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Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Jesús González Rebordinos

Initiative #LastSeen

Mobile Ausstellung an der Steinwache zeigt Bilder der NS-Deportationen

Nachricht vom 28.11.2022

Wer waren die Menschen, die zwischen 1938 und 1945 in Ghettos oder Lager verschleppt wurden? Die Initiative #LastSeen sammelt und zeigt Bilder von NS-Deportationen. Ein Lkw dient als mobile Ausstellungsfläche. Bis zum 7. Dezember macht er Halt vor der Mahn- und Gedenkstätte Steinwache in Dortmund.

LKW zeigt die Ausstellung "Last Seen"

Die mobile Ausstellung #LastSeen ist dienstags bis sonntags vor der Steinwache zu sehen.
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Arnd Lülfing

Die mobile Ausstellung ist Teil einer Initiative der Arolsen Archives und macht bis zum 7. Dezember in Dortmund Station. Geöffnet ist die Ausstellung im Lkw vor der Steinwache dienstags bis sonntags von 10:30 bis 16:30 Uhr. Der Eintritt ist frei.

An deportierte Menschen erinnern

Mit der Ausstellung macht die Initiative #LastSeen auf sich aufmerksam, informiert über die NS-Deportationen und bittet Freiwillige, sich an der Suche nach Bildern vor Ort zu beteiligen. Es geht aber auch darum, an die Menschen, ihre Namen und ihre Schicksale zu erinnern und die bislang namenlosen Abgebildeten zu identifizieren. Der LKW, auf dem die Ausstellung gezeigt wird, stammt aus den 1950er-Jahren, für den Transport von Verfolgten zu Sammellagern und Bahnhöfen wurden jedoch ähnliche Fahrzeuge genutzt.

Zwei Fotos aus dem Stadtarchiv

Markus Günnewig, Leiter der Steinwache, ist froh darüber, die Ausstellung an der Mahn- und Gedenkstätte zeigen zu können. "In direkter Nachbarschaft der Steinwache wurden die Betroffenen mehrerer großer Deportationen aus Dortmund gesammelt", sagt er. Das Stadtarchiv Dortmund hat bereits mehrere Fotos zum Projekt #LastSeen beisteuern können.

Foto aus dem Bestand des Stadtarchivs, das 2015 von der Angehörigen eines der abgebildeten Polizisten an die Gedenkstätte Steinwache übergeben wurde. Es zeigt die Wachmannschaft der Deportation von 791 Jüdinnen und Juden aus dem Regierungsbezirk Arnsberg ins polnische Zamość.

Eines der Fotos aus dem Bestand des Stadtarchivs: Es zeigt die Wachmannschaft der Deportation von 791 Jüdinnen und Juden aus dem Regierungsbezirk Arnsberg ins polnische Zamość.
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Stadtarchiv Dortmund

Zwei dieser Fotos zeigen die Wachmannschaft der Deportation von 791 Jüdinnen und Juden aus dem Regierungsbezirk Arnsberg ins polnische Zamość, die am 30. April 1942 am Dortmunder Südbahnhof ihren Anfang nahm. Keiner der Deportierten überlebte den Holocaust. Bisher konnten lediglich zwei der Abgebildeten identifiziert werden.

Suche nach mehr Bildern

Im Zentrum von #LastSeen stehen die Fotos von Deportationen aus dem Deutschen Reich zwischen 1938 und 1945. Die meisten der Männer, Frauen und Kinder sind auf den Bildern ein letztes Mal zu sehen – bevor die Nationalsozialisten sie in die Vernichtungslager brachten und ermordeten.

Bisher sind Fotos von NS-Deportationen aus etwa 50 Orten bekannt. Überwiegend dokumentieren sie die Verschleppung der Menschen, die vom NS-Regime als Juden und Jüdinnen aus der Gesellschaft ausgeschlossen und entrechtet worden waren. Einige wenige Bilder sind von den Deportationen der Sinti und Roma erhalten. Es ist wahrscheinlich, dass es mehr Fotos gibt. Denn die Deportationen fanden in vielen Städten und Gemeinden statt – in aller Öffentlichkeit.

Zusammenhänge verstehen

Neben der Suche nach Bildern, geht es bei #LastSeen auch um ein neues Verständnis der Fotos. Viele Fragen, die sie aufwerfen, sind bislang nicht beantwortet: Wer ist abgebildet? Wer hat fotografiert? Wann und wo entstanden die Aufnahmen? Floriane Azoulay, Direktorin der Arolsen Archives, erklärt, warum die Mithilfe von Interessierten vor Ort für die Initiative so wichtig ist: "Je mehr Menschen den Historikerinnen und Historikern bei der Suche nach Bildern und Informationen helfen, desto umfangreicher und interessanter werden die Ergebnisse von #LastSeen".

Digitaler Bildatlas und pädagogisches Programm

Erste Ergebnisse von #LastSeen werden Ende 2022 veröffentlicht und stehen damit sowohl der Forschung als auch der Öffentlichkeit zur Verfügung. Zudem wird aktuell ein interaktives, partizipatives Tool entwickelt, mit dem Schüler*innen das Bildmaterial zu Deportationen lesen und verstehen lernen.

Zur Initiative

Die Arolsen Archives sind das weltweit umfassendste Archiv zu den Opfern und Überlebenden des Nationalsozialismus. Die Sammlung gehört zum UNESCO-Weltdokumentenerbe. #LastSeen ist eine Initiative der Arolsen Archives & Partner: Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz; Institut für Stadtgeschichte und Erinnerungskultur, Kulturreferat der Landeshauptstadt München; USC Dornsife Center for Advanced Genocide Research, Los Angeles und Zentrum für Antisemitismusforschung, TU Berlin. Projektleiterin ist die Historikerin Dr. Alina Bothe. Das Projekt wird von der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ) und dem Bundesministerium der Finanzen (BMF) im Rahmen der Bildungsagenda NS-Unrecht gefördert.

Dieser Beitrag befasst sich mit einem Kooperationsprojekt unter Beteiligung der Stadt Dortmund. Dieser Hinweis erfolgt vor dem Hintergrund aktueller Rechtsprechung.