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Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Jesús González Rebordinos

Kultur

Fritz-Hüser-Institut feiert erfolgreiches Wanderbuch-Projekt durch ganz Europa

Nachricht vom 16.07.2021

Einst überließ der Dortmunder Journalist Erich Grisar sein kleines Notizbüchlein verschiedenen Menschen, als er auf Reise durch Europa war. Diese verewigten sich dann darin. Die Idee des "Wanderbuchs" hat das Fritz-Hüser-Institut aufgegriffen und nun ganz neue Reaktionen bekommen.

Auszug aus dem Wanderbuch des Journalisten Erich Grisars

Das Fritz-Hüser-Institut schickte fünf Reproduktionen von Grisars Wanderbuch auf eine Reise durch Europa.
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Fritz-Hüser-Institut

Zum Hintergrund: Von 1920 bis 1952 verewigen sich in dem sogenannten Wanderbuch des Dortmunder Journalisten, Fotografen und Schriftstellers Erich Grisar etliche Menschen. Das Büchlein dient als Projektionsfläche auf ihren Reisen. So haben Erich Kästner, Martin Andersen Nexø, Arno Holz, Kurt Hiller und viele andere europäische Künstler*innen Grisars Büchlein mit kurzen Eintragungen und Zeichnungen versehen.

Grisar schafft es mit dem Projekt, den Geist seines kleinen europäischen Künstler*innen-Netzwerks einzufangen. Sein Nachlass und damit auch das Wanderbuch befinden sich im Archiv des Fritz-Hüser-Instituts für Literatur und Kultur der Arbeitswelt.

Reproduktionen gehen erneut auf Reisen

Zu seinem 100-jährigen Jubiläum haben Dr. Iuditha Balint, Direktorin des FHI, und die Kooperationspartnerinnen Rosie Shackleton und Anna Kemperdiek fünf Reproduktionen des Wanderbuchs erneut auf den Weg durch Europa geschickt. Jeweils eine Reproduktion und ein leeres Moleskine-Notizbuch sind vor zwei Jahren postalisch versendet worden - im Vertrauen, dass Kommunikation und Kreativität keine Grenzen kennen. "Wir wussten nicht, ob wir sie je wiedersehen. Sie waren in mehr als zwölf Ländern, haben Krieg, Corona und Brexit erlebt und sind alle wieder hier", schreibt Dr. Balint auf Twitter.

"Entstanden sind dadurch zeitgenössische Pendants zu Grisars Wanderbuch. Notizbücher, die ihre eigenen fünf Reisewege durch Europa gegangen sind. Beiträge sind entstanden zum Beispiel in Deutschland, Polen, Großbritannien, Tschechien, den Niederlanden, Österreich, Griechenland, Serbien, Rumänien, Armenien."

Auf seinen Wegen durch Europa überlässt der Dortmunder Schriftsteller, Fotograf und Journalist Erich Grisar sein kleines Notizbüchlein, das er Wanderbuch nennt, verschiedenen Menschen als Projektionsfläche für ihre Gedanken, Gefühle, Meinungen und Weisheiten. Das Fritz-Hüser-Institut hat anlässlich des 100-jährigen Jubiläums fünf Reproduktionen dieses Wanderbuchs erneut auf den Weg durch Europa geschickt.

Erich Grisar in Barcelona.
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Stadtarchiv Dortmund

Menschen verschiedener ethnischer und sozialer Herkunft, Religion, verschiedenen Alters und Geschlechts haben in die Notizbücher hineingeschrieben oder -gezeichnet und diese an ihre Freund*innen oder Bekannte weitergeschickt.

"Schönstes Projekt"

Sie haben die Eintragungen derer lesen können, die sich vor ihnen verewigt haben - sind dadurch vielleicht ein wenig miteinander in Kontakt gekommen und haben sich kennengelernt.

Die Eintragungen handeln von Kunst, Alltag, Depressionen, Religion und Familie. "Es ist das bislang schönste Projekt, an dem ich je mitgearbeitet habe", schreibt Dr. Balint. Letztlich sind die Notizbücher wieder dem Fritz-Hüser-Institut zugeschickt worden. Auf der Projektseite zum Wanderbuch können die verschiedenen Reiserouten und die einzelnen Einträge angeschaut werden.

Mehr über Erich Grisar

Erich Grisar (*11.09.1898 in Dortmund; † 30.11.1955 ebenda) war Schriftsteller, aber auch Arbeiter, technischer Zeichner und schließlich Bibliothekar. Seine Arbeit als Vorzeichner und seine Erfahrungen als Kamerad in der Fabrik waren oftmals Quelle seines künstlerischen Ausdrucks, nicht allerdings sein Ursprung. Er wurde 1898 als Sohn eines Brückenbauers in Dortmund geboren. Schon in seiner Kindheit verbringt er die meiste Zeit in den Straßen der Arbeiterviertel des Ruhrgebiets, "weil in den Höfen meist kaum Platz für die Aschenkisten eines Arbeiterhauses ist" (Grisar, 1932), nicht selten in Begleitung seiner ersten eigenen Fotokamera.

Dieser Beitrag befasst sich mit Verwaltungsangelegenheiten der Stadt Dortmund. Dieser Hinweis erfolgt vor dem Hintergrund aktueller Rechtsprechung.