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Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Jesús González Rebordinos

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Stadtgeschichte

Sensationsfund: Fundament des Schwanenturms am Wall entdeckt

Nachricht vom 20.10.2021

Für den Radweg am Wall wird fleißig um- und ausgebaut. Dabei fanden Archälog*innen alte Reste der Stadtmauer, die um den Dortmunder Wall führt. Nun folgt ein neues Baustellen-Highlight: Am Schwanenwall wurde das Fundament des Schwanenturms freigelegt.

Schwanenturm wieder entdeckt - Sensationsfund am Dortmunder Wall Quelle: YouTube

Während der Bauarbeiten für den Radwall haben Archäolog*innen das vollständige Fundament des Schwanenturms mit einem knapp 10 Meter langen Teilstück der Hauptmauer freigelegt. "Wir finden hier und da was, wenn wir die Erde aufmachen. Dass wir aber einen so gut erhaltenen Teil finden, hätten wir nicht gedacht", sagt Baudezernent Arnulf Rybicki am Mittwoch, 20. Oktober, über den Sensationsfund.

Der Schwanenturm wurde, wie auch alle anderen Türme der Stadtbefestigung, nicht sofort beim Bau der Stadtmauer im 13. Jahrhundert errichtet, sondern erst als nachträgliche Sicherungsmaßahme im 14. Jahrhundert außen vor die Mauerschale der Stadtmauer gesetzt. Dies bezeugen auch die Bau-Fugen zwischen Mauer und Turm-Fundament. Für die Archäolog*innen etwas ganz Besonderes.

Der Fund und seine Bedeutung

Das rechteckige Fundament des Schwanenturms ist etwa 7,1 Meter x 5,5 Meter groß und die Turmmauern weisen eine Breite von 1,65 Meter bis 1,70 Meter auf. Etwa 13,58 Quadratmeter standen demnach dem Wachpersonal im Turm-Inneren als Aufenthaltsfläche in jeder Etage zur Verfügung.

v.l.: Ingmar Luther, Stadtarchäologe Dortmund, Sylvia Uhlendahl, Leiterin Tiefbauamt und Arnulf Rybicki, Dezernent für Bauen und Infrastruktur

v.l.: Ingmar Luther, Stadtarchäologe Dortmund, Sylvia Uehlendahl, Leiterin Tiefbauamt und Baudezernent Arnulf Rybicki.
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dortmund-Agentur / Angela Seger

Wie die vorgefundenen Strebpfeiler, so war auch das Fundament des Schwanenturms für die Archäolog*innen eine echte Überraschung. Nicht etwa, weil die Existenz des Turmes vorher unbekannt gewesen wäre, sondern, weil die Mauern heute noch erstaunlich gut erhalten sind. "Die Stadtmauer liegt 15-20 Zentimeter unter dem Belag und ist dafür relativ unbeschädigt", so der Dortmunder Stadtarchäologe Ingmar Luther.

Denn nach dem Rückbau des Schwanenturms 1832 war das Grundstück seit der Mitte des 19. Jahrhunderts bis 1945 mit dem Gebäude Schwanenwall Nr. 45 überbaut. Es musste angenommen werden, dass die Unterkellerung des Hauses zu massiven Schäden am Fundament des Turmes oder zu dessen vollständiger Zerstörung geführt hatte. Doch die erste Bestandsaufnahme bezeugt das Gegenteil: Ein erster Tiefschurf ergab, dass die Mauern mindestens noch 1,50 Meter mächtig sind. Wahrscheinlich ist sogar eine Höhe von 2,50 Metern erhalten.

Wenige sichtbare Zeugnisse der Stadtgeschichte

Im heutigen Stadtbild weist fast kein Zeugnis mehr auf die Jahrhunderte alte Geschichte der Stadt hin. Dass Dortmund einst stolze und freie Reichs- und Hansestadt war, ist vielen Dortmunder*innen vermutlich ebenso wenig bewusst, wie die Tatsache, dass bereits wenige Zentimeter unter der Oberfläche auf dem Wallring die mächtige mittelalterliche Stadtbefestigung liegt.

Diese sorgte einst dafür, dass sämtliche Versuche, Dortmund von außen einzunehmen, fehl schlugen. "Die Türme wurden nachträglich gesetzt, wohl als Sicherheitsmaßnahme. Dortmund war als reiche Hansestadt sehr begehrt bei Verbrechern. Durch den Turm konnten die Angreifer von beiden Seiten beschossen werden", erläutert Ingmar Luther.

Spannende archäologische Funde wie der mittelalterliche Holz-Bohlen-(Hell-)weg , das Ostentor oder gar die Haupt- oder Vormauer zwischen Ostentor und Olpe liegen direkt unter den heutigen Fahrbahnen oder zumindest in unmittelbarer Nähe dazu.

Gerade die vielen Baustellen der jüngsten Zeit haben das historische Bild so lebendig wie nie zuvor werden lassen. Die Lage der Baustellen erklärt jedoch auch, warum sich eine dauerhafte Sichtbarmachung dieser spannenden Zeitzeugnisse bisher kaum realisieren ließ.

Mir schlägt das Herz unheimlich, wenn ich so etwas entdecke und sehe.

Ingmar Luther, Stadtarchäologe

Auch die Fundamente des Schwanenturms liegen nicht im Bereich einer Grünfläche, sondern sie tangieren den Verlauf der zukünftigen Radwall-Trasse auf dem Schwanenwall. "Hier kollidiert das mit dem Bauvorhaben Radwall. Wir werden beides weiter verfolgen: Die Fundstelle wird dokumentiert und elektronisch gesichert und dann wieder geschlossen. Aber so, dass wir das Fundament wieder problemlos öffnen können. Dann werden wir gemeinsam - also das Tiefbauamt, die Archäologie und wir vom Bau - ein Konzept entwickeln, denn zuerst kommt der Radwall", erläutert Dezernent Rybicki das weitere Vorgehen.

Die Funde im Boden werden zunächst für die zukünftigen Generationen gesichert, die Baugrube also wieder verfüllt und der Radwall ganz nach Plan weitergebaut. "Wir Tiefbauer freuen uns natürlich immer, wenn wir etwas Archäologisches finden. Dennoch hat der Radwall Vorfahrt. Deswegen bedecken wir den Fund mit Vlies und versiegeln ihn, so dass er nicht beschädigt werden kann. Dann schauen wir weiter", sagt Sylvia Uehlendahl, Leiterin des Tiefbauamts. "Ich würde am liebsten mit der Freilegung des Turms sofort loslegen, aber wir müssen erst einmal den Radwall fertig stellen", betont auch Archäologe Luther.

Schwanenturm soll erhalten und sichtbar werden

Der Wunsch aller Beteiligten bei der Stadt ist es, die freigelegten Turm-Fundamente am Schwanenwall als wichtiges und außergewöhnliches Stück des mittelalterlichen Befestigungsbollwerks sichtbar und erfahrbar zu machen, und die Geschichte des alten Dortmund in das heutige Stadtbild zu integrieren. Eine Idee wäre eine Stahlgitter-Brücke für den Radverkehr, um das Bodendenkmal zu überbrücken und darunter zu präsentieren.

Ob eine Brücke die richtige Idee ist oder es andere Lösungen geben kann, muss nun sorgfältig geprüft werden. Die Untere Denkmalbehörde wird mit der Unterstützung des Tiefbauamtes ein Konzept dazu erarbeiten. Dabei werden auch gestalterische Aspekte und die Unterhaltung und Finanzierung betreffende Punkte berücksichtigt. Das finale Konzept wird dann den zuständigen Gremien vorgelegt.

Da die Realisierung eines solchen Vorhabens nicht nahtlos umgesetzt werden kann, soll das Bodendenkmal zunächst vor Umwelteinflüssen geschützt und die Baugrube gesichert werden.

Dieser Beitrag befasst sich mit Verwaltungsangelegenheiten der Stadt Dortmund. Dieser Hinweis erfolgt vor dem Hintergrund aktueller Rechtsprechung.