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Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Jesús González Rebordinos

Coronavirus

Stadtspitze informiert zur Corona-Lage - Mehr Tests bei Fällen in Schulen und Kitas

Nachricht vom 23.02.2021

Die veränderte Teststrategie des Gesundheitsamtes, die Zunahme der Infektionen mit der britischen Coronavirus-Variante und der Verlauf der Impfungen in Dortmund waren Themen bei der wöchentlichen Pressekonferenz der Verwaltungsspitze am Dienstag, 23. Februar.

Dr. Frank Renken zu Varianten, Tests und Impfungen Quelle: YouTube

Aktuell liegt Dortmund mit einer Sieben-Tages-Inzidenz von 63,2 (laut RKI) wieder etwas über dem Durchschnittswert in Nordrhein-Westfalen (61,7 laur RKI). Die in Dortmund aufgetretene britische Coronavirus-Variante B 1.1.7 beeinflusst den Inzidenzwert. Insgesamt nimmt der Anteil der britischen Variante an den Positiv-Fällen zu, in der vergangenen Woche lag er bei 4,1 Prozent.

Mehrzahl der Fälle mit Virusvariante nicht rückverfolgbar

Dr. Frank Renken, Leiter des Gesundheitsamtes, erklärte, eine Ausbreitung der Virusvariante in Dortmund sei nicht zu verhindern. Stand jetzt (23. Februar) seien 48 Fälle bekannt, die sich mit der nachweislich mit der britischen Variante infiziert haben, davon sei jedoch eine Mehrzahl der Infektionen nicht nachzuverfolgen. Das heißt, beim sogenannten "Indexfall", also der Person, von der die Übertragung ausging, ist die Infektionsquelle nicht bekannt. Im Umkehrschluss bedeute dies auch: "Die Variante wird bei einer unbekannten Zahl weiterer Menschen vorhanden sein." Andere Varianten wurden in Dortmund bisher nicht nachgewiesen.

Gesundheitsamt setzt auf Mutations-PCR-Tests für schnelleres Ergebnis

Zehn Prozent aller positiven PCR-Tests werden automatisch sequenziert. Da eine Vollsequenzierung aber zehn bis 14 Tage in Anspruch nimmt, setzt das Dortmunder Gesundheitsamt auf Mutations-PCR-Tests. Diese unterscheiden sich von der Vollsequenzierung insofern, dass nur auf die drei bekannten Virusvarianten (britisch, brasilianisch und südafrikanisch) getestet wird. Das Ergebnis liegt dabei schon nach einem Tag vor. In Dortmund werden alle Positiv-Tests aus Gemeinschaftseinrichtungen einer solchen Mutations-PCR zugeführt.

Bei Infektionen mit der britischen Variante könne von einer deutlich höheren Übertragbarkeit ausgegangen werden, so Dr. Renken. Dies habe man auch in Dortmund beobachten können. "Unsere Zähl- und Erfahrungswerte aus dem Herbst sind so nicht mehr gültig. So war zum Beispiel bisher zu beobachten, dass Übetragungen zwischen Kindern oder von Kindern auf Erwachsen eher nicht stattfinden. Die neuen Varianten führen vermutlich dazu, dass die Kind-zu-Kind-Übertragung häufiger stattfinden wird als bisher beobachtet. Wir werden über viele Testungen feststellen, ob das Übertragungsgeschehen an Schulen steigen wird", erläuterte Dr. Renken. Denn das Gesundheitsamt wird verstärkt an Schulen testen.

Veränderte Strategie: Mehr Testungen in Schulen und Kitas, symptomfreie Fälle besser erkennen

Es verändert sein Testkonzept dahingehend, dass die Containment-Strategie nun wieder stärker verfolgt wird. Zwischenzeitlich war dies aufgrund hoher Inzidenzen und der personellen und Labor-Kapazitäten nicht möglich. "Wir haben wieder mehr Personal für das Testen, weil wegen der niedrigeren Inzidenz weniger Personal für die Kontaktnachverfolgung eingesetzt werden muss", erklärte Dr. Renken. "Wir werden mehr testen in Schulen und Gemeinschaftseinrichtungen. Bei einem Fall in einer Gruppe oder Klasse werden wir sofort Testungen anbieten, dann werden wir in der Mitte des möglichen Ansteckungszeitraums anbieten, also während der Quarantäne und eine letzte Testung vor Wiederaufnahme des Unterrichts oder bevor die Kinder wieder in die Kita gehen. D.h. wir begleiten die Wiederaufnahme des Betriebes in den Einrichtungen, indem wir zielgerichtet und deutlich verstärkt testen. Wir testen aber nicht wahllos. Sobald ein Fall da ist, suchen wir. Das hat auch zur Folge, dass wir mehr finden. Ziel dieser Strategie ist auch, zwar im notwendigen Umfang Schließungen vorzunehmen, aber nicht darüber hinausgehend."

Sobald ein Fall in einer Schule oder Kita da ist, suchen wir. Wir werden zielgerichtet und deutlich verstärkt testen.

Dr. Frank Renken, Leiter des Gesundheitsamtes

Zum Einsatz kommt dann das "Corona-Mobil" . Die Zwischentestung sei auch deshalb sinnvoll, weil Infektionen gerade bei Kindern und Jugendlichen oft symptomfrei verlaufen. Durch eine Zwischentestung könne man den Anteil derer, die sich unerkannt angesteckt haben, besser erkennen und damit die Gefährdung deutlicher reduzieren.

Infektionsquelle nur bei Hälfte der Corona-Fälle bekannt

Mit Blick auf die Wege der Übertragung, erklärte Dr. Renken, in den letzten vier Wochen hätten sich ca. 40 Prozent der Fälle im familiären Umfeld angesteckt, ca. zehn Prozent im Arbeitsumfeld und bei annähernd 50 Prozent sei die Ansteckungsquelle unbekannt. Das bedeutet, dass das Gesundheitsamt bei etwas mehr als der Hälfte aller Fälle die Infektionsquelle zurückverfolgen kann.

Impfungen in Pflegeheimen abgeschlossen - Schutzwirkung tritt ein

Die Zweitimpfungen in den Pflegeheimen durch mobile Teams sind seit vergangener Woche abgeschlossen. "Wir können jetzt davon ausgehen, dass für all diese Menschen nach und nach der Schutz eintritt. 14 Tage nach der zweiten Impfungen haben sich ausreichend Antikörper gebildet und es ist eine deutlich verbesserte Schutzimpfung zu erwarten", erklärte Dr. Renken.

Größerer Impfschutz bei Über-80-Jährigen führt zu geringerer Sterblichkeit

Wenn in der Altersgruppe der Über-80-Jährigen ausreichend Schutz aufgebaut sei, werde der Verlauf der Pandemie, mit Blick auf die Sterblichkeitsrate, gemindert. Die Sterblichkeit in dieser Altersgruppe beeinflusst die Rate insgesamt am meisten. Die Stadt kontaktiert nun Beschäftigte in Pflegeeinrichtungen. Impfberechtigte Beschäftigte, die bisher keine Impfung erhalten haben, können diese im Impfzentrum nachholen. Mit Blick auf den Beschluss, dass ab März zusätzlich zu den bisher festgelegten Gruppen auch Erzieher*innnen und Lehrer*innen geimpft werden sollen, sagte Krisenstabsleiterin Birgit Zoerner dies passe nicht zu der bisher zugesagten Menge an Impfstoff.

Nach nur einer Impfdosis ist ein ausreichender Schutz noch nicht gegeben. Bei Personen hingegen, die sich nach der ersten Impfung eine Infektion mit dem Coronavirus durchlaufen, sei eine zweite Impfung nicht mehr erforderlich, so Dr. Renken. Dies geben auch die Hersteller so an. Das Immunsystem baut dann einen ausreichenden Schutz auf. Das Gesundheitsamt bietet in diesen Fällen aber einen Antikörpertest an, um dies auswerten zu können.

Grundschulen in Wechsel-, Abschlussklassen in Präsenzunterricht

Seit Montag, 22. Februar, haben die Schulen teilweise wieder geöffnet. In Grundschulen findet Wechselunterricht zwischen Distanz- und Präsenzlernen statt, Abschlussklassen an weiterführenden Schulen und Berufskollegs befinden sich wieder im Präsenzunterricht. Dabei kommen Hygienekonzepte mit Mund-Nasen-Schutz und ausreichender Belüftung zum Tragen. Luftfilter-Geräte für nicht ausreichend belüftbare Räume hat die Stadt bestellt. Die Lieferung hängt von der Marktsituation ab, sie müssen aber bis spätestens Ende März in den Schulen angekommen sein. Kinder - und Jugenddezernentin Daniela Schneckenburger erklärte, die Inanspruchnahme von Betreuungsplätzen in Kindertageseinrichtungen sei stark gestiegen und liege jetzt in den Fabido-Kitas bei 70 Prozent.

Text: Elena Hesterkamp

Dieser Beitrag befasst sich mit Verwaltungsangelegenheiten der Stadt Dortmund. Dieser Hinweis erfolgt vor dem Hintergrund aktueller Rechtsprechung.