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Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Jesús González Rebordinos

Corona und Kultur

"Mit Kreativität durch die Krise" – Theater Dortmund blickt auf eine außergewöhnliche Spielzeit zurück

Nachricht vom 10.11.2020

Die Corona-Pandemie stoppte eine Theater-Saison, die in verschiedenen Bereichen Rekorde und Erfolge verhieß. Trotz der Corona-Maßnahmen, die die komplette Einstellung des Spielbetriebs bedeuteten, stellte das Theater Dortmund seine Kreativität mit neuen Formaten unter Beweis.

Das Theater Dortmund ist ein Sechs-Sparten-Haus mit Oper, Ballett, Philharmonikern, Schauspiel, Kinder- und Jugendtheater und der Akademie für Theater und Digitalität. Quelle: YouTube

Die Werkstätten des Theaters stellten in kürzester Zeit die Produktion auf Nase-Mund-Masken (die Näh-Anleitung für Zuhause gibt es hier) und Spuckschilder um, die an städtische Einrichtungen gingen. Künstlerische Produktionen waren nur noch online, dafür jedoch einem weltweiten Publikum zugänglich. Mit neuen Formaten wie "Musik auf Rädern" und den "Terrassenkonzerten" sorgten die Oper Dortmund und die Dortmunder Philharmoniker für die künstlerische Grundversorgung der Stadt. Die Aktivitäten des Theater Dortmund erregten ein überregionales bis internationales Interesse. Ein Bericht der BBC World News über das Dortmunder Ballett erreichte weltweit 60 Mio. Zuschauer*innen.

Oper Dortmund

In der ersten Hälfte der Spielzeit 2019/20 wurde in der Oper Dortmund, unter der Leitung von Intendant Heribert Germeshausen, das Rekordergebnis der Spielzeit 18/19 bis zum Lockdown im Vergleichszeitraum um sieben Prozent übertroffen. Überregionale Aufmerksamkeit erhielten vor allem die Produktionen "Lohengrin" (30. November) und "Die Stumme von Portici". Bei "Lohengrin" sorgten zwei Rollendebüts von Bayreuth-Sänger Daniel Behle und der jungen Sopranistin Christina Nilsson als Elsa für Aufsehen.

Thomas Jauk, Stage Picture

Die Produktion "Lohengrin" erhielt überregionale Aufmerksamkeit. Auf dem Foto zu sehen sind Christina Nilsson (Elsa von Brabant), Daniel Behle (Lohengrin).
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Thomas Jauk, Stage Picture

International in den Fokus rückte die Oper "Die Stumme von Portici" mit dem Dortmund-Debüt des Regisseurs Peter Konwitschny. Die Premiere musste corona-bedingt als "Geisterpremiere" über die Bühne gehen. Ein besonderes Augenmerk lag in der Spielzeit in der Kinder- und Jugendarbeit mit dem hierfür aufgebauten Junge Opern-Ensemble. Neu eingeführt wurden dafür Formate wie "Klasse führt Regie", das "Familiensingen" und – in Zusammenarbeit mit den Dortmunder Philharmonikern – die "Klanghöhle". Die Uraufführung der Bürger*innenOper "We Do Opera!" wurde coronabedingt verschoben.

Ebenfalls der Pandemie zum Opfer fielen das Festival Wagner-Kosmos, die Deutsche Erstaufführung der französischen Version der dritten Fassung von Spontinis Oper "Fernand Cortez", die Uraufführung von Avner Dormans Oper "Die Kinder des Sultans" sowie weitere Produktionen aus dem neuen Festival Beyond Opera. Die Pandemie hat die auf Jahre hinweg konzipierte Spielzeit der Oper Dortmund aufs Empfindlichste gestört – doch es gelang dennoch, künstlerisch aktiv zu bleiben. So wurden Konzerte vor Altenheimen und Pflegeeinrichtungen gegeben sowie Podcasts für ein junges Publikum produziert.

Auf dem YouTube-Kanal des Theaters wurde es besonders kreativ: auch von Zuhause traten die Künstler*innen auf die virtuelle Bühne. Quelle: YouTube

Dortmunder Philharmoniker

"Am Puls der Stadt", lautete das Motto der siebten Spielzeit der Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung von Generalmusikdirektor Gabriel Feltz. In den zehn Philharmonischen Konzerten thematisierte das Orchester musikalisch Städte wie New York, St. Petersburg und Wien. Ein Höhepunkt dieser Reihe war das Konzert zur Stadt Mailand mit dem Requiem von Giuseppe Verdi.

Die Corona-Pandemie machte es nötig, mit neuen Ideen die kulturelle Grundversorgung der Stadt sicherzustellen. Mit Formaten wie "Musik auf Rädern" traten die Dortmunder Philharmoniker vor Seniorenheimen, Krankenhäusern oder Behindertenwerkstätten auf. Außerdem verlegten sie ihr Programm ins Internet. So entstanden in Zusammenarbeit mit dem Dortmunder Ballett Kurzfilme zum Thema "Die vier Temperamente". Die Musikvermittlung der Philharmoniker produzierte über 20 Podcasts für junge Musikinteressierte. Die neu geschaffenen Terrassenkonzerte waren bei der Lockerung des Lockdowns restlos ausverkauft.

Tanzszene aus Digital & Analog

"Fluid Housing" - das erste intermediale Ballett der Tanzgeschichte
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Bettina-Stöß

Ballett Dortmund

Als Auftakt der Spielzeit präsentierte Xin Peng Wang mit dem NRW-Juniorballett die Uraufführung "#Zauberflöte3.0". Unter der Regie und Choreografie von Raimondo Rebeck entstand ein Gemeinschaftsprojekt mit der Akademie für Theater und Digitalität. Mit der Premiere in Rüsselsheim und weiteren Gastspielen in Landau, Schweinfurt, Düren sowie Marl gab es bundesweite Resonanz. Als ersten Höhepunkt der Saison im Opernhaus präsentierte Xin Peng Wang den zweiten Teil seiner Tanztrilogie "Die Göttliche Komödie" nach Dante Alighieri.

Am 24. November 2019 präsentierte das Ballett Dortmund zum 100. Gründungsjubiläum des Bauhaus eine Neukreation "Fluid Housing", das erste intermediale Ballett der Tanzgeschichte in der Choreografie von Wubkje Kuindersma. Es folgte als absolutes Spielzeit-Highlight das Ballett "Ein Mittsommernachtstraum" von Alexander Ekman. Aufgrund der Corona-Pandemie mussten die Gastspiele in St. Petersburg und Israel verschoben werden. Mit dem Kultursommer auf Schloss Bodelschwingh hat das Dortmunder Ballett die ereignisreiche und durch Corona auch herausfordernde Spielzeit 2019/20 beendet.

Für seine letzte Dortmunder Inszenierung begab sich Intendant Kay Voges mit seinem gesamten Ensemble auf Spurensuche durch Zeit und Raum. "PLAY: Möwe | Abriss einer Reise" erzählt von einem Ensemblekörper, der träumt. Quelle: YouTube

Schauspiel Dortmund

Die letzte Spielzeit im Schauspiel unter der Intendanz von Kay Voges zeigte nochmals die gesamte Bandbreite seines Schaffens der letzten zehn Jahre. Der Plan, sich mit einem wahren Theaterfeuerwerk zu verabschieden, fiel der Pandemie zum Opfer. Hervorzuheben sind die Inszenierungen von Marcus Lobbes von Becketts "Warten auf Godot" und Sascha Hawemanns Adaption von Dostojewskis Roman "Die Dämonen". Außerdem präsentierte das Schauspiel das junge britische Erfolgsstück "Konstellationen" von Nick Payne. Künstlerische Grenzen loteten die Produktionen von Jonathan Meese "Lolita (R)evolution (Rufschädigendst)" und Kay Voges Spielzeit-Eröffnungsinszenierung "PLAY: Möwe. Abriss einer Reise" aus.

Probenfoto zu "Name: Sophie Scholl"

Für jedes Alter ist im Theater Dortmund etwas dabei: "Name: Sophie Scholl" wandte sich an ein Publikum ab 14 Jahren
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Birgit Hupfeld

Kinder- und Jugendtheater

Die Spielzeit wurde im Kinder- und Jugendtheater mit der Produktion "Ginpuin – auf der Suche nach dem großen Glück" unter der Regie von Antje Siebers eröffnet. "Name: Sophie Scholl" wandte sich an ein junges Publikum ab 14 Jahren. In der Vorweihnachtszeit besuchten über 22.000 Zuschauer*innen das Märchen "Zwerg Nase" in der Regie von KJT-Direktor Andreas Gruhn, der außerdem "Die erstaunlichen Abenteuer der Maulina Schmidt" inszenierte.

Auch das KJT verlagerte während des Lockdowns seine Aktionen in die sozialen Medien und bot bis zum Ende der Osterferien täglich Online-Märchenlesungen. Im Juni 2020 wurde das KJT mit der Produktion "Agent im Spiel" zu einem internationalen Online-Festival mit Theatern und Zuschauer*innen u.a. aus Russland und China sowie den USA und Großbritannien eingeladen. Außerdem unterstützte das KJT mit zwei theaterpädagogischen Kräften FABIDO und führte im Jugendamt eine Fortbildung durch.

Akademie für Theater und Digitalität

Die Akademie für Theater und Digitalität nahm im September 2019 als sechste Sparte des Theater Dortmund ihre Arbeit auf und konnte diese mehrfach öffentlich präsentieren, etwa im Rahmen der Digitalen Woche Dortmund, ausgerichtet durch die Wirtschaftsförderung Dortmund. Es folgten Einladungen zu diversen Festivals. Die Entwicklung des Masterstudienganges "Digitalität in den Szenischen Künsten" in Kooperation mit der FH Dortmund wurde abgeschlossen, so dass der Akkreditierungsprozess ab Herbst 2020 starten kann.

Die monatliche Diskursreihe "Enjoy Complexity", finanziert von der Sparkasse Dortmund, startete erfolgreich. Der Neubau der Akademie an der Speicherstrasse liegt im Zeitplan, nachdem die Stadt am 14. Mai den Baubeschluss mit einem Finanzvolumen von 8,89 Mio. Euro gefasst hat. Die Akademie schloss zahlreiche Kooperationen mit nationalen und internationalen Akteuren. Die größte überregionale und internationale Aufmerksamkeit konnte die Akademie durch die Zusammenarbeit mit dem Virtuellen Theatertreffen erzielen – die Akademie hatte hier den technischen Support für die online stattfindenden Nachgespräche und die Paneldiskussionen übernommen.

Gestiegene Auslastung, gesunkene Erlöse

Die Gesamtbesucher*innenzahl betrug 148.476 (Vorjahr 238.957) und die Auslastung damit 81,4 Prozent (Vorjahr 76,7 Prozent). In finanzieller Hinsicht entwickelte sich das Wirtschaftsjahr 2019/20 für das Theater Dortmund nicht planmäßig. Während die Umsatzerlöse mit 3,342 Mio. Euro um 1,099 Mio. Euro unter der Planung blieben und die Ertragszuschüsse der Stadt Dortmund mit 41,692 Mio. Euro dem Planansatz entsprachen, beliefen sich die Personalaufwendungen auf 40,474 Mio. Euro und blieben um 575.000 Euro unter den Planzahlen.

Die Materialaufwendungen sind ebenfalls um 232.000 Euro gesunken (auf 2,377 Mio. Euro). Die Einnahmen aus Kartenverkäufen betrugen 2,822 Mio. Euro, die Planung sah Erlöse in Höhe von 3,756 Mio. Euro vor. Die Einschränkung bzw. Einstellung des Spielbetriebes aufgrund der Corona-Pandemie führte in der vergangenen Spielzeit zu einer finanziellen Belastung in Höhe von rund 1,06 Mio. Euro. Durch Gegensteuerung gelang es dem Theater, diesen Betrag auf ein Defizit von 317.000 Euro zu reduzieren. Sie werden als Bilanzverlust in die Spielzeit 2020/21 vorgetragen.

Der Jahresfehlbetrag, der durch Abschreibungen und Anpassungen bei Urlaubsrückstellungen entsteht, wird durch eine Entnahme aus der Kapitalrücklage in Höhe von 1,501 Mio. Euro ausgeglichen.

Zum Thema

Weitere Informationen rund um das Theater Dortmund erhalten Sie auf der Webseite.

Dieser Beitrag befasst sich mit Verwaltungsangelegenheiten der Stadt Dortmund. Dieser Hinweis erfolgt vor dem Hintergrund aktueller Rechtsprechung.