägerschaft des Verbundes Sozialtherapeutischer Einrichtungen NRW e.V. (VSE).

Präventive Hilfe

Das Sozialamt hilft im Sinne der Prävention auch bei drohendem Verlust der Wohnung, zum Beispiel im Falle einer fristlosen Kündigung oder einer Räumungsklage.