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Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Jesús González Rebordinos

Denkmalpflege

Erinnerungen gesucht: Adelssitz Haus Mengede soll virtuell nachgebaut werden

Nachricht vom 13.01.2022

Der ehemalige Adels- und Rittersitz Haus Mengede war etwas Besonderes in Dortmund. Von dem einst imposanten Bau ist heute leider nur noch eine Sockelruine erhalten. Jetzt möchte die Denkmalbehörde ein 3D-Modell von dem imposanten Bau erstellen und sucht dafür Bilder und Erinnerungen von Bürger*innen.

Aquarell Haus Mengede

Maler Carl Determeyer hat das Haus Mengede in einem Aquarell festgehalten. Es zeigt den Herrensitz mit der Bogenbrücke und Gräfte.
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Stadt Dortmund

Bislang gibt es nur wenig Bildmaterial über Haus Mengede. Um eine maßstabsgetreue und authentische Rekonstruktion zu erstellen, ruft die Denkmalbehörde jetzt die Dortmunder*innen zur Mithilfe auf: Gesucht werden alte Fotos, Ansichtskarten oder Zeichnungen vom dem Adelssitz. Wer hat im Umfeld von Haus Mengede seine Kindheit verbracht und kann sich an das ein oder andere spannende Detail des Hauses erinnern?

"Ein Highlight wären Aufnahmen oder Erinnerungen vom Innern des Hauses, denn hierzu mangelt es tatsächlich an Informationen", sagt Ingmar Luther, Archäologe bei der Unteren Denkmalbehörde der Stadt. "Je mehr Vorlagen gefunden werden, desto realistischer kann der virtuelle Nachbau gelingen", weiß Dr. Benjamin Weber von Dive Into Virtual Reality (DIVR), mit dessen Know-how das Projekt verwirklicht werden soll.

Ziel ist es, der Öffentlichkeit den Adelssitz in seiner ursprünglichen Form wieder zeigen zu können. Dabei wird auf neueste Technologien gesetzt. "Über eine App, die auf jedem Smartphone genutzt werden kann, soll es Besucher*innen möglich werden, das historische Gebäude virtuell zu begehen", sagt Weber.

Was über Haus Mengede bekannt ist:

Haus Mengede war eine mächtige Wasserburganlage mit Tor und Graben. Es wurde zwischen 1260 und 1270 auf dem Boden des Oberhofes des alten Reichsguts Mengede errichtet. Die Anlage lag gleich am Nordrand des Ortes Mengede mit seiner romanischen Kirche St. Remigius, auf einem befestigten, künstlichen Hügel mit Emscherumflut.

Die Ritterburg war eine zweiteilige Anlage, bestehend aus Haupt- und Vorburg in einem großen Hausteich. Innerhalb der Gräfte, nördlich des auf einer quadratischen Insel liegenden Haupthauses, lag ein im Westen und im Osten an die Vorburg angeschlossener Erdwall.

Innerhalb der Vorburg war 1306 ein weiteres befestigtes Wohnhaus erbaut worden. Der sogenannte Aphof, bei dem es sich einer Beschreibung nach um ein Schloss mit Toren, Mauern, Gräben und Bergfried gehandelt haben soll. Das Bauwerk dürfte etwa dort gelegen haben, wo man 1902 die neuen Wirtschaftsgebäude errichtet hatte.

Ebenfalls auf der sichelförmigen Vorburg befanden sich verschiedene Wirtschaftsgebäude sowie eine Kapelle. Die Hauskapelle war ein einfaches Gebäude, wohl in das 17. Jahrhundert datierend und diente den Katholiken Mengedes nach ihrer Vertreibung aus St. Remigius als Pfarrkirche.

1899 zerstörte ein Feuer das Gotteshaus. Ob es schon vor der Erwähnung des Kaplans im 14. Jahrhundert auf Haus Mengede eine Kapelle gegeben hat, konnte bisher nicht geklärt werden. Außerhalb der Vorburg, direkt südlich befanden sich eine Korn- und eine Ölmühle, die jedoch nach der Emscherregulierung ihren Antrieb verloren.

Bodendenkmal Haus Mengede

Von dem einstigen Haus Mengede ist heute lediglich die Sockelruine erhalten. Jetzt soll in einem virtuellen Projekt der Adelssitz als 3D-Modell entstehen.
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Stadt Dortmund

Bodendenkmal als restauriertes Relikt

Heute lässt sich kaum noch erahnen, dass es sich bei den Mauerresten hinter dem grünen Stabgitterzaun am Emscher Radweg im Bereich der Waltroper Straße 2-10 um die Relikte der einst so mächtigen Wasserburg der Herren von Mengede handelt. Haus Mengede wurde 1968 abgerissen. Das Gebäude war baufällig, die Trennwände außergewöhnlich unregelmäßig und auch die Grundmauern hatten möglicherweise keine Originalsubstanz mehr.

Darum existiert heute von dem ehemaligen Adelssitz nur noch eine etwa 90 cm hohe Sockelruine und die ehemalige, die Burg umgebende Gräfte ist verfüllt. Bis zum Abriss hatte das zweigeschossige Haus Mengede mit Mansarddach und ebenerdigem Keller die räumliche Aufteilung des Umbaus von 1723 behalten. Jüngere An- und Umbauten folgten. Dabei wurden Schießscharten, Wehrmauern und weitere Befestigungen zugemauert bzw. entfernt und große Fenster eingebaut.

In den letzten zehn Jahren wurde das Bodendenkmal aufwendig restauriert. Durch Witterung, Ausbreitung der Pflanzen und Vandalismus gab es extreme Schäden an den Mauerresten. Die Untere Denkmalbehörde hat nun eine Sockelruine als Bodendenkmal freigelegt.

Rekonstruktion wie beim Mahnmal des Künstlers Benno Elkan

Das virtuelle Projekt Haus Mengede knüpft technologisch an das Mahnmal des Künstlers Benno Elkan an, das 2017 digital rekonstruiert worden ist. Hierbei handelt es sich um ein verlorengegangenes Kunstwerk, wo nur noch sieben Schwarz-Weiß-Fotos dieses Modells, ohne Maßstäbe, ohne technische Angaben, mit kaum unterschiedlichen Perspektiven, existierten. Das Mahnmal konnte in einem aufwendigen Verfahren digital nachgebaut werden und wird aktuell als 3D-Rekonstruktion in Augmented Reality (AR) sowohl im öffentlichen Raum (hinter dem Dortmunder U) und im Museum für Kunst- und Kulturgeschichte ausgestellt. Interessierte können sich das Mahnmal mit modernen Spezialbrillen sowie Smartphones und Tablets, als 3D-Version im Raum eingebettet, anschauen.

Die Denkmalbehörde freut sich über jedes Puzzleteil zum Haus Mengede, das noch gefunden werden kann. Stadtarchäologe Ingmar Luther ist telefonisch 0231 50-24299 und per E-Mail luther@stadtdo.de erreichbar. Selbstverständlich muss niemand seine Fundstücke dauerhaft abgeben – alle bekommen ihre Bilder, Skizzen, Zeichnungen und Fotos wieder zurück.

Zum Thema

Wer Fotos oder Zeichnungen von Haus Mengede besitzt oder Erinnerungen an den Adelssitz hat, kann sich bei der Unteren Denkmalbehörde melden. Ansprechpartner ist Stadtarchäologe Ingmar Luther.

Dieser Beitrag befasst sich mit Verwaltungsangelegenheiten der Stadt Dortmund. Dieser Hinweis erfolgt vor dem Hintergrund aktueller Rechtsprechung.