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Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Jesús González Rebordinos

Verkehr

Verkehrsraum hinter dem Hauptbahnhof wird ab Herbst zugunsten von Radfahrenden neu aufgeteilt

Nachricht vom 02.06.2021

In der Radverkehrsstrategie der Stadt Dortmund spielt der Straßenzug Treibstraße / Grüne Straße / Steinstraße / Heiligegartenstraße / Jägerstraße / Gronaustraße eine besondere Rolle. Im Herbst geht es mit ersten Bauarbeiten los.

Planungsdezernent Wilde zum Netzplan Radverkehr in Dortmund Quelle: YouTube

Mehr Fläche für separate Radwege, getrennt vom Autoverkehr - darum geht es bei den Bauarbeiten, die den Radverkehr in unmittelbarer Nähe zum Hauptbahnhof verbessern sollen. Ab September geht es nach den Plänen der Stadtspitze mit dem ersten Teilabschnitt los: Das Tiefbaumamt soll die Baumaßnahme "Fahrbahnerneuerung Steinstraße" umsetzen.

Nachdem die ohnehin notwendige Fahrbahnerneuerung (von Bordstein zu Bordstein, kein Vollausbau) zwischen Leopoldstraße und Kurfürstenstraße abgeschlossen ist, wird der Straßenquerschnitt durch Ummarkieren neu aufgeteilt - die Radverkehrsanlagen werden optimiert. Die Bauarbeiten werden etwa zehn Monate dauern. Die Gesamtkosten auf diesem Straßenabschnitt belaufen sich auf etwa 1.980.000 Euro.

Radwege als eigenständiges Netz planen

Der selbst als Radfahrer bekannte Oberbürgermeister Thomas Westphal betonte am Dienstag, 1. Juni, wie wichtig ein Gesamtsystem für Radwege ist. "System statt Stückwerk" sei die Strategie der Stadt Dortmund bei dem Thema. "Ein Radwegenetz wird nur gelingen, wenn jeweils gut und sicher gefahren werden kann." Die in anderen Städten eingeführten "Pop-Up-Radwege" seien in Dortmund keine Lösung. "Das System des Radwegenetzes müssen wir so denken und bauen, wie Radwege in der Stadt sein werden - und die sind nicht immer so wie die Verkehrswege mit dem Auto."

Westphal verglich ein Radwegenetz mit einem U-Bahn-System: Dieses werde ebenfalls unabhängig vom Autoverkehrsnetz geplant und nicht einfach in das bestehende Netz eingepflegt. Dabei warb er für Geduld: "Ein Gesamtsystem für Radwege ist nicht von Mittwoch auf Donnerstag zu schaffen." Vergleiche mit dem als Fahrradhauptstadt bekannten Kopenhagen wollte er nicht ziehen.

Radfahrende sollen gestärkt werden

Mehr Infos zum geplanten Umbau des Straßenzugs Treibstraße / Grüne Straße / Steinstraße / Heiligegartenstraße / Jägerstraße / Gronaustraße gab Planungsdezernent Ludger Wilde: Die Vierspurigkeit auf der Steinstraße soll beendet und der Verkehrsraum künftig im Wesentlichen zweispurig aufgebaut werden. "Radfahrende müssen sich dann nicht mehr, wie heute, den Weg teilen mit dem Autoverkehr." Allerdings werden Busse den Radweg mitbenutzen, um auch den ÖPNV zu fördern. "Überschneidungen halten wir für gut vertretbar."

Konkret sehen die Pläne für die Steinstraße so aus: Im Streckenverlauf erhalten die Radfahrstreifen überwiegend eine Breite von 3,00 Metern. Die Radfahrstreifen sollen als sogenannte "gesicherte Radwege" gebaut werden, das heißt sie erhalten eine zusätzliche (bauliche) Abgrenzung/Sicherung zum Raum des Autoverkehrs. Dem Autoverkehr steht künftig nur noch je eine Richtungsfahrbahn zur Verfügung (dazu kommen Abbiegespuren vor den Ampelanlagen).

Ein Gesamtsystem für Radwege ist nicht von Mittwoch auf Donnerstag zu schaffen.

Oberbürgermeister Thomas Westphal

Darum ist der Straßenzug von Bedeutung

Der Entwurf zum Zielnetz für den Radverkehr soll in der zweiten Jahreshälfte 2021 als Teil des Masterplans Mobilität in die politische Beratung gehen. Der Straßenzug Treibstraße / Grüne Straße / Steinstraße / Heiligegartenstraße / Jägerstraße / Gronaustraße ist so relevant für den Verkehr, weil dort Hauptpost, Arbeitsagentur, Hauptbahnhof oder Musikschule angelagert sind.

Als innerstädtische Tangente mit einer Ausdehnung von etwa zwei Kilometern ist sie aber auch wichtig, um mit dem Fahrrad mittlere Distanzen schnell zu überbrücken. Zusammen mit den parallel in der Entwurfsplanung befindlichen Straßen Heiliger Weg und Saarlandstraße werden wichtige Abschnitte eines Tangentenvierecks um die City herum fahrradgerecht umgestaltet.

Eine Besonderheit ist zu beachten: Da sich zwischen der Quadbeckstraße und Kurfürstenstraße der Knotenpunkt des Linienbusverkehrs am Dortmunder Hauptbahnhof befindet, ist es wichtig, dass eine verlässliche Zu- und Abfahrt an dieser Stelle gesichert bleibt.

Damit die Verbesserungen für den Radverkehr nicht zu Lasten des ÖPNV gehen, der hier mit sechs Buslinien im Tagesverkehr Präsenz zeigt, ist es vorgesehen, dass die geplanten Radwege im Bereich zwischen Quadbeckstraße und Kurfürstenstraße für den Linienbusverkehr freigegeben werden. Dies erfolgt durch eine entsprechende Beschilderung "Radweg" mit dem Zusatzzeichen "Linienverkehr frei".

Fahrradreifen auf Fahrradweg

Hinter dem Hauptbahnhof soll der Verkehr freundlicher für Radfahrende werden.
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dortmund-Agentur / Roland Gorecki

Zu Spitzenzeiten sind Rückstaus möglich

Die Auswirkungen der neuen Aufteilung des Straßenraums auf die Verkehrsqualität wurden bereits untersucht. Die Kapazitätsreduzierung ist auch in den Modellrechnungen zum Neubau des Wallringes und den vier vorgeschlagenen Plan-Varianten berücksichtigt worden. Hiernach kann es in den Spitzenstunden an einigen Knoten zu Überlastungen und Rückstaus kommen. Ein Ingenieur*innenbüro wird dies noch vertiefend untersuchen. Die Ergebnisse und Auswirkungen werden vor der Umsetzung in einem noch zu fassenden Baubeschluss dargelegt.

Die veränderte Aufteilung des Straßenraums ist aber nicht nur lokal, für den unmittelbaren Einzugsbereich von Bedeutung. Die Förderung des Radverkehrs ist ein Hauptbaustein der Verkehrswende und hilft, die verkehrsbedingten CO2-Emissionen zu reduzieren.

Erste Überlegungen schon vor fünf Jahren

Die Bezirksvertretung Innenstadt-Nord hatte schon mit Beschluss vom 20. November 2016 die Verwaltung beauftragt, für den genannten Straßenzug eine Planung mit durchgängigen Radfahrstreifen vorzulegen. Das Stadtplanungs- und Bauordnungsamt hat einen Konzeptvorschlag vorgelegt, der Grundlage für die weitere Planung werden soll.

Die Verwaltung hat dabei den betrachteten Streckenabschnitt nach Osten bis zur Einmündung Bleichmärsch erweitert, um auch die in diesem Abschnitt gegebenen Qualitätsmängel zu beseitigen bzw. noch vorhandene Netzlücken zu schließen.

Ausblick auf weitere Baumaßnahmen

Die grundsätzliche Neuausrichtung des Straßenquerschnitts der Steinstraße bildet das Muster für den weiteren Streckenverlauf. Das Konzept des Stadtplanungs- und Bauordnungsamtes sieht als nächstes eine neue Flächenaufteilung und Verkehrsführung für den westlich angrenzenden weiteren Straßenverlauf zwischen der Kurfürstenstraße und dem Sunderweg (mehrere Bauabschnitte) vor. Das entspricht auch der am 15. September 2020 beschlossenen Empfehlung des Beirates Nahmobilität.

Dieser Beitrag befasst sich mit Verwaltungsangelegenheiten der Stadt Dortmund. Dieser Hinweis erfolgt vor dem Hintergrund aktueller Rechtsprechung.