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Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Jesús González Rebordinos

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Museen

Brauerei-Museum eröffnet Ausstellung über Bierlieferung und Schanktechnik früher und heute

Nachricht vom 29.06.2020

Von Bierlieferung und Schanktechnik vom 19. Jahrhundert bis heute erzählt die neue Sonderausstellung "Wirte, Brauer, Bierkutscher", die das Brauerei-Museum Dortmund vom 27. Juni bis zum 31. Dezember 2020 zeigt. Zu sehen sind teils sehr alte und seltene historische Aufnahmen und viele Objekte.

Bierpause Hansa

Bierpause Ende 1950er Jahre
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Brauereimuseum

Ursprünglich brauten Wirte in Westfalen ihr Bier ganz überwiegend selbst und schenkten es vor Ort aus. Brauer waren in aller Regel auch Wirte und im westfälischen Raum häufig zugleich Bäcker. Erst im Zuge von Industrialisierung und Urbanisierung trennten sich die Gewerbe: Gasthäuser produzierten nicht mehr selbst, sondern bezogen ihr Bier von den aufstrebenden Großbrauereien. Diese wiederum hatten ein großes Interesse, möglichst viele Wirte fest an sich zu binden. Einmal um ihren Absatz zu steigern, zum anderen ließ sich die Produktion gut vorausplanen.

Vom Kaltblüter zum LKW

Damit entfaltete sich seit der Mitte des 19. Jahrhunderts eine moderne Infrastruktur der Bierlieferung. Sie umfasste die rechtliche ebenso wie die logistisch-technische und organisatorische Ebene. Anfangs holten sich die Wirte ihr Bier großenteils selbst von der Brauerei. Später übernahmen Bierverlage mehr und mehr die Lieferung. Sie bezogen Bier in größeren Mengen von den Brauereien und verkauften es weiter an Wirte, Veranstalter und Vereine sowie als Flaschenbier an private Haushalte und den entstehenden Einzelhandel.

"Flaschbierwagen vor 1900": photographische Anstalt Barop, um 1895

"Flaschbierwagen vor 1900": photographische Anstalt Barop, um 1895
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Photographische Anstalt Barop

Je größer und kapitalkräftiger die Brauereien wurden, desto stärker engagierten sie sich seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert selbst im Bierlieferungsgeschäft. Man erwarb in wachsender Zahl Bahnwaggons, die sich bei Bedarf kühlen oder heizen ließen, für den Ferntransport. Zur Belieferung der näheren Umgebung legte man sich zahlreiche Pferde und Wagen zu. Für ein halbes Jahrhundert gehörten nun die von starken Kutschern gefahrenen und von schweren Kaltblütern gezogenen Fassbierwagen zum Stadtbild. Noch vor dem Ersten Weltkrieg kamen die ersten motorisierten Lastkraftwagen im Biertransport zum Einsatz. In den 1920er bis 1930er Jahren ersetzten die LKW dann zunehmend die von Pferden gezogenen Wagen.

Von der Bierkanne zur Zapfsäule

Parallel dazu erlebten die Kühl- und Schanktechniken in den Gasstätten eine Revolution. Ursprünglich hatte der Wirt sein Bier aus einem in der Schankstube aufgebockten Fass gezapft. Üblich war auch, das Bier in Kannen aus dem Keller zu holen, wo die Fässer kühl lagerten.

Nun ermöglichten kupferne Leitungen, neue Zapfhähne, Bierdruckapparate und Kohlensäure das Zapfen mit beträchtlichem Abstand zum Fass, das im Keller verbleiben konnte. Es entstand seit der Wende zum 20. Jahrhundert die moderne Thekenanlage mit der im Zentrum des Schanktisches montierten Zapfsäule.

Zugleich verbesserten sich die Kühlverfahren. Lange Zeit kühlte man mit dem von der Brauerei gelieferten Stangeneis. Ab den 1920er/30er Jahren entfaltete sich die elektrische Kühlung mit Kühlräumen und Kühlschränken.

Kalli Dickhut, ehemaliger Bierfahrer und Betriebsrat der Stifts- und der Kronen-Brauerei und Horst Duff, ehemaliger Lkw-Fahrer der Dortmunder Actien-Brauerei

(v.li.): Kalli Dickhut, ehemaliger Bierfahrer und Betriebsrat der Stifts- und der Kronen-Brauerei und Horst Duff, ehemaliger Lkw-Fahrer der Dortmunder Actien-Brauerei
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Stadt Dortmund / Katrin Pinetzki

Ende einer Epoche der Braugeschichte

In den 1950/60er Jahren erlebte die Verbindung von Brauerei und Gastwirtschaft ihre Hoch-Zeit. Die Brauereien bauten riesige Fuhrparks auf mit einer Vielzahl von Lastkraftwagen und Mitarbeitenden. Die Gaststätten wurden von den Bierfahrern der Brauerei direkt beliefert. Schanktechniker kümmerten sich um die Reparatur, Reinigung und Wartung der Zapfanlagen.

Seit den 1980er Jahren schafften die Brauereien ihre Fuhrparks und damit die direkte Belieferung der Gastwirtschaften wieder ab. Damit endete eine Epoche der Braugeschichte. Heute fließt nur noch ein Fünftel der gesamten Bierproduktion durch die Zapfanlagen der Gastronomie.

Zum Thema

Der Eintritt zur Ausstellung ist frei. Geöffnet ist das Brauereimuseum, Steigerstr. 16, Di, Mi, Fr, So 10:00 bis 17:00 Uhr, Do 10:00 bis 20:00 Uhr und Sa 12:00 bis 17:00 Uhr. Weitere Infos finden Sie online.

Dieser Beitrag befasst sich mit Verwaltungsangelegenheiten der Stadt Dortmund. Dieser Hinweis erfolgt vor dem Hintergrund aktueller Rechtsprechung.