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Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Jesús González Rebordinos

Coronavirus

Stadtspitze zieht erste Bilanz zum Start des Impfzentrums

Nachricht vom 09.02.2021

Trotz Schnee ist der Betrieb des Impfzentrums in Dortmund am Montag, 8. Februar, erfolgreich angelaufen. Sieben von zehn Impfstraßen waren geöffnet, Insgesamt 360 Personen erhielten eine Impfung. Die Stadtspitze hat am Dienstag, 9. Februar, eine erste Bilanz gezogen und einen Überblick über die Lage gegeben.

Krisenstabsleiterin Birgit Zoerner zieht eine erste Bilanz zum Start des Impfzentrums Quelle: YouTube

Seit Mitte Dezember war das Impfzentrum in der Warsteiner Music Hall startklar. Was fehlte, war der Impfstoff. Aufgrund von Lieferengpässen wurde der Impfstart zuletzt auf den 8. Februar verschoben. So konnte das Impfzentrum schließlich am Montag die Türen öffnen. Es war ein Start unter erschwerten Umständen, denn zunächst galt es, eingeschneite Wege freizuräumen. Durch die Schneemassen war der Zugang zur Halle erschwert, denn die Caddys - "Impf-Expresse" - die zwischen Parkplatz und Eingang verkehren sollten, konnten nicht eingesetzt werden. Abhilfe schaffte die Feuerwehr und unterstützte mit ihren Mannschaftstransportbullis. Auch alle verfügbaren Rollstühle kamen zum Einsatz.

Positive Bilanz: Reibungsloser Ablauf trotz Wetterlage

Insgesamt fällt die Bilanz positiv aus. 360 Impfungen konnten durchgeführt werden, nur 19 Personen konnten ihren Termin nicht wahrnehmen. "Das ist eine extrem niedrige Quote. Wir hatten, aufgrund der Wetterlage mit höheren Ausfällen gerechnet", so Birgit Zoerner, Krisenstabsleiterin und Gesundheitsdezernentin. Einer Person wurde zudem, aufgrund ihrer Vorerkrankungen, empfohlen, die Impfung stationär durchführen zu lassen. Einer der ersten und gleichzeitig ältesten Impflinge sei ein 100-Jähriger gewesen, so Zoerner. Beim "Auschecken" aus dem Impfzentrum hätten sich viele der "Impflinge" für den reibungslosen Ablauf bedankt. Keinerlei erkennbare gesundheitliche Nachwirkungen oder Einschränkungen seien festgestellt worden. "Alle Akteur*innen - Mitarbeitende im Impfzentrum, Ärztekammer wie auch die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe - waren in der Nachbetrachtung sehr zufrieden mit dem Start."

Termine bis Mitte April ausgebucht – AstraZeneca-Impfstoff kommt ab Donnerstag zum Einsatz

Die Termine im Impfzentrum sind aktuell bis Mitte April ausgebucht. Damit weitere Termine angeboten werden können, braucht es zusätzliche Impfdosen. In dieser Woche soll auch der Impstoff des Herstellers AstraZeneca geliefert werden. Das Land NRW teilte am Freitag, 5. Februar mit, dass es für die erste Februarhälfte 158.400 Impfdosen von AstraZeneca erhalte. Wie viele davon Dortmund zur Verfügung gestellt werden, muss noch geprüft werden. Im Impfzentrum Dortmund wird dieser Impfstoff ab Donnerstag, 11. Februar, eingesetzt. Die Donnerstage sind für die Impfung von Mitarbeitenden von Rettungsdiensten und mobiler ambulanter Pflegedienste reserviert. Diesen Donnerstag sollen 380 Menschen mit den AstraZeneca-Impfstoff erhalten, so Zoerner. Für die Impfung von Menschen über 65 soll dieser Impfstoff aktuell nicht eingesetzt werden, sondern jener des Herstellers BioNTech. Die Termine für die Impfung der Über-80-Jährigen an sechs Tagen in der Woche vergibt weiterhin die KVWL. Termine für Rettungs- und Pflegedienste an einem Tag in der Woche koordiniert die Stadt.

Impfung im Impfzentrum nur für Über-80-Jährige, Rettungs- und Pflegedienste

Das Land NRW hat am Freitag einen neuen Erlass zur Impfung der Bevölkerung auf den Weg gebracht. Darin ist noch einmal klar gestellt, dass sich zum Impftermin jeder Mensch von einer Vetrauensperson begleiten lassen darf. Dies hatte die Stadt Dortmund ohnehin bereits erlaubt - eine Möglichkeit, die ein Großteil der Personen zum Impstart wahrgenommen hat. Der Erlass regelt darüber hinaus, dass alle Personen, die jünger als 80 Jahre sind, von den Impfzentren abzuweisen sind - auch jene, die der Priorisierungsgruppe 1 angehören. "Dies hat den Hintergrund, dass bei der Anmeldung bei den Kassenärztlichen Vereinigungen alle Angehörigen der Priorisierungsgruppe 1 für Termine in den Impfzentren registrieren konnten und dort nicht nach dem Alter gefragt wurde. So konnten theoretisch auch jüngere Personen Termine vereinbaren. In Dortmund hat es dieses Phänomen aber noch nicht gegeben", erklärte Zoerner. Sie gehe davon aus, dass das Land so dafür sorgen wolle, dass der BioNTech-Impfstoff den älteren Bürger*innen zugute komme, da jener von AstraZeneca nur bei Personen bis 65 Jahren eingesetzt werden soll.

Handlungsspielraum beim Impfen – Kontingente nicht untereinander austauschbar

Die Gesundheitsdezernentin erklärte zudem noch einmal den Handlungsspielraum, in dem sich die Stadt Dortmund beim Thema Impfen bewegen kann. Zentral sei grundsätzlich die Menge des Impfstoffes und dessen Verteilung. Diese sei in Impfverordnungen von Bund und Land geregelt. Dabei werden Menschen in Priorisierungsgruppen eingeordnet. Alle aktuell durchgeführten Impfungen bewegen sich in der Gruppe 1, die vier Kontingente vorsieht: das erste Kontingent für Bewohner*innen und Mitarbeitende vollstationärer Pflegeeinrichtungen, das zweite für Personal in Krankenhäusern (zunächst Stationen, auf denen Covid-19-Patient*innen liegen), das dritte für die Impfung von Über-80-Jährigen in den Impfzentren und das vierte für Rettungsdienste und mobile Pflegedienste. "Diese Kontingente sind nicht untereinander austauschbar. Das heißt, alle Über-80-Jährigen außerhalb von stationären Pflegeeinrichtungen werden nach der Verordnung gleich behandelt. Egal, ob sie in einem Wohnstift, in einer Seniorenresidenz oder in der eigenen Wohnung leben. Für diese Personen ist eine Impfung aktuell nur im Impfzentrum möglich", erläuterte Zoerner. Zuletzt habe es Behauptungen gegeben, dass andere Städte dies flexibler handhaben würden als Dortmund. In einer anderen Stadt seien Bewohner*innen eines Wohnstifts geimpft worden; dies sei jedoch durch einen Fehler passiert. Zu Unklarheiten sei es gekommen, weil das Verfahren bezüglich der Impflisten der Pflegeheime über Weihnachten umgestellt wurde, ohne dass die Kommunen miteinbezogen wurden. So sollten Einrichtungen sich selbst anmelden und Bedarfe äußern. Die Stadt Dortmund musste dann prüfen, ob die registrierten Einrichtungen auch tatsächlich berechtigt seien und hat daraufhin z.B. die Impdosenbestellung einer Seniorenresidenz storniert.

Kritik an Kommunikation des Landes – Forderung nach Stufenplan für Schulen

Zoerner berichtete zudem, das Land habe die Kommunen Ende vergangener Woche sehr kurzfristig darüber in Kenntnis gesetzt, dass die Terminvergabe außerhalb der Gruppe der Über-80-Jährigen künftig von den Stadtverwaltungen koordiniert werden solle. Anlässlich dieser unabgestimmten Entscheidung des Landes äußerten die Krisenstabsleiterin Birgit Zoerner und der Oberbürgermeister Thomas Westphal erneut Kritik an der Kommunikation seitens des Landes. Westphal sagte: "Wir tun alles in unserer Macht stehende, um die Impfaktion zum Erfolg zu bringen. Aber es wird irgendwann der Zeitpunkt kommen, an dem wir die Vorgänge reflektieren und das Verhältnis zwischen Land und Kommunen hinterfagen muss."

Mit Blick auf die Bund-Länder-Konferenz am Mittwoch, 10. Februar, sagte der Oberbürgermeister, er ginge nicht davon aus, dass ausgiebig über Lockerungen diskutiert werden werde, auch in Anbetracht der Auswirkungen des mutierten Virus. "Wir haben gestern hier in der Stadt mit dem Einzelhandel und den Verbänden gesprochen und auch dort ist die Haltung die, dass wir jetzt nicht sofort über Lockerungen diskutieren werden." In Bezug auf den Schulunterricht sagte er: "Die Kommunen brauchen einen Stufenplan, mit dem sie vorbereitet agieren können. Für den Fall, dass die Schulen wieder öffnen sollen, kann es nicht so sein, dass man von Sonntag auf Montag den Vollbetrieb wieder hochfährt, sondern dass es dann natürlich ein Modell braucht, in dem es in unterschiedlichen Formen Unterricht gibt."

Inzidenz sinkt weiter

Was die Entwicklung der Infektionszahlen angeht, sei Dortmund auf einem guten Weg, so Zoerner. So hat es am vergangenen Wochenende nur 25 Neuinfektionen gegeben. Aktuell sinkt die Sieben-Tage-Inzidenz weiter und liegt nun unter 65. Der Zielwert bleibe aber eine Inzidenz unter 50.

Text: Elena Hesterkamp

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Informationen zur Corona-Lage sowie zur Impf-Situation in Dortmund, Fragen und Antworten zum Impfzentrum und weiterführende Links sind unter dortmund.de/corona zu finden.

Dieser Beitrag befasst sich mit Verwaltungsangelegenheiten der Stadt Dortmund. Dieser Hinweis erfolgt vor dem Hintergrund aktueller Rechtsprechung.