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Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Jesús González Rebordinos

Digitalisierung

Stadt Dortmund erteilt erste BIM-basierte Baugenehmigung Deutschlands - Spatenstich für neue Opländer-Firmenzentrale auf Phoenix West

Nachricht vom 23.03.2021

OB Westphal nahm am Mittwoch, 17. März, gemeinsam mit Geschäftsführer Jan Opländer und Stefan Schreiber (IHK Dortmund) den Spatenstich für die neue Firmenzentrale der "Louis Opländer Heizungs- und Klimatechnik GmbH" an der Nortkirchenstraße auf Phoenix West vor. Der Bauantrag wurde bei der Stadt als erster BIM-basierter Bauantrag (Building Information Modeling) eingereicht.

Stefan Schreiber (Hauptgeschäftsführer IHK Dortmund) (2.v.l.), Jan Opländer (Geschäftsführer Louis Opländer) (4.v.l.) und Oberbürgermeister Thomas Westphal (3.v.r.)

Stefan Schreiber (Hauptgeschäftsführer IHK Dortmund) (2.v.l.), Jan Opländer (Geschäftsführer Louis Opländer) (4.v.l.) und Oberbürgermeister Thomas Westphal (3.v.r.)
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Stadt Dortmund / Roland Gorecki

Diese neue Art der digitalen Antragsstellung ist ein Meilenstein in der Digitalisierung des Bauwesens. BIM bezeichnet dabei eine kooperative Arbeitsmethodik, mit der auf der Grundlage digitaler Modelle eines Bauwerks die für seinen Lebenszyklus relevanten Daten erfasst, verwaltet und transparent zwischen den Beteiligten ausgetauscht werden.

Basierend auf dieser Methodik hat die untere Bauaufsichtsbehörde der Stadt Dortmund am 26. Februar im Rahmen eines Pilot-Projektes für den Neubau des Unternehmenssitzes der "Louis Opländer Heizungs- und Klimatechnik GmbH" auf dem Technologie- und Dienstleistungsstandort Phoenix West in Dortmund die digitale Baugenehmigung erteilt.

Digitales Baugenehmigungsverfahren

"Wir freuen uns sehr über diese Investition des Dortmunder Unternehmens 'Louis Opländer'. Das ist wichtig für den Standort und zukunftsweisend für weitere Ansiedlungen. Denn die Abwicklung des gesamten Baugenehmigungsverfahrens erfolgte bei diesem Projekt ausschließlich digital", sagt Dortmunds Oberbürgermeister Thomas Westphal. "Das ist ein großer Schritt für eine noch effektivere Zusammenarbeit mit Bauherren und Investoren. Die volldigitale Abbildung des gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes auf Grundlage dieses Modells soll in Dortmund mittelfristig zum Standard werden."

Die Abwicklung des gesamten Baugenehmigungsverfahrens über die Planung, Antragstellung, Antragsprüfung und Erteilung der Baugenehmigung erfolgte in intensiver Abstimmung zwischen dem Bauordnungsamt und dem planenden Architekturbüro Drahtler Architekten komplett digital. Im Gegensatz zum herkömmlichen Verfahren mit digitalisierten oder Papierunterlagen, wurde im Prüfprozess die Großzahl der baurechtlichen Parameter des Bauvorhabens anhand eines dreidimensionalen Gebäudemodelles mithilfe einer Fachsoftware überprüft. Hierbei konnten wichtige Erkenntnisse in Hinblick auf elementare Verfahrensbausteine wie z. B. Modellanforderungen, digitale Kommunikationswege und erforderliche Ausstattungs- und Prozessvoraussetzungen für die Beteiligten gewonnen werden.

Die volldigitale Abbildung des gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes auf Grundlage eines BIM-Modells, d. h. von der ersten Planungsidee, über die Genehmigung, den Bau, den Betrieb bis hin zum Rückbau, soll in einigen Jahren zum Standard werden.

"Louis Opländer" investiert fünf Millionen Euro für neuen Standort

Die "Louis Opländer Heizungs- und Klimatechnik GmbH" investiert circa fünf Millionen Euro für den neuen Standort mit 2.250 Quadratmetern. "Es ist ein entscheidendes Ereignis in der fast 150-jährigen Firmengeschichte von 'Louis Opländer', eine eigene Firmenzentrale zu errichten", betont Geschäftsführer Jan Opländer. "Mit unserem neuen Firmensitz an der Nortkirchenstraße 99 bekennen wir uns natürlich auch zu unserer seit 1872 anhaltenden Firmengeschichte als Familienunternehmen in Dortmund."

Neben dem Anspruch an eine moderne und kommunikative Bürowelt sind auch eine neue Ausbildungswerkstatt sowie ein Bereich zu Vorfertigung von Komponenten für eine effektivere Montage auf Baustellen geplant. Zudem wird eine Laborfläche für eine enge Kooperation mit dem neu etablierten Lehrstuhl für Technische Gebäudeausrüstung der TU Dortmund berücksichtigt. Neben dem eigentlichen Büroteil verfügt das Gebäude über eine Werkhalle von 400 m² und eine Laborfläche im Untergeschoss von 200 m².

Unterstützung vom Land NRW

Unterstützt wurde das Projekt auch durch das Land NRW. "Das Land Nordrhein-Westfalen arbeitet mit Hochdruck an der Verbreitung und Etablierung von BIM und der Implementierung des digitalen Baugenehmigungsverfahrens", sagt Dr. Thomas Wilk, Leiter der obersten Bauaufsicht und des BIM-Competence-Center im Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen. "Dieses Projekt hat bewiesen, dass wir auf einem guten Weg sind und die entwickelten Lösungen den Praxistest bestehen. Wir gewinnen wertvolle Erkenntnisse – daher sind wir den Beteiligten für ihre Pionierarbeit sehr dankbar."

Am Projekt beteiligt sind neben dem Bauherrn Jan Opländer und der Baugenehmigungsbehörde der Stadt Dortmund, das planende Architekturbüro Drahtler Architekten, die Firma Louis Opländer als planendes wie ausführendes Unternehmen der technischen Gebäudeausrüstung mit einer großen Expertise auf dem Gebiet der modellbasierten Planung mit BIM, die Bauunternehmung Freundlieb, Prof. Dr. Markus König vom Lehrstuhl für Informatik im Bauwesen an der Ruhr-Universität Bochum sowie das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen.

Das planende Architekturbüro Drahtler Architekten verfügt über umfangreiche Erfahrungen mit der Planungsmethode BIM: "Diese Arbeitsweise ermöglicht neben der Zeitersparnis größere Planungssicherheit und eine Vielzahl von Wettbewerbsvorteilen für die Zukunft. Bei der Umsetzung des deutschlandweit ersten BIM-basierten Bauantrags konnten die Vorteile dieser Planungsmethode mit viel Engagement aller Beteiligten nunmehr auch in das Baugenehmigungsverfahren integriert werden."

Die Erfahrungen dieses Modellvorhabens werden ausführlich dokumentiert und der Baubranche zur Verfügung gestellt. Die Erkenntnisse werden in vielfältiger Weise ausgewertet und umgesetzt und sollen damit auch einen Beitrag zu einer zukunftsweisenden und modernen Bauwirtschaft in Nordrhein-Westfalen leisten. Da die rechtlichen Voraussetzungen für die Erteilung einer BIM-basierten Baugenehmigung derzeit noch nicht vollständig gegeben sind, liegen alle notwendigen Unterlagen ebenfalls in Papierform vor, sodass der Nachvollzug einer konventionellen Baugenehmigung jederzeit möglich ist.

Dieser Beitrag befasst sich mit Verwaltungsangelegenheiten der Stadt Dortmund. Dieser Hinweis erfolgt vor dem Hintergrund aktueller Rechtsprechung.