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Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Jesús González Rebordinos

Friedhof

Winzerin findet besonderen Platz für Wein-Anbau

Nachricht vom 23.09.2021

Die Beerdigungskultur des Menschen hat sich geändert. Waren damals Erdbestattungen im Trend, sind es heute besonders Urnenbestattungen. Sie sind kleiner und pflegeleichter. Dadurch entstand am Friedhof in Dortmund-Holzen Platz und die Idee des Weinanbaus auf Urnengräbern.

weinberg holzen

Für den Friedhofs-Weinberg hat Winzerin Tina Krachten die Pfälzer Rebsorte Cabertin ausgewählt.
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Stadt Dortmund

Gesellschaftliche Veränderungen spiegeln sich auch im Wandel der Bestattungskultur wider. Die Ansprüche an Bestattungsangebote wachsen kontinuierlich weiter. So sind Erdbestattungen immer stärker durch Urnenbestattungen abgelöst worden. In Dortmund liegt der Anteil der Urnenbestattungen inzwischen bei über 80 Prozent.

Dabei bevorzugen die Dortmunder*innen moderne Grabarten, die kostengünstig und leicht zu pflegen sind, gleichzeitig aber attraktiv, natürlich und tröstend gestaltet sein sollen. Der städtische Eigenbetrieb Friedhöfe Dortmund hat diese Trends frühzeitig wahrgenommen und passt das Angebot auf den 32 kommunalen Friedhöfen ständig an.

Ruhestätte am Weinberg wird zum Erfolgsmodell

Eine besonders ansprechende landschaftsgärtnerischen Gestaltung ist im letzten Jahr aus der Projektidee eines Mitarbeiters entstanden und vom eigenen Ausbildungsbetrieb umgesetzt worden: die Ruhestätte am Weinberg.

Mit diesem neuen Grabfeld wurde vor gut einem Jahr das Angebot einer sogenannten "pflegefreien Urnenwahlgrabstätten" mit einer einzigartigen landschaftsgärtnerischen Gestaltung bereitgestellt. Das Grabfeld soll seine ganze Anmut im Laufe der Jahreszeiten zeigen.

Mit seinem terrassenförmigen Aufbau, gestützt durch Trockenmauern aus Ruhrsandstein, fügt es sich harmonisch in das Relief des Friedhofsgeländes ein. Als prägendes Gestaltungselement wurden 149 junge Weinreben der Rotweinsorte "Cabertin" angepflanzt. Dabei wurde die Anlage durch die Winzerin Tina Krachten professionell begleitet. Individuelle Grabpflege durch die Angehörigen ist aufgrund dieser Gestaltung nicht notwendig, so dass das Angebot den Nachfragetrends entgegenkommt.

Eigenanbau von Wein bei Bürger*innen gefragt

Schon nach noch nicht einmal einem Jahr ist der Erfolg beeindruckend. Die Ruhestätte am Weinberg wird von der Bevölkerung offenbar als so attraktiv empfunden, dass alle 36 nutzbaren Grabstellen bereits vergeben wurden.

Die Friedhöfe Dortmund haben darauf rechtzeitig reagiert. Die Ruhestätte am Weinberg wurde in diesem Sommer durch den Ausbildungsbetrieb deutlich erweitert. Vom nächsten Monat sind 73 weitere Grabstellen im Angebot. Dann können auch Interessenten zum Zuge kommen, die von der Anlage so beeindruckt sind, dass sie bereits eine "Reservierung" vornehmen wollten.

Übersichtliche Kosten beim Nutzungsrecht

Das Nutzungsrecht an einer pflegefreien Urnenwahlgrabstelle in der Ruhestätte am Weinberg wird für 25 Jahre erworben. Nach Ablauf dieser Zeit kann die Grabstelle mit zwei Urnen belegt werden. Die Gebühr für die gesamte Nutzungszeit beträgt aktuell 2.450 Euro; das entspricht einem Betrag von 98 Euro pro Jahr. Nach Ablauf von 25 Jahren muss die Grabstelle keineswegs aufgegeben werden. Das Nutzungsrecht kann zeitlich verlängert werden.

Ruhestätte am Weinberg: Wie kam es zu dieser Idee?

Mit der Ernte der ersten Trauben im Anbaugebiet Rheinhessen hat das Deutsche Weinbauinstitut Ende August den offiziellen Start der Weinlese 2021 ausgerufen. In diesem Zusammenhang fragen die Dortmunder*innen immer wieder bei den Verantwortlichen der Friedhöfe nach, wie hoch denn der Ernteertrag aus dem Weinanbau wohl sein wird und was mit den Weintrauben passiert?

Nun ist es so, dass junge Weinreben erst nach drei bis vier Standjahren ihren vollen Ertrag erreichen. Nach dem ersten Jahr ist festzustellen, dass 25 junge Reben sich mit dem Holzener Boden nicht anfreunden konnten und ihr Wachstum eingestellt haben. Erfreulich ist aber festzustellen, dass ein Großteil der Pflanzung sich am neuen Standort wohl fühlt und erste Trauben herangereift sind.

Neugierde auf erste Ergebnisse ist riesig

Der Ertrag ist aber noch so gering, dass über eine Verwertung in diesem Jahr nicht nachgedacht werden muss. Nachdem die Trauben ihre ansprechende rote Färbung erreicht hatten, war auch relativ schnell festzustellen, dass sich offenbar mehrere Zwei- und Vierbeiner ihre eigenen Gedanken über eine Verwertung gemacht haben, denn ein deutlicher Trauben-Schwund ist auszumachen.

Alle Beteiligten freuen sich jetzt auf das zweite Weinjahr, dann mit der ersten Ernte auch von den neu gepflanzten Reben, und sind auf die Ergebnisse im Herbst 2022 gespannt.

Zum Thema

Alle Informationen zu den Dortmund möglichen Grabarten finden Sie online auf

Dieser Beitrag befasst sich mit Verwaltungsangelegenheiten der Stadt Dortmund. Dieser Hinweis erfolgt vor dem Hintergrund aktueller Rechtsprechung.