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Coronavirus

Dortmunder Kulturszene in der Coronasituation

Nachricht vom 28.04.2020

Auch die Kulturszene bleibt nicht unberührt von der aktuellen Coronasituation. Kulturdezernent Jörg Stüdemann sprach gemeinsam mit Verantwortlichen der Dortmunder Kulturszene in einer Pressekonferenz am 27. April 2020 über die Auswirkungen auf (städtische) Kulturbetriebe und Unterstützungsmöglichkeiten der freien Kulturschaffenden.

Außenansicht Opernhaus Dortmund

Zu Coronazeiten steigen die Dortmunder Kultur-Einrichtungen auf virtuellen Kurs um.
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Theater Dortmund

Stüdemann konstatierte mit Freude die "positive Novität, dass die Kulturlandschaft der Bundesrepublik, von Nordrhein-Westfalen und der Stadt mitgenommen worden ist in allen Überlegungen bezüglich der Rettungsschirme, der Sofortprogramme, der steuerlichen Erleichterungen." Das sei eine positive Wertschätzung des Kulturlebens. "Die Erschütterungen sind so gravierend und grundlegend, wie wir sie nicht kennen", fuhr der Kulturdezernent fort. Deshalb seien die Rezepturen auch keine bekannten Maßnahmen, sondern es sei müsse in der Arbeit immer wieder nachjustiert werden.

Grundsicherung und Blick in die Zukunft

Stüdemann appellierte an Bund und Land, ausgelaufene Programme zu verlängern. "Es ist wichtig, dass NRW in dieselbe Richtung denkt wie etwa Baden-Württemberg. Dort wurde die Grundsicherung für Künstler*innen installiert - erstmal über mehrere Monate, um die Arbeitsfähigkeit perspektivisch für diejenigen zu erhalten, die nicht über die materiellen Möglichkeiten verfügen." Des Weiteren sprach sich der Kulturdezernent dafür aus, Infrastrukturprogramme für die freie Kunst- und Kulturszene - ebenfalls über die nächsten Monate - zu etablieren. Dort seien die Absicherungsmaßnahmen schwieriger, als bei den öffentlich getragenen Einrichtungen. "Die Rücklagen in der freien Szene sind sehr klein. Schwierigkeiten kann man dort nur über eine kurze Durststrecke durchstehen."

Mit seinem dritten Anliegen - die Re-Normalisierung in der Nach-Coronazeit - schaute Stüdemann schon deutlich weitere in die Zukunft: "Das wird zwar noch dauern, aber damit habe wir Zeit, eine Exit-Strategie für den Kulturbereich zu entwerfen. Hier ist es notwendig, dass die Fachleute, die Kultureinrichtungen führen - seien es Museen, Theater, Konzerthäuser - in eine solche Strategie miteinzubinden. Große Kultureinrichtungen haben einen Vorlauf. Wenn sie selbst produzieren, sind das etwa sechs bis zehn Wochen Vorbereitungszeit bis zur Bühnenreife."

Alternative Digitalisierung

Dr. Stefan Mühlhofer, geschäftsführender Direktor Kulturbetriebe, erklärte: "Die Lage für die Kultur ist derzeit sehr schwierig. Auf lange Zeit wird sich vieles verändern und anders sein, als vor dem Corona-Ausbruch. Darauf haben sich die Institutionen in den Kulturbetrieben eingestellt. Wir haben die Digitalisierung stark nach vorne gebracht. Überall werden digitale Forme angeboten und angenommen." Als Beispiel führte Mühlhofer die Volkshochschule (VHS) an. Die VHS habe schon vor vielen Jahren digitale Lernformate angeboten, diese seien allerdings nicht angenommen worden. Im Gegensatz zur aktuellen Situation, in der diese Lernform sehr wohl bei Nutzern ankommt, wie etwa Sprachkurse, Integrationskurse und die berufliche Deutschförderung.

Auch andere Einrichtungen sind virtuell auf einem guten Kurs: Die Musikschule hat den Musikunterricht ebenfalls in die digitale Welt verlegt. Auf dem Youtube-Kanal der Uzwei geben die Workshop-Leiter ausgefallener Kurse Online-Tutorials. Das Kindermuseum Adlerturm hat einen Instagram-Kanal gestartet, das Museum Ostwall, Museum für Kunst und Kulturgeschichte und der Comic-Schauraum haben für Social Media mehrere Videos mit Kurzführungen produziert. Das Dietrich-Keuning-Haus sendet zweimal wöchentlich auf seinen Youtube-Kanal ein Online-Kulturprogramm. Die städtische Galerie Torhaus Rombergpark verwandelt sich derzeit in eine virtuelle Galerie.

Dennoch, so warnte Mühlhofer, sei die Digitalität kein Ersatz für die Realität: "Die Kultureinrichtungen arbeiten an der Frage, wie können - unter Auflagen - Kulturhäuser und -institutionen wieder öffnen." Ab dem 28. April öffnen, in einem eingeschränkten Maße, etwa die Bibliotheken wieder.

Geänderte Rolle der Kunstschaffenden

Der geschäftsführende Direktor des Theaters Dortmund, Tobias Ehinger, beschrieb die derzeitige Situation des Hauses anhand der nicht realisierten Projekte. Bezogen auf die Zeit vor der Corona-Krise blicke man "auf eine extrem erfolgreiche Spielzeit zurück", die man mit einem Schwerpunkt auf Internationalität krönen wollte. "So waren Gastauftritte des Balletts in Tel Aviv und anderen Städten Israels geplant, außerdem Gastspiele in Italien, Spanien und Taiwan", bedauerte Ehinger.

Gleichzeitig betonte er die Kreativität, mit denen die verschiedenen Sparten der Krise begegnen. Innerhalb kürzester Zeit sei allen Beteiligten klargewesen, dass Theater nun eine andere Rolle in der Gesellschaft wahrnehmen müsse. Der soziale Aspekt trat in den Vordergrund, man wolle "Menschlichkeit in die Stadt geben": Ein Fahrzeug des Theaters wurde etwa zu einem Musik-Truck umgebaut, mit dessen Hilfe kleine Konzerte vor Senior*innenresidenzen gegeben werden. Eine Vielzahl der Mitarbeiter*innen näht Schutzmasken für Krankenhäuser. Und auch im Netz ist das Theater Dortmund präsent, etwa durch einen Lieblingsspielplan der Philharmoniker. Aber, schränkt Ehinger die emotionale Reichweite von Übertragungen im Netz ein, "Streaming reicht nicht. Es fehlt das Unmittelbare der Kunst".

Tobias Ehinger ist davon überzeugt, dass diese Kunst ab Anfang September wieder live vor Ort erfahrbar sein wird. Gerade Kulturbetriebe wie ein Theater könnten kreativ auf die derzeitige Situation reagieren und Exit-Strategien schaffen. Nicht zuletzt aufgrund der räumlichen Möglichkeiten sei es möglich, Kunst mit dem angemessenen Abstand zwischen Zuschauer*innen und den Akteuren auf der Bühne zu schaffen.

Konzertsäle "ideale Orte"

Ähnlich wie Tobias Ehinger argumentierte auch der Intendant des Konzerthauses Dortmund, Raphael von Hoensbroech. Auch er hält eine baldige schrittweise Öffnung der größeren Kulturbetriebe für realistisch. Gerade Konzerthäuser seien "aufgrund ihrer ausgezeichneten Belüftungstechnik in den Sälen ideale Orte, Kunst wieder zu den Menschen zu bringen", erklärte von Hoensbroech. Derzeit bereite man sich mit unterschiedlichen Szenarien auf die neue Saison vor.

"Oft hört man, dass die Kultur einen Platz am Tisch von Politik und Wirtschaft haben sollte. Um mit dem berühmten Cellisten Yo-Yo Ma zu sprechen: Ich bin der Überzeugung, dass Kultur der Tisch ist, an dem Politik und Wirtschaft verhandelt werden. In diesem Sinne ist Kultur absolut systemrelevant, das darf in dieser Krise nicht verspielt werden“, so von Hoensbroech.

Hilfe für die freie Szene

Den Blick auf die schwierige Situation der freien Kulturszene in Dortmund lenkten Hendrikje Spengler, Leiterin des Kulturbüros Dortmund, und Claudia Schenk, Sprecherin der freien Kulturzentren. Spengler verwies zunächst auf den Sondernewsletter, anhand dessen das Kulturbüro seit Einstellung sämtlicher kultureller Veranstaltungen Mitte März freien Kulturschaffenden hilft, sich einen Überblick bezüglich der Hilfsmaßnahmen von Kommunen und Land zu verschaffen.

"Der Newsletter hilft aber auch uns zu erfahren, wie es den Künstler*innen geht? Welche Hilfsmaßnahmen sind notwendig? Schließlich sind von jetzt auf gleich alle Verdienstmöglichkeiten weggebrochen", erklärte Spengler weiter. Zwar seien in der freien Szene in kürzester Zeit eine Vielzahl neuer Ideen entstanden, etwa die Plattform "Stay home by Art", die es möglich macht, Bilder im Netz zu präsentieren. Aber bei aller Kreativität "bleibt die Situation prekär".

Vor diesem Hintergrund wandte sich Claudia Schenk mit einem Appell an Kommunen, Bund und Länder. Es müsse deutlich mehr und perspektivisch für die freie Szene geleistet werden. So seien viele Einzelkünstler*innen bei den rasch aufgelegten Sofortprogrammen gar nicht zum Zuge gekommen, außerdem seien diese Mittel mittlerweile ausgeschöpft: "Wir benötigen kurzfristig ein Soforthilfeprogramm gekoppelt an eine Exit-Strategie, die sich gut umsetzen lässt." Außerdem, erklärte Schenk weiter, brauche man eine Debatte darüber, wie es "nach Corona perspektivisch mit der freien Szene weitergehen kann".

Torsten Tullius, Gaye Suse Kromer

Weitere Informationen

Dortmunder Museen/Ausstellungen

Die für den 7. Juni geplante Eröffnung des Naturmuseums fällt aus - das Museum an der Münsterstraße eröffnet nach dem umfangreichen Umbau mit seiner neuen Dauerausstellung voraussichtlich im September.

Das Dortmunder U kann die ab 14. August geplante Ausstellung "Studio 54“" in diesem Jahr nicht mehr zeigen: Die Schau über den legendären Nachtclub soll am derzeitigen Ausstellungsort, dem Brooklyn Museum in New York, aufgrund der Schließung der Museen länger laufen als geplant. Das Festival "Sommer am U" sowie das Programm zum 10. Geburtstag des U mit dem "Kleinen Freitag" laufen (wieder) ab Mitte Juli - möglicherweise unter angepassten Bedingungen oder in digitaler Form. Die geplante Geburtstagsparty am 7. Juni entfällt.

Das Museum für Kunst und Kulturgeschichte verlängert seine Familienausstellung "Robin Hood", die eigentlich bis Mitte April geplant war, bis 20. September.

Das Kindermuseum Adlerturm kann nicht öffnen, so lange die Abstandsregelungen gelten, ebenso die Bibliothek des deutschen Kochbuchmuseums, die aber weiterhin für Anfragen zur Verfügung steht.

Das Hoesch-Museum beteiligt sich an den Vorbereitungen zur Wiedereröffnung - die Entscheidung darüber trifft jedoch der Trägerverein der Freunde des Hoesch-Museums.

Kulturbüro

Das Kulturbüro bietet derzeit Beratungen und Informationen für freie Kunstschaffende und arbeitet an Unterstützungsformaten für diese Zielgruppe. Darüber hinaus fördert das Kulturbüro auch in der Krise weiter: Förderungen, die bereits bewilligt sind, werden nicht grundsätzlich zurückgefordert, auch wenn sie ausgefallen sind oder abgesagt wurden. Detaillierte Infos gibt es unter kulturbuero.dortmund.de

Das Micro!Festival, das traditionell am letzten Wochenende der Sommerferien stattfindet, fällt in diesem Jahr aus, ebenso wie das Schul- und Jugendtheaterfestival Wechselspiel.

VHS

Beruflich relevante Weiterbildungen werden zeitnah nachgeholt. Die Volkschulen haben für die Schulabschlusslehrgänge einen Antrag beim zuständigen Ministerium gestellt, dass der Unterricht für die Prüfungslehrgänge wieder aufgenommen werden kann.

Dietrich-Keuning-Haus

Im Programm des Dientrich-Keuning-Hauses fallen ersatzlos aus: die Flash-Dance-Week im April mit mehr als 150 jungen Tänzer*innen aus ganz Deutschland, das gemeinsame Fastenbrechen am 29. April sowie das Internationale Tanzfestival "TanzFolk" am 16. Mai. Der geplante "Talk im DKH" mit Michel Friedman zum NSU-Jahrestag wird Anfang Juni online stattfinden.

Dieser Beitrag befasst sich mit Verwaltungsangelegenheiten der Stadt Dortmund. Dieser Hinweis erfolgt vor dem Hintergrund aktueller Rechtsprechung.