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Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Jesús González Rebordinos

Ausstellung

Ignacio Uriarte zeigt mit "Office Work" im Museum Ostwall Kunst aus dem Büro

Nachricht vom 20.04.2022

Die Utensilien des spanisch-deutschen Künstlers Ignacio Uriarte stammen aus dem Büroalltag: Es sind Notizblöcke, Kugelschreiber, Heftklammern oder Lineale. Das Museum Ostwall im Dortmunder U zeigt ab Freitag, 22. April, eine ausgewählte Übersicht seines Schaffens - in der Schau "Office Work".

MO-Direktorin Dr. Florence Thurmes (li), Künstler Ignacio Uriarte und Kuratorin Natalie Çalkozan.

MO-Direktorin Dr. Florence Thurmes (li), Künstler Ignacio Uriarte und Kuratorin Natalie Çalkozan.
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Stadt Dortmund / Katrin Pinetzki

Ausgangspunkte für die Arbeiten des Künstlers sind routinierte, fast langweilig erscheinende Vorgänge der Arbeitswelt, wie zum Beispiel das Kritzeln auf einen Schreibblock während eines Telefonates oder das Einordnen von Aktenordnern in ein Regal. Basierend auf diesen Bewegungen entstehen Kunstwerke, die weder abbilden noch abstrahieren und daher in ihrer Formsprache an Minimal Art und Konkrete Kunst erinnern.

Zum Einsatz kommen dabei simple Techniken wie das Reihen, Spiegeln und Überlagern von Formen und Farben. Die entstehenden Muster und Abfolgen spielen mit der optischen Wahrnehmung ihres Gegenübers. Die Arbeiten bestechen durch eine Eleganz, die auf dem Akt der Wiederholung und Anordnung beruht. Diese simple Ausgangsposition lässt in meditativ anmutender Handarbeit eine Ästhetik entstehen, die den Prozess der Ausführung und die Materialität der verwendeten Utensilien in den Vordergrund stellt.

Die Kunst des Herausreißens

So zum Beispiel bei der Arbeit aus der Serie "Blocs", die aus zwei DIN A4 Schreibblöcken besteht. Im Fokus steht hier der Vorgang des Herausreißens. Die Ausgangslage ist bekannt: Man möchte schnell eine Seite aus dem Notizblock reißen und produziert dabei rissige Ecken und Kanten, so dass man erneut versucht, eine Seite unversehrt und mit glattem Abriss aus dem Block zu entfernen.

Dieser lästige Umstand des Büroalltags wird in "Blocs" zur Kunstform umgewandelt. Nacheinander wurde hier jede einzelne Seite des Blocks, die an der Oberkante zusammengehalten werden, in kurvig versetzten Bewegungen herausgerissen, wodurch sich Papierschichten in unterschiedlichen Höhenlagen herausbilden. Die so entstandenen Werke erinnern stark an 3D-Scans von Landschaften, an Gesteinstexturen und schäumende Wasserwellen.

In der Arbeit "Vier-Farbüberlagerung" steht der Kugelschreiber im Mittelpunkt: Ausgeführt mit den klassischen Bürofarben Schwarz, Grün, Rot und Blau formen sich durch geschwungenes, dichtes Gekritzel Rechtecke, deren Kanten sich überlagern. Diese Überlagerung von feinen, wellenartigen Farbstrukturen führt zur Simulation von Räumlichkeit. Ähnlich der Op Art, die unter Verwendung reduzierter geometrischer Formensprache optische Wirkungen von Licht, Bewegung und Raum imitiert, spielt auch diese Arbeit mit der Wahrnehmung seines Gegenübers. Die Rechtecke erscheinen wie Dokumente, die durch einen Zusammenstoß im Büro auf den Boden gefallen sind.

Moiré-Effekt mit der Schreibmaschine

Neben Notizblöcken, Kugelschreibern und Linealen, die bis heute auf fast jedem Schreibtisch zu finden sind, bedient sich Uriarte aber auch technischen Errungenschaften der Arbeitswelt, die bereits musealen Charakter besitzen. Was heute auf dem Laptop geschrieben wird und relativ steril anmutet, wurde früher mit Papier und Farbband auf der Schreibmaschine getippt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts läutete diese in den Betrieben das Zeitalter der Ordnung, Sauberkeit und Produktivität ein.

Ignacio Uriarte, aus der Animation "Archivadores en Archivo", 2007, ©VG Bild-Kunst, Bonn 2022. Courtesy Philipp von Rosen Galerie

Ignacio Uriarte, aus der Animation "Archivadores en Archivo", 2007, ©VG Bild-Kunst, Bonn 2022. Courtesy Philipp von Rosen Galerie

Als ästhetisch produktiv erweist sich auch die Arbeit "Triangular Circle Suite 2". Auf der Schreibmaschine getippte Schrägstriche formen Dreiecke, die sich in unterschiedlichen Winkeln überlagern und so Muster entstehen lassen, die einen dynamisch-schwingenden Eindruck vermitteln und den so genannten Moiré-Effekt erzeugen. Der Moiré-Effekt (Rasterüberlagerung) entsteht, wenn sich zwei gleichmäßige Muster ungleichmäßig überlagern. Dem einstigen Gedanken der Beschleunigung beraubt, wird die Maschine hier zu einem Zeicheninstrument, das komplexe und optisch reizvolle Kompositionen entstehen lässt.

Beeinflusst wurde Uriarte von Künstlerinnen wie Hanne Darboven, Agnes Martin oder Vija Celmis, deren Werke durch minutiöse handwerkliche Prozesse entstehen, die viel Geduld und Fleiß erfordern.

In ihren illusionistischen Naturdarstellungen überträgt beispielweise die Künstlerin Vija Calmis, basierend auf fotografischen Vorlagen, akribisch die organischen Oberflächen von Wüsten, Spinnennetzen und Seelandschaften auf Papier. Dabei experimentiert sie mit unterschiedlichen Qualitäten von Materialen und Formen der Druckgrafik und lotet immer wieder das Spannungsverhältnis zwischen Raumsuggestion und Abbildungsqualität aus.

Zum Thema

Die Ausstellung "Office Work" von Ignacio Uriarte ist vom 22. April bis zum 19. Juni im MO-Schaufenster, Museum Ostwall im Dortmunder U (Ebene 5), Leonie-Reygers-Terrasse, 44137 Dortmund zu sehen. Der Eintritt ist frei.

Dieser Beitrag befasst sich mit Verwaltungsangelegenheiten der Stadt Dortmund. Dieser Hinweis erfolgt vor dem Hintergrund aktueller Rechtsprechung.