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Engagement

Hartmut Anders-Hoepgen geht als Sonderbeauftragter für Vielfalt, Toleranz und Demokratie in den Ruhestand - OB Sierau benennt Manfred Kossack als Nachfolger

Nachricht vom 14.02.2020

Hartmut Anders-Hoepgen, ehrenamtlich tätiger Sonderbeauftragter der kommunalen Koordinierungsstelle für "Vielfalt, Toleranz und Demokratie" (VTD), geht in den Ruhestand. Als Nachfolger des 75-jährigen Anders-Hoepgen, der das Amt zwölf Jahre innehatte, hat Oberbürgermeister Ullrich Sierau den langjährigen Arbeitsdirektor von DSW21/DEW21, Manfred Kossack (66), benannt.

Von links: Manfred Kossack, Oberbürgermeister Ullrich Sierau und Hartmut Anders-Hoepgen

Von links: der neue Sonderbeauftragte Manfred Kossack, Oberbürgermeister Ullrich Sierau und Hartmut Anders-Hoepgen, der im Februar in den Ruhestand geht.
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dortmund-Agentur / Roland Gorecki

Am Donnerstag, 13. Februar, hat Oberbürgermeister Ullrich Sierau den Ältestenrat von der Nachfolgeregelung in Kenntnis gesetzt und dort viel Zustimmung für seinen Vorschlag erfahren.

Manfred Kossack wird die Nachfolge von Hartmut Anders-Hoepgen, der am 27. Februar offiziell im Rahmen einer Fachveranstaltung zur Förderung der Demokratie verabschiedet wird, am 1. März antreten. So ist ein nahtloser Übergang gewährleistet. "Die Stelle ist zu bedeutsam, als dass wir ein Vakuum über mehrere Monate hinnehmen könnten", sagt der OB. Mit Blick auf die Nachfolge im Amt des Oberbürgermeisters beruft OB Sierau Manfred Kossack zunächst für ein Jahr. So haben beide Seiten die Möglichkeit, gegebenenfalls 2021 auf neue Rahmenbedingungen zu reagieren.

Flagge zeigen gegen Rechts

Für Dortmunds Oberbürgermeister ist es unabdingbar, dass Stadt und Zivilgesellschaft im Kampf gegen Rechtsextremismus und Rechtspopulismus nicht nachlassen und weiter Flagge zeigen. Dazu gehören neben dem vielfältigen Engagement der Bürgerschaft auch die Arbeit der Koordinierungsstelle sowie die Stelle des Sonderbeauftragten.

"Wir wehren uns entschieden gegen jede Art von Ausgrenzung, Rassismus, Antisemitismus oder Extremismus. Dortmund ist und bleibt eine vielfältige Stadt, die sich von Hetzern und Spaltern nicht auseinanderdividieren lässt“, so der OB. "Insofern geht mein großer Dank an Hartmut Anders-Hoepgen, der seit zwölf Jahren ein bekanntes Gesicht des Engagements für eine offene und tolerante Gesellschaft und in der Auseinandersetzung mit dem Rechtsextremismus ist." Sierau weiter: "Da die gesellschaftliche Arbeit von Hartmut Anders-Hoepgen auch mit Angriffen verbunden war, ist sein Einsatz gar nicht hoch genug zu bewerten."

Es ist wichtig, dass zwischen gesellschaftlichen Gruppen vermittelt wird und Wege geebnet werden, die sonst nicht gangbar wären. Dafür steht Manfred Kossack.

Oberbürgermeister Sierau

Mit Manfred Kossack steht ein idealer Nachfolger bereit. "Manfred Kossack ist bestens vernetzt und bekannt", so der OB. "Er kennt sich in Wirtschaft und Arbeiternehmerschaft aus. Es ist wichtig, dass zwischen gesellschaftlichen Gruppen vermittelt wird und Wege geebnet werden, die sonst nicht gangbar wären. Dafür steht Manfred Kossack – das ist von großem Wert für die Stadt."

"In den letzten zwölf Jahren wurde durch Hartmut Anders-Hoepgen und die Koordinierungsstelle eine sehr gute Arbeit geleistet", sagt Manfred Kossack. "Es ehrt mich sehr, für die Stadtgesellschaft anzutreten und die Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus und Rechtspopulismus mit Hilfe der Bürgerinnen und Bürger weiterzuführen und mit voranzubringen. Es ist eine herausfordernde Arbeit, der ich mich gerne stelle." Für Hartmut Anders-Hoepgen ist der Nachfolger eine sehr gute Wahl. "Ich freue mich sehr über die direkte Wiederbesetzung", sagt der Sonderbeauftragte.

Hartmut Anders-Hoepgen

Hartmut Anders-Hoepgen gibt seinen Posten als Sonderbeauftragter im März 2020 weiter.
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dortmund-Agentur / Roland Gorecki

Aktionsplan 2007 auf den Weg gebracht

Hartmut Anders-Hoepgen stand in seiner Funktion als Superintendent und Vorstandsvorsitzende der Vereinigten Evangelischen Kirchenkreise (VKK) für Dortmund und Lünen wenige Tage vor seiner Pensionierung, als der damalige OB Dr. Gerhard Langemeyer ihn bat, ehrenamtlicher Sonderbeauftragter der neu zu schaffenden "Koordinierungsstelle für Vielfalt, Toleranz und Demokratie - gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus" zu werden. Die Koordinierungsstelle sollte im Rathaus direkt im Bereich des Oberbürgermeisters angesiedelt werden.

Persönlichkeit aus der Zivilgesellschaft

Am 13. September 2007 gab der Rat der Stadt Dortmund der Verwaltung den Auftrag, einen lokalen Aktionsplan für Vielfalt, Toleranz und Demokratie zu erstellen. Der Grund waren die zunehmenden Aufmärsche und Aktionen von Rechtsradikalen und Neonazis, denen sich die Stadt damals ausgesetzt sah. Das Engagement dagegen zu organisieren, sollte Hartmut Anders-Hoepgen in die Hand nehmen - eine Persönlichkeit aus der Zivilgesellschaft, die respektiert wird, gut vernetzt, ungebunden, aber durchaus sehr politisch ist.

Anders-Hoepgen fiel seine Entscheidung nicht schwer. Denn gleich drei Komponenten - eine biografische, eine theologische und eine politische - sprachen dafür. "Ich bin 1944 geboren. Mein Vater war schon tot, als ich geboren wurde. Das hat mich beschäftigt", sagt er. "Mein Adoptivvater hatte ein Jahrzehnt in Gefangenschaft verbracht. Ich war fünf oder sechs Jahre alt, als er in die Familie kam. Er war gezeichnet vom Krieg und den Folgen und ich habe die zertrümmerten Städte gesehen." Das hat den Westfalen in seiner politischen Achtsamkeit und Wahrnehmung geprägt. Ihn treibt es nach wie vor um, "was an Gedankenübel - ich sage Gedankenübel, nicht Gedankengut - wieder Anklang findet", sagt er mit Blick auf Rechtsextremismus und Rechtspopulismus. Der Rechtspopulismus bereite dem Rechtsextremismus immer stärker den Weg. Das Ziel, die Demokratie als Ganzes abzuschaffen, werde immer deutlicher sichtbar. "Das ist die Motivation, die mich bewogen hat, die Beauftragung zu machen."

Umfassendes städtisches Handlungskonzept gegen Rechts

Für diese Aufgabe hat der Rat mit dem Aktionsplan, der ihm im Jahr 2011 vorgelegt wurde, den Grundstein gelegt. Der Aktionsplan wurde mehrfach fortgeschrieben. Einher ging eine Analyse der Problemlagen des Rechtsextremismus in Dortmund. Aber fast noch wichtiger war, wie bestehende Strukturen und Aktivitäten gegen Rechts effektiv vernetzt, unterstützt und zielgerichtet ausgebaut wurden. Das Ziel war und ist ein umfassendes städtisches Handlungskonzept für Vielfalt, Demokratie und Toleranz.

Ein Schwerpunkt liegt dabei insbesondere in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Individuelle Prävention ist ein wichtiger Baustein des Aktionsplans. Alle Bürger*innen sind gefordert, sich zu wehren und gemeinsam an einer vielfältigen Gesellschaft zu bauen.

Manfred Kossack

Manfred Kossack wird ab März 2020 neuer Sonderbeauftragter für Vielfalt, Toleranz und Demokratie in Dortmund.
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dortmund-Agentur / Roland Gorecki

Die Arbeit hat sich entwickelt, auch in der Koordinierungsstelle, der Anders-Hoepgen vorsteht. Zunächst war es Uwe Büscher, der von Januar 2008 mit einer halben Stelle dem ehrenamtlichen Sonderbeauftragten zur Seite stand. Ihm folgte Dr. Stefan Mühlhofer nach. Mühlhofer hatte rund drei Jahre lang (1. September 2008 bis 31. Dezember 2011) eine halbe Stelle in der Koordinierungsstelle sowie eine weitere halbe Stelle als Leiter der Mahn- und Gedenkstätte Steinwache. Damit gab es eine einmalige Verbindung in der Arbeit zwischen dem Gedenken und der Aufarbeitung des historischen Nationalsozialismus und der Arbeit gegen den aktuellen Rechtsextremismus.

Koordinierungsstelle ist gewachsen

Mittlerweile ist - nicht zuletzt wegen der erkannten Notwendigkeit und der vielfältigen Aufgaben - die hauptamtliche Struktur in der Koordinierungsstelle gewachsen. Seit April 2011 war es Birgit Miemitz und ab Mai 2013 verstärkt um Michael Plackert, die sich hauptamtlich um die Arbeit kümmerten. Im September 2017 wurde das Team mit Julian Becker verstärkt. Eine vierte Stelle ist in der Ausschreibung. Komplettiert wird das hauptamtliche Team durch Kim Wollnik. Sie ist externe Projektbegleitung für das Programm "Demokratie leben!", bzw. "Partnerschaften für Demokratie".

Beratungsstelle für Opfer rechtsextremer und rassistischer Gewalt

Weitere wichtige Schritte: Seit 2011 gibt es eine Beratungsstelle für Opfer von rechtsextremer und rassistischer Gewalt: Back-Up, finanziert von Stadt und Land. Seit 2014 hat der Verein "BACKUP - COMEBACK - Westfälischer Verein für die offensive Auseinandersetzung mit dem Rechtsextremismus e.V." die Trägerschaft für die Opferberatung übernommen. Der Verein - ebenfalls unter Vorsitz von Hartmut Anders-Hoepgen - hat sich die Auseinandersetzung mit dem Rechtsextremismus in ganz Westfalen zum Ziel gesetzt.

Vernetzung der Beteiligten wurde deutlich verbessert

Im Kampf gegen Rechtsextremismus und Intoleranz konnten in den letzten Jahren viele Erfolge verbucht werden. Die Zahl der Runden Tische und Bündnisse hat zugenommen. Die Stärkung und vor allem die wichtige Vernetzung der Beteiligten wurden deutlich verbessert. Der Begleitausschuss für die Koordinierungsstelle, der auch über die Projektanträge entscheidet, sowie die Akteurs- bzw. Demokratiekonferenzen spielen eine wichtige Rolle. Fast alle stadtgesellschaftlich wichtigen Akteure sind beteiligt, inklusive des BVB.

Zudem ist im fortgeschriebenen Aktionsplan das Thema Rechtspopulismus genauso wie die Bereiche Prävention und Öffentlichkeitsarbeit hinzugekommen. Diese Arbeit wird auf vielen Ebenen der Stadtgesellschaft und in der Koordinierungsstelle weitergeführt.

Testimonials aus der Zivilgesellschaft

"Der DGB Dortmund begrüßt, dass Manfred Kossack Nachfolger von Hartmut Anders-Hoepgen wird. Nur weil wir vor einer Kommunalwahl stehen, darf ein solch wichtiges Amt nicht unbesetzt bleiben. Gerade in der aktuellen Situation dürfen wir keinen Zweifel an der klaren Haltung der Stadt aufkommen lassen. Manfred Kossack ist gut vernetzt und in der Stadt bekannt, so dass er diese Aufgabe gut erfüllen wird."
Jutta Reiter, Vorsitzende DGB Dortmund

"Ich freue mich, dass Hartmut Anders-Hoepgen bei BackUp-ComeBack weiterhin dem Verein für die offensive Auseinandersetzung mit dem Rechtsextremismus vorsteht. Und ich bin froh, dass nun nahtlos mit Manfred Kossack ein Nachfolger in das Amt des Sonderbeauftragten eintritt. Ich bin mir sicher, dass Manfred Kossack sich ebenfalls hoch engagiert, kompetent und empathisch einbringen wird. Auch er ist in unserer Stadt gut vernetzt und - ich füge noch hinzu - auch überparteilich. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit. Glück auf!"
Georg Deventer, Dortmunder Arbeitskreis gegen Rechtsextremismus

"Die jüdische Gemeinde begrüßt die Ernennung von Manfred Kossack als Sonderbeauftragten in der Koordinierungsstelle für Vielfalt, Toleranz und Demokratie. Wir haben Herrn Kossack bereits in der Vergangenheit als zuverlässigen und engagierten Partner im gemeinsamen Kampf gegen Antisemitismus und Diskriminierung kennengelernt. Wir sind sehr zuversichtlich, dass Herr Kossack die wertvolle und erfolgreiche Arbeit, die Hartmut Anders-Hoepgen seit 2007 ehrenamtlich als Sonderbeauftragter geleistet hat, ebenso erfolgreich weiterführen wird. Für dieses Ehrenamt, das Herr Kossack nun übernehmen wird, wünschen wir ihm viel Erfolg und sind sicher, mit ihm einen verlässlichen Partner an unserer Seite zu haben."
Leonid Chraga, Geschäftsführer der Jüdischen Kultusgemeinde

"Ich war nie Mitglied irgendeiner Partei und blicke - schon mein Leben lang - argwöhnisch auf Besetzungen von Posten, die manchmal ein Rätsel sind, wobei mir aber nicht zusteht, Kompetenzen anzuzweifeln. Zweifel an der Kompetenz eines Hartmut Anders-Hoepgen hatte ich nie. Der Kampf gegen Diskriminierung und Rassismus lag bei ihm in den besten Händen. Und daran muss sich Manfred Kossack in Zukunft messen lassen. Aber eins ist klar: ich glaube ihm. Denn wenn einer sich in diesem für Dortmund so wichtigen, wie ehrenamtlich aufreibenden Job zur Verfügung stellt, ist das ein Wert an sich. Und das finde ich gut! Ich wünsche ihm viel Glück und werde, genau wie ich Hartmut Anders-Hoepgen unterstützt habe, meine Möglichkeiten zur Zusammenarbeit anbieten."
Fred Ape, Musik-Kabarettist und Veranstalter

"Die Koordinierungsstelle für Vielfalt, Toleranz und Demokratie und der ehrenamtliche Sonderbeauftragte sind für viele engagierte Demokrat*innen aus der Zivilgesellschaft in Dortmund sehr wichtig. Die Kontinuität dieser Arbeit der Koordinierungsstelle und des Sonderbeauftragten ist daher für viele Akteure der Zivilgesellschaft unerlässlich."
Friedrich Gnad, Mitglied am Runden Tisch für Toleranz und Verständigung in Dorstfeld, Mitglied im AK Christen gegen Rechtsextremismus und Mitglied des Presbyteriums der Evangelischen Elias-Kirchengemeinde Dortmund

Dieser Beitrag befasst sich mit Verwaltungsangelegenheiten der Stadt Dortmund. Dieser Hinweis erfolgt vor dem Hintergrund aktueller Rechtsprechung.